Abstandsverstoß
Kurz erklärt Ein Abstandsverstoß liegt vor, wenn Du zu dicht auf ein vorausfahrendes Fahrzeug auffährst. § 4 Abs. 1 StVO verlangt einen Abstand, bei dem Du auch bei plötzlichem Bremsen noch halten kannst. Ab mehr als 100 km/h und weniger als drei Zehnteln des halben Tachowerts sieht der Bußgeldkatalog ein Fahrverbot vor.

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Welchen Abstand verlangt das Gesetz?
§ 4 Abs. 1 Satz 1 StVO nennt keine Meterzahl. Der Abstand muss in der Regel so groß sein, dass Du auch dann hinter dem Vordermann halten kannst, wenn er plötzlich bremst. Umgekehrt darf der Vorausfahrende nicht ohne zwingenden Grund stark bremsen (Satz 2). Für Lkw über 3,5 t und Busse gilt auf Autobahnen bei mehr als 50 km/h ein Mindestabstand von 50 Metern (Abs. 3).
Der Bußgeldkatalog rechnet mit dem halben Tachowert. Bei 120 km/h sind das 60 Meter. Teuer wird ein Abstandsverstoß ab mehr als 80 km/h, wenn der Abstand weniger als fünf Zehntel davon beträgt, also weniger als ein Viertel des Tachowerts. Wie Polizei und Behörden den Abstand ermitteln, erklärt der Eintrag Abstandsmessung.
Was kostet ein Abstandsverstoß?
Für Geschwindigkeiten über 100 km/h gilt nach Tabelle 2 der BKatV (Lfd. Nr. 12.6, Stand: Oktober 2026):
| Abstand weniger als | Regelsatz | Punkte | Fahrverbot |
|---|---|---|---|
| 5/10 des halben Tachowerts | 75 Euro | 1 | nein |
| 4/10 | 100 Euro | 1 | nein |
| 3/10 | 160 Euro | 2 | 1 Monat |
| 2/10 | 240 Euro | 2 | 2 Monate |
| 1/10 | 320 Euro | 2 | 3 Monate |
Zwischen 80 und 100 km/h gelten dieselben Beträge, aber ohne Fahrverbot und mit einem Punkt (Lfd. Nr. 12.5). Über 130 km/h steigen sie auf 100 bis 400 Euro (Lfd. Nr. 12.7). Bis 80 km/h kostet ein Abstandsverstoß 25 Euro, mit Gefährdung 30 Euro (Lfd. Nr. 12.1 und 12.2). Über 80 km/h, aber mit mindestens einem Viertel des Tachowerts Abstand, sind es 35 Euro (Lfd. Nr. 12.4). Die Punkte folgen aus Anlage 13 zur FeV und werden im Fahreignungsregister gespeichert. Bei Vorsatz verdoppelt § 3 Abs. 4a BKatV Regelsätze über 55 Euro.
Was bedeutet der Abstandsverstoß in Probezeit & Fahrverbot?
Verstöße gegen § 4 Abs. 1 StVO zählen nach Anlage 12 zur FeV als schwerwiegend. Wird der Verstoß eingetragen, also ab 60 Euro, folgen in der Probezeit beim Führerschein Aufbauseminar und Verlängerung.
Das Fahrverbot nach § 4 Abs. 1 Nr. 2 BKatV ist ein Regelfahrverbot. Ausnahmsweise kann die Behörde oder das Gericht davon absehen und die Geldbuße angemessen erhöhen (§ 4 Abs. 4 BKatV). Ein massiver Abstandsverstoß kann zudem als Nötigung nach § 240 StGB verfolgt werden. Dann gilt nach § 21 OWiG vorrangig das Strafrecht.
Wo setzt die Prüfung eines Abstandsvorwurfs an?
