Mietrückstand und Ratenzahlung
Kurz erklärt Bei Mietrückstand und Ratenzahlung vereinbaren Mieter und Vermieter, offene Mieten in Teilbeträgen abzuzahlen. Einen Anspruch darauf hast Du nicht, denn nach § 266 BGB muss der Gläubiger Teilleistungen nicht annehmen. Die Vereinbarung schützt nicht automatisch vor der fristlosen Kündigung nach § 543 BGB, die schon bei mehr als einer Monatsmiete Rückstand droht.

Inhalt 4 Abschnitte
Muss der Vermieter bei Mietrückstand und Ratenzahlung zustimmen?
Nein. Nach § 266 BGB ist der Schuldner zu Teilleistungen nicht berechtigt. Bei Mietrückstand und Ratenzahlung darf der Vermieter also auf voller Zahlung bestehen. Eine Ratenzahlung entsteht nur, wenn Ihr sie vereinbart.
Teilzahlungen ohne Vereinbarung verringern den Rückstand, beseitigen den Verzug aber nicht. Wichtig für Dich: Jede Abschlagszahlung ist ein Anerkenntnis und lässt die Verjährung der Restforderung neu beginnen (§ 212 Abs. 1 Nr. 1 BGB). Wann die Miete überhaupt fällig ist, erklärt Fälligkeit der Miete.
Schützt eine Vereinbarung zu Mietrückstand und Ratenzahlung vor der fristlosen Kündigung?
Nur, wenn sie das ausdrücklich regelt. Die Kündigungsschwelle liegt niedrig: Bei Wohnraum genügt nach § 543 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 BGB in Verbindung mit § 569 Abs. 3 Nr. 1 BGB ein Rückstand von mehr als einer Monatsmiete aus zwei aufeinanderfolgenden Terminen, über einen längeren Zeitraum ein Rückstand von zwei Monatsmieten. Eine Abmahnung ist dafür nicht nötig. Die Einzelheiten stehen unter Kündigung wegen Zahlungsverzugs.
Die Kündigung ist nur ausgeschlossen, wenn der Vermieter vorher vollständig befriedigt wird (§ 543 Abs. 2 Satz 2 BGB). Bei Mietrückstand und Ratenzahlung reichen Raten dafür nicht. Hat der Vermieter schon gekündigt, beseitigt eine spätere Ratenvereinbarung die Kündigung nicht von selbst. Lass deshalb schriftlich festhalten, dass er auf die Rechte aus der Kündigung verzichtet oder das Mietverhältnis fortgesetzt wird. Stundet er die Altschulden, kann er die gestundeten Beträge nicht zugleich als Verzug werten, denn Verzug setzt eine fällige Forderung voraus (§ 286 Abs. 1 BGB). Neue Rückstände bei der laufenden Miete können die Kündigung aber jederzeit wieder auslösen.
Was hilft, wenn die Räumungsklage schon läuft?
Dann zählt die Schonfristzahlung. Nach § 569 Abs. 3 Nr. 2 BGB wird die fristlose Kündigung unwirksam, wenn der Vermieter bis zwei Monate nach Zustellung der Räumungsklage die gesamte fällige Miete und Nutzungsentschädigung erhält oder sich eine öffentliche Stelle zur Zahlung verpflichtet. Das hilft nur einmal in zwei Jahren. Raten genügen auch hier nicht.
Nach der Rechtsprechung des BGH erfasst die Schonfristzahlung nur die fristlose, nicht die hilfsweise ordentliche Kündigung nach § 573 Abs. 2 Nr. 1 BGB (Urteil vom 19.09.2018, VIII ZR 231/17; bestätigt mit Urteil vom 30.09.2026, VIII ZR 21/26).
Stand der Gesetzgebung (Oktober 2026): Der Regierungsentwurf eines Gesetzes zur Änderung des Rechts der Wohn- und Geschäftsraummiete (BR-Drs. 265/26 vom 01.05.2026, BT-Drs. 21/6807 vom 01.07.2026) sieht vor, dass eine Schonfristzahlung einmalig auch eine ordentliche Kündigung abwendet. Der Rechtsausschuss des Bundestages hat am 14.10.2026 Sachverständige angehört. Beschlossen und im Bundesgesetzblatt verkündet ist das Gesetz nicht; bis dahin gilt die bisherige Rechtslage.
