Bußgeldbescheid gegen Firmenfahrzeug

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Kurz erklärt Der Bußgeldbescheid gegen Firmenfahrzeug richtet sich gegen die Person, die gefahren ist, nicht gegen das Unternehmen als Halter. Die Firma erhält meist einen Zeugenfragebogen. Bleibt der Fahrer bis zur Verfolgungsverjährung unbekannt, die nach § 26 Abs. 3 StVG für die meisten Verkehrsverstöße sechs Monate beträgt, droht eine Fahrtenbuchauflage nach § 31a StVZO.

Person mit einem Umschlag neben einem Firmenwagen, der auf einer deutschen Straße parkt, im Kontext eines Bußgeldbescheid gegen Firmenfahrzeug
Inhalt 4 Abschnitte

Bußgeldbescheid gegen Firmenfahrzeug: Wer bekommt Post, wenn der Firmenwagen geblitzt wurde?

Beim Bußgeldbescheid gegen Firmenfahrzeug kennt die Bußgeldstelle zunächst nur das Kennzeichen. Über die Halterabfrage landet sie beim Unternehmen, auf das der Wagen zugelassen oder geleast ist. Betroffener im Bußgeldverfahren ist aber der Mensch am Steuer.

Das Unternehmen bekommt deshalb in der Regel einen Zeugenfragebogen mit der Bitte, den Fahrer zu nennen. Erst wenn die Behörde eine Person ermittelt hat, schickt sie dieser einen Anhörungsbogen nach § 55 OWiG und später gegebenenfalls den Bußgeldbescheid.

Bei Park- und Halteverstößen erteilen Behörden die Verwarnung teils direkt dem Halter. Zahlt das Unternehmen sie, begleicht es eine eigene Schuld (BFH, 13.08.2020, VI R 1/17).

Muss das Unternehmen den Fahrer nennen?

Beim Bußgeldbescheid gegen Firmenfahrzeug gibt es keine allgemeine Pflicht, sich oder Angehörige zu belasten. Wer selbst gefahren ist, darf als Zeuge die Auskunft nach § 55 StPO verweigern, Angehörige haben ein Zeugnisverweigerungsrecht nach § 52 StPO; beides gilt über § 46 Abs. 1 OWiG auch im Bußgeldverfahren.

Schweigen hat aber einen Preis. Bleibt der Fahrer trotz angemessener Ermittlungen unbekannt, darf die Behörde dem Halter nach § 31a StVZO eine Fahrtenbuchauflage erteilen, auch für mehrere Fahrzeuge. Das gilt auch, wenn der Halter sich so spät meldet, dass eine Ahndung vor der Verjährung nicht mehr zumutbar möglich ist (BVerwG, Beschluss vom 07.05.2024, 3 B 6.23). Dort nannte eine GmbH die Fahrerin erst am letzten Tag der Frist, das Fahrtenbuch für neun Monate hielt.

Einen falschen Fahrer zu nennen, kann als falsche Verdächtigung strafbar sein (§ 164 Abs. 2 StGB).

Wer zahlt beim Bußgeldbescheid gegen Firmenfahrzeug, die Firma oder der Fahrer?

Die Geldbuße aus einem Bußgeldbescheid gegen Firmenfahrzeug schuldet der Fahrer persönlich. Übernimmt der Arbeitgeber sie, ist das steuerpflichtiger Arbeitslohn (BFH, Urteil vom 14.11.2013, VI R 36/12). Mehr dazu unter Bußgeldbescheid und Steuern.

Bei einem Parkverstoß gibt es eine Besonderheit. Lässt sich der Fahrer nicht vor der Verjährung ermitteln, trägt der Halter nach § 25a StVG die Kosten des Verfahrens. Dagegen kann binnen zwei Wochen gerichtliche Entscheidung beantragt werden (§ 25a Abs. 3 StVG).

Wer den Wagen auch privat nutzt, findet Regeln dazu oft im Vertrag zum Dienstwagen.

Welche Folgen hat der Verstoß für den Fahrer?

