Drogen am Steuer

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Kurz erklärt Drogen am Steuer bedeutet, ein Kraftfahrzeug unter der Wirkung berauschender Mittel zu führen. Als Ordnungswidrigkeit erfasst das § 24a Abs. 2 StVG, sobald eine in der Anlage genannte Substanz im Blutserum nachgewiesen ist; für Cannabis gilt der THC-Grenzwert des Abs. 1a. Regelfolge beim ersten Verstoß sind 500 Euro, ein Monat Fahrverbot und 2 Punkte.

Polizeikontrolle eines Fahrers auf einer deutschen Straße, um den Verdacht auf Drogen am Steuer zu überprüfen
Inhalt 4 Abschnitte

Wann sind Drogen am Steuer eine Ordnungswidrigkeit?

§ 24a Abs. 2 StVG verbietet das Führen eines Kraftfahrzeugs unter der Wirkung der Mittel, die in der Anlage zur Vorschrift stehen: Heroin und Morphin, Kokain, Amfetamin, die Designer-Amfetamine MDA, MDE und MDMA sowie Metamfetamin. Eine Wirkung liegt nach Satz 2 schon dann vor, wenn die Substanz im Blutserum nachgewiesen wird. Ausfallerscheinungen muss die Behörde bei Drogen am Steuer dafür nicht belegen.

Cannabis ist nicht mehr in der Anlage aufgeführt. Hier gilt der Grenzwert von 3,5 ng/ml THC im Blutserum (§ 24a Abs. 1a StVG), mehr dazu unter Cannabis am Steuer. Wer THC und Alkohol kombiniert, verstößt gegen Abs. 2a, für Fahranfänger und unter 21-Jährige gilt zusätzlich das Alkoholverbot für Fahranfänger, das § 24c StVG auf THC erstreckt. Eine Ausnahme macht § 24a Abs. 4 StVG: Rührt die Substanz aus der bestimmungsgemäßen Einnahme eines für einen konkreten Krankheitsfall verschriebenen Arzneimittels her, ist der Tatbestand nicht erfüllt. Die Blutprobe darf bei Verdacht auf § 24a StVG ohne richterliche Anordnung entnommen werden (§ 46 Abs. 4 Satz 2 OWiG).

Welche Strafe droht nach dem Bußgeldkatalog?

Die Regelsätze stehen in der Anlage zur BKatV (Stand: Oktober 2026):

VerstoßLfd. Nr.RegelsatzFahrverbot
Drogen nach § 24a Abs. 2, erstmals243500 Euro1 Monat
bei einer Voreintragung (§ 24a StVG, § 316 oder § 315c Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a StGB)243.11.000 Euro3 Monate
bei mehreren Voreintragungen243.21.500 Euro3 Monate
THC ab 3,5 ng/ml, erstmals242500 Euro1 Monat
THC plus Alkohol (§ 24a Abs. 2a)243a1.000 Euro1 Monat

Das Fahrverbot ist nach § 25 Abs. 1 Satz 2 StVG und § 4 Abs. 3 BKatV in der Regel anzuordnen. Im Fahreignungsregister werden 2 Punkte eingetragen (Anlage 13 FeV, Nr. 2.2.2 und 2.2.1a). Hinzu kommen Gebühren und Auslagen nach § 107 OWiG, auch für das Blutgutachten.

Wann wird Drogen am Steuer zur Straftat?

Strafbar nach § 316 StGB machst Du Dich, wenn Du infolge des Rauschmittels nicht in der Lage bist, das Fahrzeug sicher zu führen. Einen festen Grenzwert für eine absolute Fahruntüchtigkeit wie beim Alkohol gibt es bei Drogen nicht. Es braucht drogenbedingte Ausfallerscheinungen, die das Gericht nachvollziehbar feststellen muss. Der BGH hob 2022 eine Verurteilung auf, weil das Landgericht riskantes Fahren bei einer Flucht vor der Polizei ohne weitere Begründung als drogenbedingt gewertet hatte; je höher die Wirkstoffkonzentration, desto geringer können aber die Anforderungen an die Ausfallerscheinungen sein (Beschluss vom 02.08.2022, 4 StR 231/22).

Kommt bei Drogen am Steuer eine Gefährdung anderer hinzu, steht § 315c StGB im Raum. Bei einer Verurteilung nach § 316 StGB entzieht das Gericht die Fahrerlaubnis in der Regel (§ 69 Abs. 2 Nr. 2 StGB). Zur Abgrenzung siehe Straftat oder Ordnungswidrigkeit.

