Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU)
Kurz erklärt Die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) ist eine Begutachtung, mit der die Fahrerlaubnisbehörde Zweifel an Deiner Fahreignung klärt. Rechtsgrundlage sind vor allem § 11 Abs. 3 und §§ 13 bis 14 FeV. Bringst Du das geforderte Gutachten nicht fristgerecht bei, darf die Behörde nach § 11 Abs. 8 FeV auf fehlende Eignung schließen und die Fahrerlaubnis entziehen oder verweigern.

Inhalt 4 Abschnitte
Medizinisch-Psychologische Untersuchung: Wer ordnet sie an und warum?
Die MPU ordnet nicht das Gericht an, sondern die Fahrerlaubnisbehörde. Medizinisch-Psychologische Untersuchung: Die Behörde will wissen, ob Du künftig sicher am Verkehr teilnehmen kannst. Das Gutachten erstellt eine amtlich anerkannte Begutachtungsstelle für Fahreignung (§ 11 Abs. 3 FeV).
In der Anordnung legt die Behörde fest, welche Fragen zu klären sind, nennt eine Frist und die in Betracht kommenden Stellen. Die Untersuchung beauftragst Du selbst und auf eigene Kosten (§ 11 Abs. 6 FeV). Du darfst außerdem die Unterlagen einsehen, die an die Gutachter gehen. Das lohnt sich, denn nur diese Akte bildet die Grundlage der Begutachtung.
Medizinisch-Psychologische Untersuchung: Ab wann musst Du hin?
Die häufigsten Anlässe stehen in der Fahrerlaubnis-Verordnung. Bei Alkohol am Steuer ist die MPU zwingend, wenn Du mit 1,6 Promille Blutalkohol oder 0,8 mg/l Atemalkohol gefahren bist, wenn wiederholt Alkoholverstöße vorliegen oder Anzeichen für Alkoholmissbrauch bestehen (§ 13 Satz 1 Nr. 2 FeV). Reine Verstöße gegen das Alkoholverbot für Fahranfänger zählen dabei nicht mit.
Für Cannabis am Steuer gilt inzwischen eine eigene Regel in § 13a FeV: MPU bei Anzeichen für Missbrauch oder bei wiederholten Zuwiderhandlungen unter Cannabiseinfluss. Bei anderen Betäubungsmitteln, also Drogen am Steuer, greift § 14 FeV. Wer wegen 8 Punkten die Fahrerlaubnis verloren hat, muss vor der Neuerteilung in der Regel ebenfalls ein Gutachten vorlegen (§ 4 Abs. 10 Satz 4 StVG). Hinzu kommen erhebliche Verkehrsverstöße und Straftaten mit hohem Aggressionspotenzial (§ 11 Abs. 3 Nr. 4 bis 7 FeV).
Eine Grenze hat das Bundesverwaltungsgericht gezogen. Nach einer einmaligen Trunkenheitsfahrt unter 1,6 Promille darf die Behörde die MPU nicht allein deshalb verlangen, weil das Strafgericht die Fahrerlaubnis entzogen hat. Anders ist es nur, wenn weitere Tatsachen auf künftigen Alkoholmissbrauch hindeuten (BVerwG, Urteil vom 06.04.2017, 3 C 24.15).
Was prüfen die Gutachter bei der Untersuchung?
Die Maßstäbe stehen in Anlage 4a FeV. Die Gutachter halten sich an die Fragestellung der Behörde und untersuchen nur Eigenschaften, die für das Fahren wichtig sind. Bei Alkohol, Cannabis oder Drogen geht es vor allem um Dein künftiges Verhalten.
War eine Abhängigkeit festgestellt, muss eine stabile Abstinenz bestehen. Bei Missbrauch ohne Abhängigkeit prüfen die Gutachter, ob Du Konsum und Fahren zuverlässig trennen kannst. In beiden Fällen verlangt Anlage 4a einen grundlegenden Wandel Deiner Einstellung und Bedingungen, die einen Rückfall unwahrscheinlich machen. Medizinisch-Psychologische Untersuchung: Das Gutachten muss nachvollziehbar und nachprüfbar sein. Ein Gutachten mit Lücken oder Widersprüchen kannst Du deshalb inhaltlich angreifen.
