Balkonkraftwerk in der Mietwohnung
Kurz erklärt Ein Balkonkraftwerk ist ein Steckersolargerät, das Solarstrom über eine Steckverbindung in den Stromkreis Deiner Wohnung einspeist. Als Mieter kannst Du nach § 554 Abs. 1 BGB verlangen, dass der Vermieter die nötige bauliche Veränderung erlaubt. Ablehnen darf er nur, wenn sie ihm auch unter Würdigung Deiner Interessen nicht zuzumuten ist.

Inhalt 4 Abschnitte
- Brauchst Du für ein Balkonkraftwerk in der Mietwohnung die Erlaubnis des Vermieters?
- Wann darf der Vermieter ein Balkonkraftwerk in der Mietwohnung ablehnen oder Bedingungen stellen?
- Was gilt, wenn die Wohnung eine Eigentumswohnung ist?
- Welche technischen und formalen Regeln gelten?
- Häufige Fragen
- Quellen
Brauchst Du für ein Balkonkraftwerk in der Mietwohnung die Erlaubnis des Vermieters?
Sobald Du bei einem Balkonkraftwerk in der Mietwohnung Module am Balkongeländer, an der Brüstung oder an der Fassade befestigst, veränderst Du die Mietsache baulich. Dafür brauchst Du die Erlaubnis des Vermieters, siehe bauliche Veränderungen durch den Mieter. Holst Du sie nicht ein, riskierst Du eine Abmahnung und die Pflicht zum Rückbau.
Die Erlaubnis musst Du aber nicht erbitten wie einen Gefallen. § 554 Abs. 1 Satz 1 BGB gibt Dir einen Anspruch darauf, wenn die Veränderung der Stromerzeugung durch Steckersolargeräte dient. Den Begriff definiert § 3 Nr. 43 EEG: Solaranlage, Wechselrichter, Anschlussleitung und Stecker zur Verbindung mit dem Stromkreis des Letztverbrauchers. Eine Klausel im Mietvertrag, die Balkonkraftwerke pauschal verbietet, ist nach § 554 Abs. 2 BGB unwirksam.
Wann darf der Vermieter ein Balkonkraftwerk in der Mietwohnung ablehnen oder Bedingungen stellen?
Der Anspruch entfällt nach § 554 Abs. 1 Satz 2 BGB nur, wenn die Veränderung dem Vermieter auch unter Würdigung Deiner Interessen nicht zugemutet werden kann. Beim Balkonkraftwerk in der Mietwohnung ist das eine Abwägung im Einzelfall. In Betracht kommen etwa Fragen der Statik, eine Gefahr für Dritte durch unsichere Montage oder öffentlich-rechtliche Vorgaben wie Denkmalschutz. Über die Art der Ausführung, etwa Montageort und Befestigung, kann der Vermieter mitreden.
Nach § 554 Abs. 1 Satz 3 BGB kannst Du Dich verpflichten, eine besondere Sicherheit zu leisten. Für sie gelten die Regeln der Mietkaution entsprechend (§ 551 Abs. 3 BGB). Beim Auszug musst Du die Mietsache nach § 546 Abs. 1 BGB zurückgeben; das Gerät nimmst Du mit und stellst den früheren Zustand wieder her. Ein Wohnungsübergabeprotokoll hilft, Streit über Bohrlöcher oder Halterungen zu vermeiden.
Was gilt, wenn die Wohnung eine Eigentumswohnung ist?
Gehört Deine Wohnung zu einer Wohnungseigentümergemeinschaft, betrifft eine Befestigung am Balkon meist das Gemeinschaftseigentum. Dein Anspruch richtet sich trotzdem nur gegen Deinen Vermieter. Er selbst kann nach § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 5 WEG von den übrigen Eigentümern angemessene bauliche Veränderungen verlangen, die der Stromerzeugung durch Steckersolargeräte dienen. Über die Durchführung beschließt die Gemeinschaft im Rahmen ordnungsmäßiger Verwaltung.
