Besichtigungsrecht des Vermieters

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Kurz erklärt Das Besichtigungsrecht des Vermieters ist sein Anspruch, die vermietete Wohnung nach vorheriger Ankündigung zu betreten. Ausdrücklich geregelt ist es nicht: Der BGH leitet es aus § 242 BGB ab und verlangt einen konkreten sachlichen Grund (Urteil vom 04.06.2014, VIII ZR 289/13). Kontrollbesuche ohne Anlass musst Du nicht dulden.

Mieter und Vermieter besprechen im Hausflur eines Mehrfamilienhauses das Besichtigungsrecht des Vermieters vor dem Auszug
Inhalt 4 Abschnitte

Wann greift das Besichtigungsrecht des Vermieters?

Das Besichtigungsrecht des Vermieters besteht nur mit Grund. Der Bundesgerichtshof hat am 04.06.2014 entschieden, dass Mieter den Zutritt nach entsprechender Vorankündigung nur gewähren müssen, wenn es dafür einen konkreten sachlichen Grund gibt, etwa aus der ordnungsgemäßen Bewirtschaftung des Hauses (BGH, VIII ZR 289/13). Eine Besichtigung alle ein bis zwei Jahre ohne besonderen Anlass hat der BGH ausdrücklich abgelehnt.

Als konkreter Grund kommen zum Beispiel Reparaturen nach § 555a BGB, die Prüfung von Rauchmeldern (siehe Rauchmelderpflicht), das Ablesen von Zählern, ein geplanter Verkauf oder die Suche nach einem Nachmieter in Betracht. Eine Klausel im Formularmietvertrag, die das Betreten ganz allgemein „zur Überprüfung des Wohnungszustandes“ erlaubt, ist nach demselben Urteil wegen § 307 BGB unwirksam.

Wie lange vorher muss der Besuch angekündigt werden?

Für das Besichtigungsrecht des Vermieters nennt das Gesetz keine feste Frist. Der BGH spricht von einer „entsprechenden Vorankündigung“, also so rechtzeitig, dass Du planen kannst. Für Arbeiten an der Wohnung verlangt § 555a Abs. 2 BGB eine rechtzeitige Ankündigung, außer der Eingriff ist unerheblich oder die sofortige Durchführung zwingend erforderlich, etwa bei einem Rohrbruch. Größere Vorhaben laufen über die Modernisierungsankündigung.

Beim Besichtigungsrecht des Vermieters musst Du nicht persönlich dabei sein, kannst aber eine Vertrauensperson schicken. Der Besuch beschränkt sich auf den Anlass: Wer Rauchmelder prüft, hat keinen Anspruch darauf, alle Zimmer zu sehen.

Was passiert, wenn der Vermieter ohne Erlaubnis kommt?

Betritt er die Wohnung gegen Deinen Willen oder mit dem Zweitschlüssel, stört er Deinen Besitz. Das ist verbotene Eigenmacht nach § 858 BGB, unter Umständen sogar Hausfriedensbruch nach § 123 StGB. Seinen Anspruch muss er notfalls mit einer Klage auf Duldung durchsetzen.

Im BGH-Fall wollte die Vermieterin bei einem vereinbarten Rauchmelder-Termin das ganze Haus sehen und ging nicht, als der Mieter sie dazu aufforderte. Er trug sie vor die Tür. Ihre daraufhin ausgesprochene fristlose Kündigung des Mietvertrags scheiterte, weil ihr eigenes Fehlverhalten zu berücksichtigen war. Zusätzlich musste sie dem Mieter 661,61 Euro Anwaltskosten ersetzen.

Darfst Du eine Besichtigung trotz Besichtigungsrecht des Vermieters verweigern?

Das ist riskant. Verweigerst Du den Zutritt trotz konkreten Grundes, kann der Vermieter auf Duldung klagen. Nach BGH, 15.04.2015, VIII ZR 281/13 kann eine verweigerte Duldung von Instandsetzungsarbeiten sogar eine Kündigung durch den Vermieter rechtfertigen, ohne dass vorher ein Duldungsurteil vorliegen muss. Ob das im Einzelfall trägt, entscheidet eine Abwägung nach § 543 Abs. 1 oder § 573 Abs. 2 Nr. 1 BGB.

Besser ist es, Termine abzustimmen und Besuche zu bündeln. Bei einem Verkauf bleibt Dein Mietvertrag bestehen (Kauf bricht nicht Miete). Kommt es zum Streit, ist unabhängig vom Streitwert das Amtsgericht zuständig (§ 23 Nr. 2 Buchst. a GVG), siehe zuständiges Gericht im Mietrecht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Vermieter darf die Wohnung nur mit konkretem sachlichem Grund und nach Vorankündigung betreten (BGH, 04.06.2014, VIII ZR 289/13).
  • Routinebesichtigungen alle ein bis zwei Jahre ohne Anlass sind nicht erlaubt; eine Formularklausel „zur Überprüfung des Wohnungszustandes“ ist unwirksam (§ 307 BGB).
  • Erhaltungsmaßnahmen musst Du nach § 555a BGB dulden, wenn sie rechtzeitig angekündigt sind, außer in dringenden Fällen.
  • Eigenmächtiges Betreten ist verbotene Eigenmacht (§ 858 BGB); umgekehrt kann eine unberechtigte Verweigerung eine Kündigung rechtfertigen (BGH, VIII ZR 281/13).

Häufige Fragen (11)

Wie oft greift das Besichtigungsrecht des Vermieters?

So oft, wie es einen konkreten Anlass gibt, aber nicht routinemäßig. Der BGH hat 2014 ein Recht auf Besichtigung in regelmäßigen Abständen von ein bis zwei Jahren ohne besonderen Grund abgelehnt (VIII ZR 289/13). Stehen mehrere Anliegen an, etwa Zählerablesung und eine Reparatur, kannst Du verlangen, dass sie möglichst in einem Termin erledigt werden.

