Dienstwagen zur Privatnutzung
Kurz erklärt Ein Dienstwagen zur Privatnutzung ist ein Sachbezug und damit Teil Deines Arbeitsentgelts, wenn Du ihn auch privat fahren darfst. Steuerlich wird der Vorteil nach § 8 Abs. 2 EStG in der Regel mit 1 Prozent des Bruttolistenpreises pro Monat angesetzt, alternativ nach Fahrtenbuch. Entziehen darf der Arbeitgeber die Privatnutzung nur bei einem wirksamen Widerrufsvorbehalt oder wenn kein Entgeltanspruch mehr besteht.

Inhalt 4 Abschnitte
Warum ist ein Dienstwagen zur Privatnutzung Teil Deines Lohns?
Das BAG sieht in der Überlassung zur privaten Nutzung einen geldwerten Vorteil und Sachbezug, der steuer- und abgabenpflichtiger Teil des Arbeitsentgelts ist (Urteil vom 14.12.2010, 9 AZR 631/09). Daraus folgt zweierlei. Der Arbeitgeber schuldet die Privatnutzung, solange er überhaupt Entgelt zahlen muss, auch während der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall. Endet dieser Zeitraum nach sechs Wochen, entfällt auch der Anspruch auf den Wagen, wenn nichts anderes vereinbart ist.
Ob und wie Du privat fahren darfst, ergibt sich aus Deinem Arbeitsvertrag oder einem gesonderten Überlassungsvertrag. Dort können auch Regeln zum Dienstwagen zur Privatnutzung stehen, etwa zu Tankkarte, Fahrern aus der Familie und Auslandsfahrten.
Wie wird der Dienstwagen zur Privatnutzung versteuert?
Nach § 8 Abs. 2 Satz 2 EStG in Verbindung mit § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG setzt man jeden Monat 1 Prozent des inländischen Bruttolistenpreises bei Erstzulassung an, inklusive Sonderausstattung und Umsatzsteuer. Für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte kommen 0,03 Prozent je Entfernungskilometer hinzu (§ 8 Abs. 2 Satz 3 EStG). Statt der Pauschale kannst Du beim Dienstwagen zur Privatnutzung die tatsächlichen Kosten mit einem ordnungsgemäßen Fahrtenbuch nachweisen.
Ein Rechenbeispiel: Listenpreis 40.000 Euro, 20 Kilometer zur Arbeit. Das ergibt 400 Euro plus 240 Euro, also 640 Euro geldwerter Vorteil im Monat. Für reine Elektroautos ohne CO2-Ausstoß gilt nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 Nr. 3 EStG nur ein Viertel des Listenpreises. Voraussetzung: höchstens 100.000 Euro Listenpreis und Anschaffung nach 2018 und vor 2031. Bei 60.000 Euro Listenpreis sind das 150 Euro plus 90 Euro für den Arbeitsweg (Stand Oktober 2026).
Darf Dir der Arbeitgeber den Wagen wegnehmen?
Den Dienstwagen zur Privatnutzung darf er ohne vertragliche Grundlage nicht entziehen, solange er Entgelt schuldet. Ein Widerrufsvorbehalt in vorformulierten Verträgen muss die Anforderungen von § 308 Nr. 4 BGB erfüllen und zumindest die Richtung der Gründe nennen, etwa wirtschaftliche Gründe oder eine Freistellung. Das zeigt die AGB-Kontrolle im Arbeitsvertrag.
Auch eine wirksame Klausel darf nur nach billigem Ermessen ausgeübt werden. Im Fall des BAG vom 21.03.2012 (5 AZR 651/10) war der Widerruf bei Freistellung nach Kündigung zwar vereinbart. Der Arbeitgeber forderte den Wagen aber mitten im Monat sofort zurück, obwohl die Arbeitnehmerin die Nutzung für den ganzen Monat versteuern musste und es ihr einziges Auto war. Das BAG sprach ihr deshalb eine Nutzungsausfallentschädigung für den Rest des Monats zu.
Was gilt in Elternzeit und am Ende des Arbeitsverhältnisses?