Für Dein Balkonkraftwerk in der Mietwohnung bedeutet das: Der Vermieter muss sich bei der Gemeinschaft um die Gestattung kümmern. Bis dahin kann sich die Montage verzögern.
Welche technischen und formalen Regeln gelten?
Nach § 8 Abs. 5a EEG gilt ein vereinfachter Anschluss für Steckersolargeräte mit insgesamt bis zu 2 Kilowatt installierter Leistung und bis zu 800 Voltampere Wechselrichterleistung. Sie werden hinter der Entnahmestelle betrieben, überschüssiger Strom wird unentgeltlich abgegeben. Zusätzliche Meldungen an den Netzbetreiber dürfen dafür nicht verlangt werden. Die Registrierung im Marktstammdatenregister bleibt aber Pflicht.
Den erzeugten Strom verbrauchst Du zuerst selbst, das senkt Deinen Stromverbrauch aus dem Netz. Für die Sicherheit der Anlage bist Du als Betreiber verantwortlich.
Das Wichtigste in Kürze
- Mieter haben nach § 554 Abs. 1 BGB einen Anspruch auf Erlaubnis baulicher Veränderungen für Steckersolargeräte.
- Der Vermieter darf nur ablehnen, wenn ihm die Veränderung auch unter Würdigung der Mieterinteressen unzumutbar ist.
- Pauschale Verbote im Mietvertrag sind nach § 554 Abs. 2 BGB unwirksam.
- Für den vereinfachten Anschluss gelten nach § 8 Abs. 5a EEG bis zu 2 Kilowatt Modulleistung und 800 Voltampere Wechselrichterleistung; die Registrierung im Marktstammdatenregister bleibt Pflicht.
- In der Eigentumswohnung muss der Vermieter die Gestattung der Gemeinschaft nach § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 5 WEG einholen.
Häufige Fragen (10)
Darf mein Vermieter ein Balkonkraftwerk in der Mietwohnung verbieten?
Nur in Ausnahmefällen. Nach § 554 Abs. 1 BGB hast Du einen Anspruch darauf, dass der Vermieter bauliche Veränderungen für ein Steckersolargerät erlaubt. Ablehnen darf er nur, wenn ihm die Veränderung auch unter Abwägung mit Deinen Interessen nicht zuzumuten ist. Ein pauschales Verbot im Mietvertrag hilft ihm nicht, weil abweichende Vereinbarungen zum Nachteil des Mieters nach § 554 Abs. 2 BGB unwirksam sind.
Brauche ich die Zustimmung des Vermieters, wenn ich nichts anbohre?
Entscheidend ist, ob eine bauliche Veränderung vorliegt. Wird ein Modul fest am Geländer, an der Brüstung oder an der Fassade angebracht, ist das der Fall, und Du brauchst die Erlaubnis. Stellst Du ein Gerät nur auf den Balkonboden, ohne in die Substanz einzugreifen, sieht die Lage anders aus. Sicher bist Du, wenn Du den Vermieter vorher schriftlich informierst und um Zustimmung bittest.
Muss ich ein Balkonkraftwerk in der Mietwohnung anmelden?
Ja, im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur. § 8 Abs. 5a EEG stellt klar, dass die Registrierungspflichten nach der Marktstammdatenregisterverordnung unberührt bleiben. Zusätzliche Meldungen gegenüber dem Netzbetreiber dürfen für Geräte bis 2 Kilowatt und 800 Voltampere aber nicht verlangt werden. Die Anmeldung beim Vermieter ist davon unabhängig und betrifft nur die Erlaubnis zur baulichen Veränderung.
Wie viel Watt darf ein Balkonkraftwerk haben?