Gemessen wird der Abstand etwa per Video von Autobahnbrücken aus. Ob eine solche Aufzeichnung verwertet werden darf, hängt auch von ihrer Rechtsgrundlage ab. Das Bundesverfassungsgericht hob 2009 eine Verurteilung wegen zu schnellen Fahrens auf, die auf einer Videoaufzeichnung an der Autobahn beruhte: Das Amtsgericht hatte sich auf einen bloßen Erlass gestützt, ohne eine gesetzliche Grundlage für die Aufzeichnung zu prüfen (BVerfG, Beschluss vom 11.08.2009, 2 BvR 941/08). Mehr zu den Verfahren unter Messung durch Polizei per Video.
Prüfenswert sind außerdem die Auswertung der Strecke und das Fahrerfoto, siehe Fahrer nicht erkennbar. Für den Einspruch gegen den Bußgeldbescheid hast Du zwei Wochen ab Zustellung (§ 67 Abs. 1 OWiG). Ob der Einspruch gegen den Abstandsverstoß Aussicht hat, hängt vom Einzelfall ab.
Das Wichtigste in Kürze
- § 4 Abs. 1 StVO verlangt einen Abstand, bei dem Du auch bei plötzlichem Bremsen des Vordermanns halten kannst.
- Der Bußgeldkatalog rechnet mit dem halben Tachowert; über 80 km/h wird es ab weniger als einem Viertel des Tachowerts teuer (BKatV Tabelle 2).
- Über 100 km/h und unter drei Zehnteln des halben Tachowerts drohen 160 Euro, zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot (Lfd. Nr. 12.6.3, Stand Oktober 2026).
- Zwischen 80 und 100 km/h gibt es höchstens 320 Euro und einen Punkt, aber kein Regelfahrverbot.
- Der Einspruch muss binnen zwei Wochen nach Zustellung eingelegt werden (§ 67 Abs. 1 OWiG).
Häufige Fragen (11)
Was kostet ein Abstandsverstoß auf der Autobahn?
Je nach Tempo und Abstand 35 bis 400 Euro. Wer über 80 km/h zu dicht fährt, aber noch mindestens ein Viertel des Tachowerts Abstand hält, zahlt 35 Euro (Lfd. Nr. 12.4). Darunter sieht Tabelle 2 der BKatV über 100 km/h 75 bis 320 Euro vor (Lfd. Nr. 12.6, Stand: Oktober 2026), über 130 km/h bis 400 Euro. Dazu kommen ein oder zwei Punkte und unter drei Zehnteln ein Fahrverbot. Gebühren nach § 107 OWiG kommen bei einem Abstandsverstoß hinzu.
Was bedeutet Abstand halber Tacho?
Halber Tacho heißt: Der Abstand in Metern soll mindestens der Hälfte der gefahrenen Geschwindigkeit entsprechen. Bei 100 km/h wären das 50 Meter, bei 130 km/h 65 Meter. Die StVO selbst nennt diese Zahl nicht, sie verlangt einen Abstand zum sicheren Anhalten. Der Bußgeldkatalog nutzt den halben Tachowert aber als Rechengröße und staffelt die Strafen nach Bruchteilen davon.
Ab wann gibt es beim Abstandsverstoß ein Fahrverbot?
Ab mehr als 100 km/h, wenn der Abstand weniger als drei Zehntel des halben Tachowerts beträgt. Bei 120 km/h sind das weniger als 18 Meter. Dann sieht die BKatV einen Monat Fahrverbot vor, bei kürzeren Abständen zwei oder drei Monate (Lfd. Nr. 12.6.3 bis 12.6.5). Zwischen 80 und 100 km/h gibt es kein Regelfahrverbot, egal wie dicht Du auffährst.
Was passiert bei einem Abstandsverstoß in der Probezeit?
Wird der Verstoß ins Fahreignungsregister eingetragen, folgen Aufbauseminar und Verlängerung der Probezeit um zwei Jahre. Abstandsverstöße nach § 4 Abs. 1 StVO gelten nach Anlage 12 zur FeV als schwerwiegend. Eingetragen wird ab einer Geldbuße von 60 Euro, also bei Tempo über 80 km/h und einem Abstand unter einem Viertel des Tachowerts. Ein Abstandsverstoß bei Stadttempo für 25 Euro bleibt ohne diese Folgen.