Maßstab bleibt die Frage, ob Entgelt geschuldet ist. Nimmst Du Elternzeit ohne Teilzeit, ruht der Vergütungsanspruch, nach der Logik des BAG entfällt dann in der Regel auch die Privatnutzung. Etwas anderes gilt, wenn Dein Vertrag den Wagen ausdrücklich auch für solche Zeiten zusagt. Mit dem Ende des Arbeitsverhältnisses musst Du den Wagen samt Schlüsseln und Tankkarte zurückgeben, Einzelheiten beschreibt Herausgabe von Arbeitsmitteln. Ansprüche auf Nutzungsausfall solltest Du zügig schriftlich geltend machen, weil Ausschlussfristen im Vertrag kurz sein können.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Privatnutzung ist nach BAG 9 AZR 631/09 Teil des Arbeitsentgelts und nur geschuldet, solange Entgelt geschuldet ist.
- Steuerlich gilt nach § 8 Abs. 2 EStG pro Monat 1 Prozent des Listenpreises plus 0,03 Prozent je Kilometer zum Arbeitsplatz.
- Reine E-Autos bis 100.000 Euro Listenpreis werden nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 Nr. 3 EStG nur mit einem Viertel angesetzt.
- Ein Widerruf braucht eine Klausel nach § 308 Nr. 4 BGB und muss billigem Ermessen entsprechen (BAG 5 AZR 651/10).
- Bei Freistellung oder Entzug ohne wirksamen Widerruf kommt eine Nutzungsausfallentschädigung von monatlich 1 Prozent des Listenpreises in Betracht.
Häufige Fragen (10)
Kann der Arbeitgeber den Dienstwagen zur Privatnutzung einfach wegnehmen?
Nein, nicht ohne Grundlage. Ist die Privatnutzung vereinbart, gehört sie zur Vergütung, und der Arbeitgeber schuldet sie nach der BAG-Rechtsprechung, solange er Entgelt leisten muss. Einen Entzug erlaubt nur ein wirksamer Widerrufsvorbehalt, der die Gründe zumindest der Richtung nach nennt (§ 308 Nr. 4 BGB). Auch dann muss die Ausübung billigem Ermessen entsprechen. Wird der Wagen zu Unrecht entzogen, kommt eine Nutzungsausfallentschädigung in Betracht.
Wie viel kostet mich ein Firmenwagen mit 1-Prozent-Regel?
Du zahlst Steuern und Sozialabgaben auf den geldwerten Vorteil, nicht den Vorteil selbst. Er beträgt nach § 8 Abs. 2 EStG pro Monat 1 Prozent des Bruttolistenpreises plus 0,03 Prozent je Entfernungskilometer zur ersten Tätigkeitsstätte. Bei 40.000 Euro und 20 Kilometern sind das 640 Euro, die Deinem Bruttolohn zugerechnet werden. Was netto übrig bleibt, hängt von Steuerklasse und Grenzsteuersatz ab.
Muss ich den Dienstwagen zur Privatnutzung bei Krankheit abgeben?
Während der Entgeltfortzahlung nach § 3 EFZG nicht, also in der Regel sechs Wochen lang. Danach entfällt der Anspruch auf die Privatnutzung, wenn der Vertrag nichts anderes regelt. Das BAG hat das mit Urteil vom 14.12.2010 (9 AZR 631/09) entschieden, weil die Privatnutzung nur so lange geschuldet ist, wie Arbeitsentgelt zu zahlen ist. Ob der Arbeitgeber den Wagen tatsächlich zurückfordert, ist seine Entscheidung.
Darf mein Partner den Firmenwagen fahren?
Das regelt allein der Überlassungsvertrag oder die Car Policy Deines Arbeitgebers. Ein gesetzliches Recht darauf gibt es nicht, ebenso wenig ein gesetzliches Verbot. Viele Verträge erlauben Fahrten durch Ehepartner oder Familienangehörige mit gültiger Fahrerlaubnis, andere schließen sie aus. Prüfe auch, wie die Versicherung des Wagens den Fahrerkreis bestimmt. Fährt eine nicht berechtigte Person, kann das arbeitsrechtliche und versicherungsrechtliche Folgen haben.
