Abschnittskontrolle (Section Control)
Kurz erklärt Eine Abschnittskontrolle, auch Section Control genannt, misst nicht die Geschwindigkeit an einem Punkt, sondern die Durchschnittsgeschwindigkeit eines Fahrzeugs über eine festgelegte Strecke. In Niedersachsen erlaubt das § 32 Abs. 6 NPOG. Die Kennzeichen nicht zu schneller Fahrzeuge sind sofort automatisch zu löschen; nur bei einer Überschreitung folgt ein Bußgeldverfahren.

Inhalt 4 Abschnitte
Wie funktioniert die Abschnittskontrolle?
Ein normaler Blitzer misst an einer Stelle. Die Abschnittskontrolle erfasst Dein Fahrzeug am Anfang und am Ende einer Strecke und errechnet aus der Fahrzeit die Durchschnittsgeschwindigkeit. Auf der B 6 bei Hannover funktioniert das nach den Feststellungen des Niedersächsischen Oberverwaltungsgerichts so: Bei der Einfahrt entsteht ein Heckfoto, bei der Ausfahrt ein zweites. Die Kennzeichen werden in Hashwerte umgewandelt und abgeglichen.
Liegt keine Überschreitung vor, werden die Daten sofort gelöscht, nach Angaben der Polizei spätestens nach drei Minuten. Nur im Trefferfall fertigt die Anlage zwei weitere Fotos: ein hochaufgelöstes Frontbild zur Fahrererkennung und eine Heckaufnahme. Kurz abbremsen vor dem Messpunkt hilft bei der Abschnittskontrolle deshalb nicht, es zählt der Schnitt über die ganze Strecke.
Ist die Abschnittskontrolle (Section Control) in Deutschland erlaubt?
Eine bundesweite Regelung für die Abschnittskontrolle gibt es nicht. Weil die Anlage Kennzeichen aller Fahrzeuge erfasst, braucht sie eine gesetzliche Grundlage im Landesrecht. Das zeigt der Streit um die B 6 zwischen Gleidingen und Rethen auf rund 2,2 Kilometern: Das Verwaltungsgericht Hannover untersagte den Pilotbetrieb im März 2019 mangels Rechtsgrundlage. Niedersachsen schuf daraufhin eine eigene Vorschrift im Polizeigesetz.
Das Oberverwaltungsgericht wies die Klage dann ab (Urteil vom 13.11.2019, 12 LC 79/19): Die damalige Vorschrift sei eine taugliche Rechtsgrundlage, das Land sei zuständig, und der Eingriff in die informationelle Selbstbestimmung sei wegen der sofortigen Löschung von Nichttreffern verhältnismäßig. Heute steht die Regelung in § 32 Abs. 6 NPOG. Sie erlaubt nur Aufnahmen von Kennzeichen, Fahrzeug, Fahrtrichtung, Zeit und Ort und verlangt, dass die Kontrolle kenntlich gemacht wird. Andere Länder bräuchten eine vergleichbare eigene Grundlage.
Welche Folgen hat ein Verstoß und wie wehrst Du Dich?
Nach einem Trefferfall gilt das normale Ordnungswidrigkeitenrecht, nicht mehr das Polizeirecht; das OVG nennt dafür § 46 OWiG in Verbindung mit § 100h StPO. Die Sanktion richtet sich wie bei jeder Geschwindigkeitsüberschreitung nach dem Bußgeldkatalog der BKatV, maßgeblich ist die gemessene Durchschnittsgeschwindigkeit. Die Verfolgung verjährt nach § 26 Abs. 3 StVG in sechs Monaten, sofern sie nicht unterbrochen wird.
Angriffspunkte sind bei der Abschnittskontrolle dieselben wie bei anderen Messungen. Über Akteneinsicht im Bußgeldverfahren bekommst Du Messprotokoll und Fotos. Das Bundesverfassungsgericht hat Betroffenen einen Anspruch auf Zugang auch zu nicht in der Akte befindlichen Messunterlagen zugesprochen (Beschluss vom 12.11.2020, 2 BvR 1616/18), siehe Rohmessdaten. Ist auf dem Frontfoto nicht eindeutig zu sehen, wer fährt, wird die Fahrerfrage zum Thema.