Wie viele Punkte gibt es für einen Abstandsverstoß?
Einen oder zwei. Nach Anlage 13 zur FeV gibt es einen Punkt für alle Abstandsverstöße aus Tabelle 2 ohne Fahrverbot, also auch für alle Stufen zwischen 80 und 100 km/h. Zwei Punkte gibt es, wenn ein Regelfahrverbot vorgesehen ist, also über 100 km/h ab weniger als drei Zehnteln des halben Tachowerts. Ein Punkt wird nach § 29 StVG nach zwei Jahren und sechs Monaten getilgt, zwei Punkte nach fünf Jahren.
Gibt es auch innerorts einen Abstandsverstoß?
Ja, aber er ist günstig. Bis 80 km/h kostet ein Abstandsverstoß nach Lfd. Nr. 12.1 der BKatV 25 Euro, mit Gefährdung 30 Euro und mit Sachbeschädigung 35 Euro (Stand: Oktober 2026). Punkte gibt es dafür nicht, weil die Eintragungsgrenze von 60 Euro nicht erreicht wird. Kommt es zum Auffahrunfall, stehen allerdings zivilrechtliche Haftungsfragen im Vordergrund.
Darf der Vordermann einfach stark bremsen?
Nein, nicht ohne zwingenden Grund. § 4 Abs. 1 Satz 2 StVO verbietet es dem Vorausfahrenden, grundlos stark zu bremsen. Mit Gefährdung kostet das nach Lfd. Nr. 13.1 der BKatV 20 Euro, mit Sachbeschädigung 30 Euro. Das entbindet Dich aber nicht von Deiner Pflicht, so viel Abstand zu halten, dass Du auch bei plötzlichem Bremsen noch anhalten kannst.
Ist Drängeln auf der Autobahn eine Straftat?
Es kann eine sein. Ein bloßer Abstandsverstoß ist eine Ordnungswidrigkeit. Wer aber gezielt dicht auffährt, um den Vordermann zum Platzmachen zu zwingen, kann sich wegen Nötigung nach § 240 StGB strafbar machen. Dann wird nach § 21 OWiG nur das Strafrecht angewendet. Ob das Verhalten die Schwelle zur Nötigung überschreitet, hängt von Dauer, Abstand und Gesamtsituation ab.
Welcher Mindestabstand gilt für Lkw auf der Autobahn?
50 Meter. § 4 Abs. 3 StVO verpflichtet Fahrer von Lkw über 3,5 t und von Bussen, auf Autobahnen ab mehr als 50 km/h mindestens 50 Meter Abstand zu halten. Ein Verstoß kostet nach Lfd. Nr. 15 der BKatV 80 Euro und einen Punkt (Stand: Oktober 2026). Daneben gelten auch für Lkw die allgemeinen Abstandsregeln aus Tabelle 2.
Kann man vom Fahrverbot wegen Abstand absehen?
Ausnahmsweise ja. Das Fahrverbot ist ein Regelfahrverbot nach § 4 Abs. 1 BKatV. Behörde oder Gericht können davon absehen, wenn es im Einzelfall unverhältnismäßig wäre, etwa bei einer drohenden Existenzgefährdung. Dann soll die Geldbuße nach § 4 Abs. 4 BKatV angemessen erhöht werden. Bloße Unannehmlichkeiten reichen in der Regel nicht, die Umstände musst Du konkret darlegen.
Wie lange dauert es, bis nach einem Abstandsverstoß Post kommt?
Eine feste Frist gibt es nicht, die Behörde muss aber die Verjährung beachten. Die Verfolgung verjährt bei Verkehrsordnungswidrigkeiten nach § 26 Abs. 3 Satz 1 StVG in sechs Monaten. Ein Anhörungsbogen oder der Bußgeldbescheid unterbricht diese Frist nach § 33 OWiG. Kommt nach sechs Monaten noch nichts, kann Verjährung eingetreten sein; sicher klärt das nur ein Blick in die Akte.
Quellen
Weitere Begriffe in Bußgeldverfahren
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