Für den Fahrer gelten dieselben Regeln wie im Privatwagen: Bußgeld, gegebenenfalls Punkte und Fahrverbot nach dem Bußgeldkatalog. Wer noch in der Probezeit ist, muss zusätzlich mit Maßnahmen nach § 2a StVG rechnen, siehe geblitzt in der Probezeit.

Die Verfolgungsverjährung beträgt nach § 26 Abs. 3 StVG für die meisten Verkehrsordnungswidrigkeiten sechs Monate. Die Anordnung der Anhörung des Fahrers unterbricht sie (§ 33 Abs. 1 Nr. 1 OWiG), ein Zeugenfragebogen an die Firma nicht. Gegen einen Bescheid bleiben zwei Wochen ab Zustellung für den Einspruch (§ 67 Abs. 1 OWiG).

Ist der Job ohne Führerschein nicht machbar, hängt es vom Einzelfall ab, ob eine Kündigung wegen Verlust des Führerscheins in Betracht kommt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Betroffener im Bußgeldverfahren ist der Fahrer, das Unternehmen erhält als Halter meist nur einen Zeugenfragebogen.
  • Die Verfolgungsverjährung beträgt nach § 26 Abs. 3 StVG für die meisten Verkehrsordnungswidrigkeiten 6 Monate.
  • Bleibt der Fahrer unbekannt, kann die Behörde nach § 31a StVZO ein Fahrtenbuch für ein oder mehrere Fahrzeuge anordnen (BVerwG 3 B 6.23).
  • Übernimmt der Arbeitgeber die Geldbuße des Fahrers, ist das Arbeitslohn (BFH VI R 36/12).
  • Bei Halt- und Parkverstößen trägt der Halter die Verfahrenskosten, wenn der Fahrer nicht rechtzeitig ermittelt wird (§ 25a StVG).

Häufige Fragen (10)

Was passiert beim Bußgeldbescheid gegen Firmenfahrzeug, wenn der Fahrer nicht ermittelt wird?

Beim Bußgeldbescheid gegen Firmenfahrzeug wird das Bußgeldverfahren eingestellt, eine Geldbuße gegen das Unternehmen gibt es dafür nicht. Die Behörde kann aber nach § 31a StVZO ein Fahrtenbuch anordnen, wenn sie alle angemessenen und zumutbaren Ermittlungen unternommen hat. Bei Halt- und Parkverstößen kommt die Kostentragung des Halters nach § 25a StVG hinzu. Wie hoch die Hürde für die Ermittlungen ist, hängt auch davon ab, wie das Unternehmen mitwirkt.

Darf die Firma einen anderen Fahrer angeben?

Nein, nicht bewusst falsch. Wer einer Behörde wider besseres Wissen eine Person als Fahrer nennt, um gegen sie ein Verfahren herbeizuführen, macht sich nach § 164 Abs. 2 StGB strafbar. Wer sich dafür einen Kollegen sucht, der die Punkte übernehmen soll, bewegt sich ebenfalls in diesem Bereich. Erlaubt ist es dagegen, keine Angaben zu machen oder ehrlich mitzuteilen, dass der Fahrer nicht feststellbar ist, mit dem Risiko eines Fahrtenbuchs.

Wann verjährt ein Bußgeldbescheid gegen Firmenfahrzeug?

Für die meisten Verkehrsordnungswidrigkeiten nach sechs Monaten, so steht es in § 26 Abs. 3 StVG. Die Frist beginnt mit der Tat. Unterbrochen wird sie nur durch die in § 33 Abs. 1 OWiG genannten Handlungen, etwa die Anordnung der Anhörung des Betroffenen oder den Erlass des Bußgeldbescheids bei Zustellung binnen zwei Wochen. Ein Zeugenfragebogen an das Unternehmen richtet sich nicht an den Fahrer als Betroffenen.

Bekommt bei einem Bußgeldbescheid gegen Firmenfahrzeug der Geschäftsführer die Punkte in Flensburg?

Nur wenn er selbst gefahren ist. Punkte im Fahreignungsregister werden für die Person eingetragen, gegen die der Bußgeldbescheid rechtskräftig wird. Das ist der Fahrer, nicht der Halter und nicht die Geschäftsführung. Wer als Geschäftsführer den Firmenwagen nur verwaltet, sammelt durch Verstöße seiner Mitarbeiter keine Punkte. Er kann aber Adressat einer Fahrtenbuchauflage für das Unternehmen werden.