Wann lohnt sich ein Fahrtenbuch statt der 1-Prozent-Regel?
Vor allem dann, wenn Du wenig privat fährst oder der Listenpreis im Verhältnis zu den tatsächlichen Kosten hoch ist. Nach § 8 Abs. 2 Satz 4 EStG werden dann die tatsächlichen Aufwendungen anteilig angesetzt. Voraussetzung ist ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch für jede Fahrt und Belege über alle Kosten. Fehler im Fahrtenbuch können dazu führen, dass das Finanzamt doch die Pauschale ansetzt.
Wie wird ein Elektro-Dienstwagen zur Privatnutzung versteuert?
Günstiger als ein Verbrenner. Nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 Nr. 3 EStG zählt bei reinen Elektroautos ohne CO2-Ausstoß nur ein Viertel des Listenpreises. Voraussetzung sind höchstens 100.000 Euro Listenpreis und eine Anschaffung nach dem 31.12.2018 und vor dem 01.01.2031. Plug-in-Hybride werden unter den Voraussetzungen der Nummer 5 zur Hälfte angesetzt. Diese Werte gelten nach dem Gesetzesstand Oktober 2026.
Muss ich den Firmenwagen in der Freistellung zurückgeben?
Nur, wenn Dein Vertrag einen wirksamen Widerruf für diesen Fall vorsieht und der Arbeitgeber ihn nach billigem Ermessen ausübt. Das BAG hat eine solche Klausel für zulässig gehalten (21.03.2012, 5 AZR 651/10). Es hat aber beanstandet, dass der Wagen mitten im Monat sofort zurückgefordert wurde, obwohl die Arbeitnehmerin den Vorteil für den ganzen Monat versteuern musste. Sie bekam eine Entschädigung für die restlichen Tage. Ohne Klausel bleibt der Anspruch bis zum Ende.
Bekomme ich eine Entschädigung, wenn der Dienstwagen zu Unrecht entzogen wird?
Ja, dann kommt eine Nutzungsausfallentschädigung in Betracht. Das BAG erkennt als Berechnungsgrundlage die steuerliche Bewertung der Privatnutzung mit monatlich 1 Prozent des Listenpreises an (Urteil vom 21.03.2012, 5 AZR 651/10). Im entschiedenen Fall gab es einen anteiligen Betrag für den Rest des Monats. Den Anspruch solltest Du zügig schriftlich geltend machen, weil Ausschlussfristen im Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag kurz sein können.
Ist der Firmenwagen beim Gehalt verhandelbar?
Ja, ob und zu welchen Bedingungen Du einen Dienstwagen erhältst, ist Vertragssache. Achte bei Verhandlungen auf die Höhe des Listenpreises, weil er den geldwerten Vorteil bestimmt, auf Zuzahlungen, auf Tankkarte und Laden zu Hause sowie auf die Widerrufsklausel. Entfällt die Privatnutzung nach einer wirksamen Klausel, verlierst Du einen Teil der Vergütung. Das BAG hält eine Änderungskündigung nicht für nötig, wenn weniger als 25 Prozent des Verdienstes betroffen sind.
Was passiert mit dem Dienstwagen zur Privatnutzung am Ende des Arbeitsverhältnisses?
Den Dienstwagen zur Privatnutzung musst Du am letzten Arbeitstag zurückgeben, sofern nichts anderes vereinbart ist. Dokumentiere bei der Rückgabe Zustand, Kilometerstand und Zubehör in einem Protokoll. Streit um Schäden oder Rückgabe von Tankkarte und Schlüssel klärt das Arbeitsgericht. Mehr dazu findest Du im Eintrag zur Herausgabe von Arbeitsmitteln.
Quellen
Weitere Begriffe in Arbeitsrecht
Kostenlose Fallprüfung
Schildere uns Deinen Fall. Wir prüfen kostenlos und unverbindlich, welche Möglichkeiten Du hast.