Wie ist Section Control in Österreich geregelt?
In Österreich steht die abschnittsbezogene Geschwindigkeitsüberwachung in § 98a StVO 1960. Die Behörde darf sie einsetzen, wenn es zur Verkehrssicherheit oder zum Schutz vor Lärm, Geruch oder Schadstoffen dringend erforderlich erscheint. Die Messstrecke wird durch Verordnung festgelegt. Wie ein Bußgeld aus Österreich in Deutschland vollstreckt werden kann, erklärt Bußgeld aus Österreich.
Das Wichtigste in Kürze
- Section Control misst die Durchschnittsgeschwindigkeit über eine festgelegte Strecke, nicht die Geschwindigkeit an einem Punkt.
- In Niedersachsen ist § 32 Abs. 6 NPOG die Rechtsgrundlage; das OVG Lüneburg hat sie bestätigt (13.11.2019, 12 LC 79/19).
- Daten von Fahrzeugen ohne Überschreitung sind sofort automatisch zu löschen; nur im Trefferfall entsteht ein Frontfoto.
- Nach einem Treffer gilt das normale Bußgeldrecht mit sechs Monaten Verfolgungsverjährung nach § 26 Abs. 3 StVG.
Häufige Fragen (11)
Was ist eine Abschnittskontrolle (Section Control)?
Section Control ist eine Abschnittskontrolle: Die Anlage erfasst Dein Fahrzeug an zwei Punkten und berechnet aus der Fahrzeit die Durchschnittsgeschwindigkeit auf der Strecke dazwischen. Liegt der Schnitt über dem Tempolimit, wird ein Bußgeldverfahren eingeleitet. Anders als ein stationärer Blitzer misst sie also nicht an einem einzelnen Punkt. In Deutschland ist sie auf der B 6 in Niedersachsen im Einsatz, gestützt auf § 32 Abs. 6 NPOG.
Wo gibt es eine Abschnittskontrolle in Deutschland?
Bekannt ist die Anlage auf der B 6 in Niedersachsen zwischen den Anschlussstellen Gleidingen und Rethen bei Hannover, rund 2,2 Kilometer in Fahrtrichtung Norden. Über sie hat das OVG Lüneburg 2019 entschieden. Weitere Anlagen setzen eine eigene landesrechtliche Grundlage voraus. Ob es inzwischen weitere Strecken gibt, solltest Du bei den Innen- oder Verkehrsbehörden des jeweiligen Landes nachsehen.
Muss eine Abschnittskontrolle gekennzeichnet sein?
In Niedersachsen ja. § 32 Abs. 6 NPOG verlangt, dass die Abschnittskontrolle kenntlich gemacht wird. Das OVG Lüneburg hielt ein Schild mit der Aufschrift „Abschnittskontrolle“ und einem Kamerasymbol für ausreichend; Details der Gestaltung durfte das Ministerium festlegen (Urteil vom 13.11.2019, 12 LC 79/19). Die Kennzeichnung ist also gesetzliche Voraussetzung für den Betrieb. Fotografiere ein fehlendes oder verdecktes Schild, wenn Dir das auffällt.
Hilft es, vor dem Ende der Strecke abzubremsen?
Nein. Gemessen wird nicht die Geschwindigkeit am Ausgang, sondern die Zeit, die Du für die gesamte Strecke brauchst. Wer anfangs deutlich zu schnell fährt und am Ende bremst, kann im Schnitt trotzdem über dem Limit liegen. Umgekehrt löst ein kurzer schneller Abschnitt keinen Treffer aus, wenn der Durchschnitt unter dem Limit bleibt. Punktuelle Messungen anderer Geräte bleiben davon unberührt.
Was passiert mit meinen Daten bei Section Control?