Was macht die Fahrerlaubnisbehörde?

Unabhängig vom Bußgeld prüft die Fahrerlaubnisbehörde, ob Du noch geeignet bist. Nach Anlage 4 Nr. 9.1 FeV schließt die Einnahme von Betäubungsmitteln im Sinne des BtMG die Eignung im Regelfall aus; Cannabis ist dort gesondert geregelt (Nr. 9.2). Die Bewertungen gelten nach der Vorbemerkung für den Regelfall, Ausnahmen müssen begründet werden. Bei Zweifeln ordnet die Behörde ein ärztliches Gutachten an, nach wiederholten Verstößen gegen § 24a StVG eine MPU (§ 14 Abs. 2 Nr. 3 FeV).

Am Ende kann die Entziehung der Fahrerlaubnis stehen. Wer beruflich fährt, riskiert dann auch arbeitsrechtliche Folgen bis zur Kündigung wegen Verlust des Führerscheins.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nach § 24a Abs. 2 StVG genügt der Nachweis einer Substanz aus der Anlage im Blutserum; Ausfallerscheinungen sind für die Ordnungswidrigkeit nicht nötig.
  • Erstverstoß: 500 Euro, 1 Monat Fahrverbot, 2 Punkte (BKatV Nr. 243, Stand Oktober 2026); mit Voreintragung 1.000 Euro und 3 Monate.
  • Ärztlich verschriebene und bestimmungsgemäß eingenommene Medikamente fallen nicht unter § 24a StVG (Abs. 4).
  • Strafbar nach § 316 StGB wird es erst bei drogenbedingten Ausfallerscheinungen; einen absoluten Grenzwert gibt es bei Drogen nicht (BGH, 4 StR 231/22).
  • Die Fahrerlaubnisbehörde prüft die Eignung gesondert; der Konsum harter Drogen schließt sie im Regelfall aus (Anlage 4 Nr. 9.1 FeV).

Häufige Fragen (10)

Ist Drogen am Steuer eine Straftat oder eine Ordnungswidrigkeit?

Bei Drogen am Steuer ist beides möglich. Ohne Ausfallerscheinungen liegt in der Regel eine Ordnungswidrigkeit nach § 24a Abs. 2 StVG vor, weil der bloße Nachweis der Substanz genügt. Zur Straftat nach § 316 StGB wird die Fahrt, wenn Du infolge der Droge nicht mehr sicher fahren konntest. Das muss durch konkrete Auffälligkeiten belegt werden, etwa Schlangenlinien oder verzögerte Reaktionen. Gefährdest Du dabei andere, kommt § 315c StGB in Betracht.

Wie lange ist der Führerschein bei Drogen am Steuer weg?

Im Bußgeldverfahren gibt es beim ersten Verstoß in der Regel ein Fahrverbot von einem Monat, bei Voreintragungen drei Monate (BKatV Nr. 243 bis 243.2). Danach bekommst Du den Führerschein zurück. Die Fahrerlaubnisbehörde kann aber unabhängig davon die Fahrerlaubnis entziehen, wenn sie Dich für ungeeignet hält. Dann gilt kein festes Datum: Eine Neuerteilung setzt meist den Nachweis voraus, dass die Eignung wiederhergestellt ist.

Wie hoch ist das Bußgeld beim ersten Mal?

Beim ersten Verstoß gegen § 24a Abs. 2 StVG sieht der Bußgeldkatalog 500 Euro, einen Monat Fahrverbot und 2 Punkte vor (BKatV Nr. 243, Stand Oktober 2026). Für Cannabis ab 3,5 ng/ml THC gilt derselbe Regelsatz (Nr. 242). Kommen Gebühren, Auslagen und die Kosten des Blutgutachtens dazu, liegt die Gesamtsumme deutlich höher. Der gesetzliche Rahmen reicht bis 3.000 Euro, bei Fahrlässigkeit bis 1.500 Euro (§ 24a Abs. 3 StVG, § 17 Abs. 2 OWiG).

Wann bekommt man nach Drogen am Steuer Post?

Eine feste Frist gibt es nicht. Zunächst muss das Labor die Blutprobe auswerten, erst dann schickt die Behörde einen Anhörungsbogen oder Bußgeldbescheid. Die Verfolgungsverjährung beträgt hier nicht sechs Monate, denn § 26 Abs. 3 StVG gilt nur für Verstöße nach § 24 Abs. 1 StVG. Für § 24a StVG greift § 31 Abs. 2 OWiG, danach verjährt die Tat je nach Schuldform frühestens nach einem Jahr. Die Verjährung kann zudem unterbrochen werden.