Besichtigungsrecht des Vermieters: Wie lange vorher muss er die Besichtigung ankündigen?

Eine gesetzliche Frist in Tagen gibt es nicht. Verlangt wird eine angemessene Vorankündigung, die Dir erlaubt, den Termin einzuplanen oder einen Ersatztermin vorzuschlagen. Für Reparaturen schreibt § 555a Abs. 2 BGB eine rechtzeitige Ankündigung vor. Ausnahmen gelten nur bei unerheblichen Eingriffen oder wenn die Arbeiten sofort erledigt werden müssen.

Besichtigungsrecht des Vermieters: Darf er ohne meine Erlaubnis in die Wohnung?

Nein. Auch wenn er einen Schlüssel hat, darf er die Wohnung nicht ohne Dein Einverständnis betreten. Tut er es doch, liegt verbotene Eigenmacht nach § 858 BGB vor, je nach Umständen auch Hausfriedensbruch nach § 123 StGB. Hat er einen berechtigten Grund und verweigerst Du den Zutritt, muss er seinen Anspruch vor Gericht durchsetzen, nicht selbst.

Darf der Vermieter mit Kaufinteressenten die Wohnung besichtigen?

Ein geplanter Verkauf kann ein konkreter sachlicher Grund im Sinne der BGH-Rechtsprechung sein. Die Besuche müssen aber angekündigt werden, zu zumutbaren Zeiten stattfinden und sich in Grenzen halten. Für Dich ändert der Verkauf am Mietvertrag nichts: Der Käufer tritt nach § 566 BGB in den bestehenden Vertrag ein. Ein Recht, Dir deshalb zu kündigen, folgt daraus nicht.

Muss ich nach meiner Kündigung Nachmieter in die Wohnung lassen?

In der Regel ja, wenn der Vermieter die Termine rechtzeitig ankündigt. Die Suche nach einem neuen Mieter ist ein typischer Anlass aus der Bewirtschaftung des Hauses. Du darfst aber auf zumutbare Zeiten und eine überschaubare Zahl von Terminen achten. Wer keine Besucher ohne sich möchte, kann gemeinsame Besichtigungstermine vorschlagen.

Ist eine Klausel zum Besichtigungsrecht des Vermieters im Mietvertrag wirksam?

Eine vorformulierte Klausel, die dem Vermieter das Betreten ganz allgemein zur Überprüfung des Wohnungszustandes erlaubt, ist unwirksam. Das hat der BGH am 04.06.2014 entschieden (VIII ZR 289/13) und auf § 307 Abs. 1 BGB gestützt. Sie benachteiligt Dich unangemessen, weil sie ein Betretungsrecht ohne konkreten Anlass schafft. Der Vermieter muss im Einzelfall einen Grund nennen.

Muss ich bei der Besichtigung selbst anwesend sein?

Eine Pflicht zur persönlichen Anwesenheit sieht das Gesetz nicht vor. Du kannst eine Person Deines Vertrauens beauftragen, die den Vermieter hereinlässt und dabeibleibt. Wichtig ist nur, dass der Zutritt zum angekündigten Termin möglich ist, wenn der Anlass berechtigt ist. Passt Dir der Termin nicht, schlag zeitnah einen Ersatz vor und halte das schriftlich fest.

Was kann ich tun, wenn der Vermieter unangekündigt vor der Tür steht?

Du darfst ihm den Zutritt verweigern und um einen angekündigten Termin bitten. Ein Besuch ohne Vorankündigung erfüllt die Anforderungen der BGH-Rechtsprechung nicht, solange kein Notfall vorliegt. Bleibt er trotz Aufforderung in der Wohnung, kommt Hausfriedensbruch nach § 123 StGB in Betracht. Dokumentiere solche Vorfälle mit Datum und Zeugen.

Kann mir gekündigt werden, wenn ich eine Besichtigung verweigere?

Bei einer berechtigten Besichtigung ist das möglich. Der BGH hat am 15.04.2015 (VIII ZR 281/13) entschieden, dass schon die verweigerte Duldung von Instandsetzungsarbeiten eine Kündigung rechtfertigen kann, ohne vorheriges Duldungsurteil. Ob es dafür reicht, hängt von allen Umständen ab, auch vom Verhalten des Vermieters. Ohne konkreten Anlass darfst Du dagegen ablehnen.

Darf der Vermieter wegen Rauchmeldern oder Zählern in die Wohnung?

Ja, das sind typische Anlässe aus der Bewirtschaftung des Hauses. Der Zutritt beschränkt sich dann aber auf den Zweck. Im BGH-Fall von 2014 war ein Termin zur Prüfung der Rauchmelder vereinbart, die Vermieterin wollte jedoch das ganze Haus sehen. Darauf hatte sie keinen Anspruch, ihre spätere Kündigung des Mieters scheiterte.

Darf der Vermieter im Notfall sofort in die Wohnung?

Bei dringenden Erhaltungsmaßnahmen entfällt nach § 555a Abs. 2 BGB die Pflicht zur vorherigen Ankündigung, etwa wenn Wasser durch die Decke läuft. Bist Du erreichbar, muss er Dich trotzdem informieren und um Zutritt bitten. Ob er die Wohnung in Deiner Abwesenheit öffnen darf, hängt vom Einzelfall und der Gefahrenlage ab. Hinterlege für längere Reisen am besten eine erreichbare Kontaktperson.

Quellen

  1. § 555a BGB Erhaltungsmaßnahmen
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026
  2. § 858 BGB Verbotene Eigenmacht
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026
  3. § 123 StGB Hausfriedensbruch
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026

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