Bezieht der Haushalt Grundsicherungsgeld (seit 01.07.2026, früher Bürgergeld), kann das Jobcenter Mietschulden übernehmen. Droht sonst Wohnungslosigkeit, soll es das tun, in der Regel als Darlehen (§ 22 Abs. 8 SGB II).
Was gehört in eine Ratenzahlungsvereinbarung?
Eine gute Vereinbarung ist kurz und eindeutig. Sinnvoll sind:
- die genaue Höhe des Rückstands mit Monaten,
- Ratenhöhe, Fälligkeit und Konto,
- der Hinweis, dass die laufende Miete daneben pünktlich zu zahlen ist,
- eine Regelung zu einer bereits ausgesprochenen Kündigung,
- was bei einer verspäteten Rate passiert.
Achte auf Klauseln, nach denen bei einem Rückstand mit einer Rate der ganze Rest sofort fällig wird. Plane bei Mietrückstand und Ratenzahlung die Raten so, dass Du sie neben der Miete sicher schaffst. Prüfe außerdem, ob der Rückstand stimmt: Eine berechtigte Mietminderung verringert die geschuldete Miete von selbst (§ 536 Abs. 1 BGB).
Das Wichtigste in Kürze
- Einen Anspruch auf Ratenzahlung gibt es nicht; der Vermieter muss Teilleistungen nach § 266 BGB nicht annehmen.
- Schon ein Rückstand von mehr als einer Monatsmiete an zwei aufeinanderfolgenden Terminen erlaubt die fristlose Kündigung (§ 543 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3, § 569 Abs. 3 Nr. 1 BGB).
- Raten verhindern die Kündigung nicht; ausgeschlossen ist sie nur bei vollständiger Zahlung vor Zugang (§ 543 Abs. 2 Satz 2 BGB).
- Die Schonfristzahlung bis zwei Monate nach Zustellung der Räumungsklage verlangt ebenfalls die volle Summe und rettet nach geltendem Recht nur die fristlose Kündigung (BGH VIII ZR 231/17, VIII ZR 21/26).
- Jede Rate gilt als Anerkenntnis und lässt die Verjährung der Restschuld neu beginnen (§ 212 Abs. 1 Nr. 1 BGB).
Häufige Fragen (10)
Ist bei Mietrückstand und Ratenzahlung eine Abzahlung der Mietschulden in Raten möglich?
Ja, wenn der Vermieter zustimmt. Ein Recht darauf hast Du nicht, weil § 266 BGB Teilleistungen ohne Einverständnis des Gläubigers ausschließt. Biete die Raten deshalb früh und schriftlich an, nenne einen realistischen Betrag und zahle die laufende Miete daneben pünktlich weiter. Das ist die Voraussetzung dafür, dass keine neuen Rückstände entstehen, die eine Kündigung tragen.
Kann der Vermieter trotz Mietrückstand und Ratenzahlung kündigen?
Ja, das ist möglich. Eine Ratenvereinbarung lässt das Kündigungsrecht nur entfallen, wenn sie das regelt oder der Vermieter die Schuld stundet. Neue Rückstände bei der laufenden Miete können eine Kündigung nach § 543 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 BGB jederzeit tragen. Halte deshalb im Vertrag fest, dass der Vermieter bei pünktlichen Raten nicht wegen der Altschulden kündigt.
Wie formuliere ich die Vereinbarung zu Mietrückstand und Ratenzahlung?
Nenne die Parteien, die Mietwohnung, den Rückstand mit Betrag und Monaten, die Ratenhöhe, das Fälligkeitsdatum jeder Rate und das Konto. Ergänze, dass die laufende Miete daneben gezahlt wird und was mit einer schon erklärten Kündigung geschieht. Beide Seiten unterschreiben. Prüfe vor der Unterschrift, ob eine Klausel bei einer verspäteten Rate den gesamten Rest sofort fällig stellt.