Was passiert, wenn Du die MPU nicht machst oder nicht bestehst?
Verweigerst Du die Untersuchung oder legst Du das Gutachten nicht rechtzeitig vor, darf die Behörde nach § 11 Abs. 8 FeV ohne weitere Prüfung auf Nichteignung schließen. Darauf muss sie Dich in der Anordnung hinweisen. Ein negatives Gutachten bist Du dagegen nicht verpflichtet abzugeben. Wer gerade keine Fahrerlaubnis hat, behält damit die Möglichkeit, sich später erneut begutachten zu lassen und die Neuerteilung der Fahrerlaubnis zu beantragen.
In manchen Fällen ersetzt ein anerkannter Kurs zur Wiederherstellung der Fahreignung die zweite MPU (§ 11 Abs. 10 FeV). Das gilt aber nicht bei Anordnungen wegen 8 Punkten oder nach § 11 Abs. 3 Nr. 4 bis 7 FeV. Verliert jemand den Führerschein, hängt oft auch der Job daran, etwa bei Berufskraftfahrern. Dann wird schnell die Kündigung wegen Verlust des Führerscheins zum Thema.
Das Wichtigste in Kürze
- Ab 1,6 Promille Blutalkohol oder 0,8 mg/l Atemalkohol muss die Behörde eine MPU anordnen (§ 13 Satz 1 Nr. 2 Buchst. c FeV).
- Nach einer einmaligen Fahrt unter 1,6 Promille reicht die strafgerichtliche Entziehung allein nicht für eine MPU (BVerwG, 06.04.2017, 3 C 24.15).
- Wer das Gutachten nicht fristgerecht vorlegt, riskiert den Schluss auf Nichteignung (§ 11 Abs. 8 FeV).
- Die Kosten der Untersuchung trägt die betroffene Person selbst (§ 11 Abs. 6 Satz 2 FeV).
- Nach Entzug wegen 8 Punkten verlangt die Behörde vor der Neuerteilung in der Regel ein MPU-Gutachten (§ 4 Abs. 10 Satz 4 StVG).
Häufige Fragen (10)
Ab wie viel Promille ist die Medizinisch-Psychologische Untersuchung Pflicht?
Ab 1,6 Promille Blutalkohol oder 0,8 mg/l Atemalkohol ist die MPU Pflicht, schon bei der ersten Fahrt. So regelt es § 13 Satz 1 Nr. 2 Buchst. c FeV. Darunter kann eine MPU trotzdem drohen, etwa bei wiederholten Alkoholverstößen oder wenn weitere Tatsachen auf Alkoholmissbrauch hindeuten. Die Behörde muss diese zusätzlichen Umstände aber konkret benennen.
Wann wird die Medizinisch-Psychologische Untersuchung bei Cannabis angeordnet?
Bei Cannabis ist § 13a FeV maßgeblich, nicht mehr die allgemeine Drogenregel. Eine MPU ist anzuordnen, wenn ein ärztliches Gutachten Anzeichen für Cannabismissbrauch zeigt, wenn sonst Tatsachen auf Missbrauch hindeuten oder wenn Du wiederholt unter Cannabiseinfluss im Verkehr aufgefallen bist. Auch nach einer Entziehung aus diesen Gründen verlangt die Behörde das Gutachten. Für andere Drogen gilt dagegen § 14 FeV.
Wie lange ist man nach einer MPU-Anordnung den Führerschein los?
Eine feste Dauer gibt es nicht. Hast Du noch eine Fahrerlaubnis, setzt die Behörde eine Frist für das Gutachten. Kommt es nicht, folgt meist die Entziehung nach § 11 Abs. 8 FeV. Wer die Fahrerlaubnis schon verloren hat, bekommt sie erst zurück, wenn ein positives Gutachten vorliegt. Bei Entzug wegen 8 Punkten gilt zusätzlich eine Mindestsperre von sechs Monaten (§ 4 Abs. 10 StVG).