Ohne Überschreitung werden sie sofort automatisch gelöscht, so verlangt es § 32 Abs. 6 NPOG. Nach den Feststellungen des OVG Lüneburg werden die Kennzeichen als Hashwerte abgeglichen; die Polizei nannte als Höchstdauer bis zur Löschung drei Minuten. Erfasst werden dürfen nur Kennzeichen, Fahrzeug, Fahrtrichtung, Zeit und Ort. Erst im Trefferfall entstehen ein Frontfoto und ein weiteres Heckfoto für das Bußgeldverfahren.
Wie hoch ist das Bußgeld bei Section Control?
Es richtet sich nach dem Bußgeldkatalog wie bei jeder Geschwindigkeitsüberschreitung. Maßgeblich ist die Höhe der Überschreitung, hier gemessen als Durchschnitt über die Strecke, und ob Du inner- oder außerorts unterwegs warst. Die genauen Beträge, Punkte und ein mögliches Fahrverbot stehen in Tabelle 1 des Anhangs zur BKatV. Prüfe den Betrag nach dem aktuellen Bußgeldkatalog, weil die Werte sich ändern können.
Wird bei Section Control der Fahrer fotografiert?
Nur bei einem Verstoß. Bei der Einfahrt und Ausfahrt entstehen Heckfotos, die das Gesicht nicht zeigen. Ergibt der Abgleich eine Überschreitung, fertigt die Anlage zusätzlich ein hochaufgelöstes Frontbild zur Fahrererkennung, so die Feststellungen des OVG Lüneburg. Ist der Fahrer darauf nicht eindeutig zu erkennen, gelten dieselben Regeln wie bei anderen Blitzerfotos, bis hin zu einem Identitätsgutachten.
Kann ich gegen einen Bußgeldbescheid aus der Abschnittskontrolle Einspruch einlegen?
Für den Bescheid gilt das normale Bußgeldverfahren, also auch die Einspruchsfrist von zwei Wochen nach Zustellung (§ 67 Abs. 1 OWiG). Ansatzpunkte können die Messung, die Kennzeichnung der Strecke, die Zuordnung der Fotos oder die Fahreridentifizierung sein. Ob ein Einspruch Aussicht hat, lässt sich erst nach Akteneinsicht beurteilen. Eine Prüfung im Einzelfall ist deshalb sinnvoll.
Wie funktioniert Section Control in Österreich?
Ähnlich, aber mit eigener Rechtsgrundlage: § 98a StVO 1960 erlaubt der Behörde bildverarbeitende Einrichtungen, mit denen die durchschnittliche Fahrgeschwindigkeit auf einer festgelegten Wegstrecke gemessen wird. Voraussetzung ist, dass das zur Verkehrssicherheit oder zum Schutz vor Lärm und Schadstoffen dringend erforderlich erscheint. Die Messstrecke wird durch Verordnung festgelegt. Strafen aus Österreich können unter Voraussetzungen auch in Deutschland vollstreckt werden.
Ist Section Control datenschutzrechtlich zulässig?
Für die Anlage auf der B 6 hat das OVG Lüneburg das bejaht. Es sah zwar einen möglichen Eingriff in das Recht auf informationelle Selbstbestimmung, hielt ihn aber durch § 32 NPOG für gerechtfertigt, weil Daten von Nichttreffern sofort gelöscht werden und die Polizei auf sie während der Durchfahrt keinen Zugriff hat (Urteil vom 13.11.2019, 12 LC 79/19). Zuvor hatte das VG Hannover den Betrieb ohne gesetzliche Grundlage untersagt.
Verjährt ein Verstoß bei Section Control schneller?
Es gelten die allgemeinen Regeln. Die Verfolgungsverjährung beträgt bei Verkehrsordnungswidrigkeiten nach § 26 Abs. 3 StVG sechs Monate. Sie wird unter anderem durch die erste Vernehmung des Betroffenen oder die Bekanntgabe der Einleitung des Verfahrens unterbrochen und beginnt danach neu (§ 33 OWiG). Spätestens nach der doppelten Frist, mindestens aber nach zwei Jahren, ist eine Verfolgung ausgeschlossen.
Quellen
Weitere Begriffe in Bußgeldverfahren
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