Ab wie viel Mietrückstand darf der Vermieter fristlos kündigen?
Bei Wohnraum ab einem Rückstand von mehr als einer Monatsmiete, wenn er an zwei aufeinanderfolgenden Terminen entstanden ist (§ 543 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 Buchst. a, § 569 Abs. 3 Nr. 1 BGB). Verteilt sich der Rückstand über einen längeren Zeitraum, muss er zwei Monatsmieten erreichen. Zur Miete zählen die monatlichen Vorauszahlungen auf die Betriebskosten. Eine Abmahnung ist dafür nicht nötig.
Hilft eine Teilzahlung gegen die fristlose Kündigung?
Meist nicht. Die Kündigung ist nach § 543 Abs. 2 Satz 2 BGB nur ausgeschlossen, wenn der Vermieter vor ihrem Zugang vollständig befriedigt ist. Senkt eine Teilzahlung den Rückstand allerdings unter die Schwelle, bevor gekündigt wird, fehlt es an den Voraussetzungen der Nr. 3. Nach Zugang hilft nur die vollständige Schonfristzahlung innerhalb der Frist des § 569 Abs. 3 Nr. 2 BGB.
Übernimmt das Jobcenter Mietschulden?
Es kann. Nach § 22 Abs. 8 SGB II können Schulden übernommen werden, wenn Grundsicherungsgeld für die Unterkunft gezahlt wird und das zur Sicherung der Wohnung gerechtfertigt ist. Droht sonst Wohnungslosigkeit, sollen sie übernommen werden. In der Regel gibt es ein Darlehen, eigenes Vermögen ist vorrangig einzusetzen. Für Menschen ohne Grundsicherungsgeld ist das Sozialamt nach SGB XII zuständig.
Was passiert bei Mietrückstand und Ratenzahlung, wenn ich eine Rate nicht zahlen kann?
Bei Mietrückstand und Ratenzahlung hängt das von der Vereinbarung ab. Manche Vereinbarungen sehen vor, dass bei einem Rückstand der gesamte Rest sofort fällig wird. Dann kann der Vermieter den vollen Betrag verlangen und gerichtlich durchsetzen. Ob er auch kündigen kann, richtet sich nach § 543 BGB und dem, was zur Kündigung vereinbart ist. Melde Dich vor dem Fälligkeitstag und bitte schriftlich um Aufschub.
Verjähren Mietschulden, wenn ich in Raten zahle?
Jede Rate setzt die Uhr zurück. Eine Abschlagszahlung gilt als Anerkenntnis, und die Verjährung beginnt nach § 212 Abs. 1 Nr. 1 BGB neu. Die regelmäßige Frist beträgt drei Jahre (§ 195 BGB). Solange Du zahlst, verjährt der Rest also nicht. Auf Verjährung zu setzen, ist bei Mietschulden ohnehin selten ein Plan, weil der Vermieter Zeit hat, Klage zu erheben.
Kann eine Räumungsklage durch Ratenzahlung gestoppt werden?
Nicht durch Raten allein. Nach § 569 Abs. 3 Nr. 2 BGB wird die fristlose Kündigung nur unwirksam, wenn innerhalb von zwei Monaten nach Zustellung der Klage alles bezahlt ist oder sich eine öffentliche Stelle verpflichtet. Möglich ist aber ein Vergleich im Prozess, in dem sich die Parteien auf Raten und die Fortsetzung des Mietverhältnisses einigen. Darauf besteht kein Anspruch.
Muss ich nach einer Ratenvereinbarung Zinsen zahlen?
Möglich ist das. Für die Zeit des Verzugs kann der Vermieter Verzugszinsen verlangen, bei Verbrauchern fünf Prozentpunkte über dem Basiszinssatz (§ 288 Abs. 1 BGB). Ob in einer Ratenvereinbarung Zinsen weiterlaufen, hängt vom Text ab. Hat der Vermieter die Schuld gestundet, fehlt es für diese Zeit am Verzug. Lass die Frage deshalb in der Vereinbarung ausdrücklich regeln.
Quellen
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