Was passiert, wenn man die Medizinisch-Psychologische Untersuchung nicht macht?
Dann darf die Fahrerlaubnisbehörde davon ausgehen, dass Du ungeeignet bist. § 11 Abs. 8 FeV erlaubt diesen Schluss, wenn Du die Untersuchung verweigerst oder das Gutachten nicht fristgerecht vorlegst. Die Behörde muss Dich in der Anordnung auf diese Folge hinweisen. Fehlt der Hinweis oder ist die Anordnung selbst rechtswidrig, kann die darauf gestützte Entziehung angreifbar sein.
Muss man ein negatives MPU-Gutachten bei der Behörde abgeben?
Nein, eine Pflicht zur Vorlage besteht nicht. Du beauftragst die Begutachtungsstelle selbst und entscheidest, ob Du das Gutachten einreichst (§ 11 Abs. 6 FeV). Allerdings darf die Behörde aus dem Fehlen eines Gutachtens innerhalb der Frist auf Nichteignung schließen. Ein negatives Ergebnis zurückzuhalten verhindert also die Ablehnung nicht, hält aber den späteren zweiten Anlauf sauber.
Wer bekommt das MPU-Gutachten?
Das Gutachten geht an Dich als Auftraggeber. Die Untersuchung erfolgt nach § 11 Abs. 6 Satz 5 FeV auf Grund Deines Auftrags. Die Behörde erfährt von Dir, welche Stelle Du beauftragt hast, und schickt ihr die Unterlagen. Ob das fertige Gutachten zur Behörde gelangt, entscheidest Du. Ohne Vorlage innerhalb der Frist droht allerdings der Schluss auf fehlende Eignung.
Verjährt eine MPU-Anordnung?
Eine eigene Verjährungsfrist für die MPU gibt es nicht. Maßgeblich ist, ob die zugrunde liegende Tat noch verwertet werden darf. Ist ihre Eintragung im Fahreignungsregister gelöscht, darf sie nach § 29 Abs. 7 StVG grundsätzlich nicht mehr zu Deinem Nachteil verwendet werden. Bei Entziehungen und Versagungen gelten aber lange Tilgungsfristen, teils zehn Jahre.
Wie oft darf man die MPU wiederholen?
Eine gesetzliche Obergrenze gibt es nicht. Wer durchfällt, kann sich erneut begutachten lassen, sobald die Voraussetzungen besser belegt sind, zum Beispiel durch längere Abstinenznachweise. Unter den Bedingungen des § 11 Abs. 10 FeV reicht statt einer zweiten MPU auch die Bescheinigung über einen anerkannten Kurs. Die Behörde muss der Kursteilnahme vorher zustimmen.
Wie oft darf man die Medizinisch-Psychologische Untersuchung wiederholen?
Eine Prüfung lohnt sich. Die Behörde muss nach § 11 Abs. 6 FeV die Gründe für ihre Zweifel darlegen, die Fragestellung festlegen, eine Frist setzen und auf die Folge nach § 11 Abs. 8 FeV hinweisen. Ob die Anordnung rechtmäßig war, prüfen Behörde und Gericht spätestens, wenn die Fahrerlaubnis entzogen oder die Neuerteilung abgelehnt wird. Im Fall 3 C 24.15 erstritt eine Autofahrerin so die Neuerteilung ohne MPU.
Was kostet eine MPU?
Medizinisch-Psychologische Untersuchung: Die Kosten trägst Du selbst, so steht es in § 11 Abs. 6 Satz 2 FeV. Die Höhe der Gebühr hängt von der Fragestellung ab, etwa Alkohol, Drogen oder Punkte, und davon, ob mehrere Fragen kombiniert werden. Hinzu kommen häufig Kosten für Abstinenznachweise und eine freiwillige Vorbereitung. Die aktuelle Gebühr nennt Dir die gewählte Begutachtungsstelle vorab.
Quellen
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