Muss ich nach Drogen am Steuer zur MPU?

Nicht automatisch. § 14 Abs. 2 Nr. 3 FeV schreibt die MPU vor, wenn wiederholt Verstöße gegen § 24a StVG begangen wurden. Steht nach Anlage 4 Nr. 9.1 FeV schon fest, dass Du ungeeignet bist, ordnet die Behörde gar kein Gutachten an, sondern entzieht direkt (§ 11 Abs. 7 FeV). Für die spätere Neuerteilung ist die MPU dann vorgeschrieben (§ 14 Abs. 2 Nr. 1 FeV). Bei Cannabis gilt die eigene Regelung in § 13a FeV.

Was passiert bei Drogen am Steuer in der Probezeit?

Ein Verstoß gegen § 24a StVG gehört zu den schwerwiegenden Zuwiderhandlungen, den A-Verstößen der Probezeit (Anlage 12 FeV, Abschnitt A Nr. 2.3). Neben Bußgeld und Fahrverbot ordnet die Fahrerlaubnisbehörde ein Aufbauseminar an, und die Probezeit verlängert sich um zwei Jahre (§ 2a StVG). Zusätzlich gilt für Fahranfänger und unter 21-Jährige ein absolutes THC-Verbot nach § 24c StVG. Die Eignungsprüfung nach der FeV läuft daneben weiter.

Darf ich mit verschriebenen Medikamenten Auto fahren?

Unter § 24a StVG fällt das nicht, wenn die Substanz aus der bestimmungsgemäßen Einnahme eines für einen konkreten Krankheitsfall verschriebenen Arzneimittels stammt (§ 24a Abs. 4 StVG). Das gilt auch für ärztlich verordnetes Cannabis. Trotzdem darfst Du nur fahren, wenn Du fahrtüchtig bist; sonst bleibt § 316 StGB möglich. Halte das Rezept bereit und nimm das Mittel genau nach Verordnung.

Darf die Polizei ohne Richter eine Blutprobe nehmen?

Ja, bei Verdacht auf eine Ordnungswidrigkeit nach § 24a oder § 24c StVG. § 46 Abs. 4 Satz 2 OWiG verzichtet in diesen Fällen auf die richterliche Anordnung, wenn bestimmte Tatsachen den Verdacht begründen. Die Blutentnahme selbst nimmt ein Arzt vor. Ob die Blutprobe verwertbar ist, kann bei der Akteneinsicht geprüft werden.

Wie lange sind Drogen im Blut nachweisbar?

Das hängt von Substanz, Menge, Häufigkeit und Stoffwechsel ab; eine verlässliche Faustregel gibt es nicht. Rechtlich zählt nur, ob im Blutserum zum Zeitpunkt der Blutentnahme eine Substanz der Anlage zu § 24a StVG nachgewiesen wird. Auch ein länger zurückliegender Konsum kann also zu einem Bußgeld führen, solange der Wirkstoff noch messbar ist. Wer am Vortag konsumiert hat, geht deshalb ein echtes Risiko ein.

Zahlt die Versicherung bei einem Unfall unter Drogen?

Gegenüber dem Unfallgegner zahlt die Kfz-Haftpflicht zunächst. Sie kann aber nach den Versicherungsbedingungen beim Fahrer Regress nehmen, wenn er berauscht gefahren ist; Grenzen und Höhe ergeben sich aus dem Vertrag. In der Kaskoversicherung darf der Versicherer seine Leistung bei grob fahrlässiger Herbeiführung des Versicherungsfalls nach der Schwere des Verschuldens kürzen (§ 81 Abs. 2 VVG). Wie viel im Einzelfall auf Dich zukommt, hängt vom Vertrag und vom Grad des Verschuldens ab.

Quellen

  1. § 24a StVG 0,5-Promille-Grenze, THC-Grenzwert, berauschende Mittel
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026
  2. Anlage zu § 24a StVG (Liste der berauschenden Mittel)
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026
  3. Anlage BKatV (Bußgeldkatalog), Lfd. Nr. 242 bis 243a
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026
  4. Anlage 4 FeV Eignung und bedingte Eignung
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026
  5. BGH, Beschluss vom 02.08.2022, 4 StR 231/22 (drogenbedingte Fahruntüchtigkeit)
    UrteilBundesgerichtshof · abgerufen am 27.10.2026
  6. § 316 StGB Trunkenheit im Verkehr
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026

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