Für den vereinfachten Anschluss nach § 8 Abs. 5a EEG gelten zwei Grenzen: insgesamt bis zu 2 Kilowatt installierte Leistung der Module und bis zu 800 Voltampere Wechselrichterleistung. Mehrere Geräte werden zusammengerechnet. Größere Anlagen fallen nicht unter diese Erleichterung und brauchen einen regulären Netzanschluss über den Netzbetreiber. Für den mietrechtlichen Anspruch aus § 554 BGB nennt das Gesetz keine eigene Leistungsgrenze.
Kann der Vermieter eine Kaution für das Balkonkraftwerk verlangen?
Eine Pflicht dazu sieht das Gesetz nicht vor, aber eine Möglichkeit. Nach § 554 Abs. 1 Satz 3 BGB kannst Du Dich verpflichten, eine besondere Sicherheit zu leisten, etwa für die Kosten des Rückbaus. Für diese Sicherheit gelten nach § 551 Abs. 3 BGB die Regeln der Mietkaution entsprechend, sie ist also getrennt vom Vermögen des Vermieters anzulegen. Die Höhe sollte sich an den realistischen Rückbaukosten orientieren.
Was passiert mit dem Balkonkraftwerk beim Auszug?
Du nimmst es mit. Bei Ende des Mietverhältnisses musst Du die Wohnung nach § 546 Abs. 1 BGB zurückgeben, in der Regel im ursprünglichen Zustand. Halterungen, Bohrlöcher oder Kabeldurchführungen sind zurückzubauen, sofern Du mit dem Vermieter nichts anderes vereinbart hast. Eine geleistete Sicherheit bekommst Du zurück, wenn der Rückbau ordnungsgemäß erfolgt ist.
Wer haftet, wenn durch das Balkonkraftwerk ein Schaden entsteht?
Als Betreiber haftest Du nach den allgemeinen Regeln, etwa nach § 823 Abs. 1 BGB, wenn ein schlecht befestigtes Modul herunterfällt und jemanden verletzt. Schäden an der Mietsache musst Du dem Vermieter ersetzen, wenn Du sie zu vertreten hast. Prüfe, ob Deine Privathaftpflichtversicherung den Betrieb einer solchen Anlage abdeckt. Eine sichere Befestigung nach Herstellerangaben senkt das Risiko.
Gilt der Anspruch auch in einer vermieteten Eigentumswohnung?
Dein Anspruch gegen den Vermieter besteht unabhängig davon, wem das Haus gehört. Ist der Vermieter Wohnungseigentümer, braucht er für Eingriffe in das Gemeinschaftseigentum einen Beschluss der Gemeinschaft. Er kann nach § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 5 WEG verlangen, dass die Eigentümer angemessene Veränderungen für Steckersolargeräte gestatten. Bis zum Beschluss kann sich die Montage verzögern.
Was passiert, wenn ich das Balkonkraftwerk in der Mietwohnung ohne Erlaubnis installiere?
Handelt es sich um eine bauliche Veränderung, verletzt Du ohne Erlaubnis Deine Pflichten aus dem Mietvertrag. Der Vermieter kann Dich abmahnen und den Rückbau verlangen. Dein Anspruch auf Erlaubnis nach § 554 BGB geht dadurch nicht verloren, Du kannst ihn nachträglich geltend machen. Klüger ist der umgekehrte Weg: erst anfragen, dann montieren.
Wie funktioniert ein Balkonkraftwerk in der Mietwohnung?
Die Solarmodule erzeugen Gleichstrom, ein Wechselrichter wandelt ihn in Wechselstrom um. Über eine Anschlussleitung mit Stecker gelangt der Strom in den Stromkreis Deiner Wohnung, so beschreibt es § 3 Nr. 43 EEG. Geräte im Haushalt nutzen diesen Strom zuerst, nur der Rest fließt ins Netz. Das senkt den Bezug über Deinen Stromzähler, ohne dass Du einen eigenen Netzanschluss brauchst.
Quellen
Weitere Begriffe in Mietrecht
Kostenlose Fallprüfung
Schildere uns Deinen Fall. Wir prüfen kostenlos und unverbindlich, welche Möglichkeiten Du hast.