Darf der Arbeitgeber ein Verwarnungsgeld vom Lohn abziehen?

Nur unter Voraussetzungen. Hat das Unternehmen als Halter ein ihm erteiltes Verwarnungsgeld bezahlt, braucht es für einen Abzug einen Rückgriffsanspruch gegen den Fahrer, etwa aus dem Arbeitsvertrag. Aufrechnen darf es dann nur gegen den pfändbaren Teil des Lohns (§ 394 BGB). Verzichtet der Arbeitgeber auf den Rückgriff, kann darin nach dem BFH steuerpflichtiger Arbeitslohn liegen (VI R 1/17).

Was gilt, wenn ich mit dem Firmenwagen in der Probezeit geblitzt werde?

Für Dich gelten die Regeln der Fahrerlaubnis auf Probe, egal wem das Auto gehört. Wird ein Verstoß rechtskräftig, der als schwerwiegend eingestuft und ins Fahreignungsregister eingetragen ist, ordnet die Fahrerlaubnisbehörde nach § 2a Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 StVG ein Aufbauseminar an. Zwei weniger schwerwiegende Verstöße haben dieselbe Folge. Die Probezeit verlängert sich dann zusätzlich.

Muss ich als Fahrer auf den Anhörungsbogen antworten?

Zur Sache musst Du nichts sagen. Pflicht sind nur die Angaben zur Person wie Name, Geburtsdatum und Anschrift; wer sie verweigert oder falsch macht, handelt nach § 111 OWiG ordnungswidrig. Zum Vorwurf selbst darfst Du schweigen. Ein Anwalt kann vorher Akteneinsicht beantragen. Ob eine Stellungnahme sinnvoll ist, etwa zum Messort oder zum Foto, hängt von der Beweislage ab.

Kann das Unternehmen beim Bußgeldbescheid gegen Firmenfahrzeug Einspruch für den Fahrer einlegen?

Nicht im eigenen Namen. Einspruch gegen den Bußgeldbescheid kann nach § 67 Abs. 1 OWiG der Betroffene einlegen, also der Fahrer, innerhalb von zwei Wochen nach Zustellung. Über die entsprechend geltenden Vorschriften der Strafprozessordnung kann das auch sein Verteidiger tun. Das Unternehmen kann den Fahrer unterstützen, etwa mit Fahrtenlisten oder Dienstplänen, die zeigen, wer das Fahrzeug tatsächlich hatte.

Wie lange muss ein Fahrtenbuch geführt werden?

Eine feste Dauer nennt § 31a StVZO nicht. Die Behörde legt sie nach dem Gewicht des Verstoßes fest; im Fall des Bundesverwaltungsgerichts 3 B 6.23 waren es neun Monate. Im Fahrtenbuch stehen für jede Fahrt Name und Anschrift des Fahrers, Kennzeichen sowie Datum und Uhrzeit von Beginn und Ende (§ 31a Abs. 2 StVZO). Aufbewahren musst Du es sechs Monate über die Anordnungsdauer hinaus (§ 31a Abs. 3 StVZO).

Kann gegen eine Firma selbst ein Bußgeld verhängt werden?

Für den einzelnen Raser nicht. Das Ordnungswidrigkeitenrecht kennt aber eine Haftung, wenn der Inhaber nötige Aufsichtsmaßnahmen unterlässt und so Verstöße gegen betriebsbezogene Pflichten ermöglicht (§ 130 OWiG). Dann kommt eine Geldbuße gegen die juristische Person nach § 30 OWiG in Betracht. Das betrifft etwa organisierte Verstöße gegen Lenk- und Ruhezeiten. Näheres unter Geldbuße gegen Unternehmen.

Quellen

  1. § 31a StVZO Fahrtenbuch
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026
  2. § 25a StVG Kostentragungspflicht des Halters
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026
  3. § 26 StVG Zuständige Verwaltungsbehörde; Verjährung (Abs. 3: sechs Monate)
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026

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