Kündigung wegen Störung des Hausfriedens

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Kurz erklärt Eine Kündigung wegen Störung des Hausfriedens beendet das Mietverhältnis, weil eine Partei das Zusammenleben im Haus nachhaltig belastet, etwa durch Lärm, Drohungen oder Geruchsbelästigung. Die fristlose Kündigung stützt sich auf § 569 Abs. 2 BGB und setzt in der Regel eine erfolglose Abmahnung voraus. Hilfsweise kündigen Vermieter oft ordentlich nach § 573 Abs. 2 Nr. 1 BGB.

Anonyme Person im Treppenhaus eines Altbaus vor einer Wohnungstür, ein Umzugskarton auf der Treppe, Kündigung wegen Störung des Hausfriedens
Inhalt 4 Abschnitte

Was zählt bei einer Kündigung wegen Störung des Hausfriedens als Störung?

Nach § 569 Abs. 2 BGB ist die nachhaltige Störung des Hausfriedens ein wichtiger Grund, wenn dem Kündigenden die Fortsetzung des Mietverhältnisses unter Abwägung aller Umstände nicht zuzumuten ist. Der Bundesgerichtshof verlangt, dass eine Mietpartei die Pflicht zur gegenseitigen Rücksichtnahme schwerwiegend verletzt, also andere Mieter mehr als unvermeidlich stört (BGH, Urteil vom 18.02.2015, VIII ZR 186/14, Rn. 13).

Beispiele aus der Rechtsprechung sind anhaltender Lärm wie Schreien, Poltern oder Türenschlagen; auch Verstöße gegen die Hausordnung können je nach Gewicht dazugehören. Rauchen in der eigenen Wohnung ist erlaubt; zieht der Rauch aber in unerträglichem Maß ins Treppenhaus und lüftet der Mieter nicht, kann das genügen (VIII ZR 186/14, Rn. 16), siehe Rauchen in der Mietwohnung.

Für eine Kündigung wegen Störung des Hausfriedens reicht ein bloß zerrüttetes Verhältnis nicht. Es muss ein pflichtwidriges Verhalten der anderen Seite hinzukommen (BGH, 29.11.2023, VIII ZR 211/22).

Braucht die Kündigung wegen Störung des Hausfriedens vorher eine Abmahnung?

In der Regel ja. Besteht der wichtige Grund in einer Vertragsverletzung, ist die Kündigung erst nach erfolgloser Abmahnung oder Abhilfefrist zulässig (§ 543 Abs. 3 Satz 1 BGB). Entbehrlich ist sie nur, wenn sie offensichtlich keinen Erfolg verspricht oder die sofortige Kündigung aus besonderen Gründen gerechtfertigt ist (§ 543 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 und 2 BGB). Mehr unter Abmahnung des Mieters.

Den Kündigungsgrund muss das Schreiben nennen (§ 569 Abs. 4 BGB). Bei der hilfsweisen ordentlichen Kündigung braucht der Vermieter eine schuldhafte, nicht unerhebliche Pflichtverletzung (§ 573 Abs. 2 Nr. 1 BGB); dann laufen die Fristen des § 573c BGB, siehe Kündigungsfrist im Mietrecht.

Was muss der Vermieter darlegen und beweisen?

Bei der Kündigung wegen Störung des Hausfriedens muss er die Störungen nach Zeitpunkt, Art, Intensität, Dauer und Häufigkeit beschreiben. Ein über längere Zeit geführtes Lärmprotokoll und Nachbarn als Zeugen genügen dafür. Was genau in der Wohnung passiert ist, muss er mangels Einblick nicht schildern (BGH, Beschluss vom 22.06.2021, VIII ZR 134/20, Rn. 36). Der BGH hob das Urteil auf, weil die Zeugen nicht gehört wurden.

Kinderlärm aus altersgerechtem Verhalten ist im Grundsatz hinzunehmen, die erhöhte Toleranz hat aber Grenzen (Rn. 43). Für Dich als Mieter heißt das: Widersprich konkret, benenne eigene Zeugen und prüfe, ob die Abmahnung dieselben Vorwürfe betraf.

Wie geht es nach der Kündigung weiter?

Ziehst Du nicht aus, muss der Vermieter Räumungsklage beim Amtsgericht erheben, in dessen Bezirk die Wohnung liegt (§ 29a ZPO). Gibt das Gericht der Klage statt, kann es eine angemessene Räumungsfrist gewähren (§ 721 ZPO).

Der Widerspruch nach der Sozialklausel hilft nur gegen eine ordentliche Kündigung und auch dann nicht, wenn ein Grund für die fristlose Kündigung vorliegt (§ 574 Abs. 1 Satz 2 BGB). Unabhängig vom Mietrecht kann nächtlicher Lärm zusätzlich als Ordnungswidrigkeit verfolgt werden, siehe Bußgeld wegen Ruhestörung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine nachhaltige Störung des Hausfriedens ist ein wichtiger Grund für die fristlose Kündigung (§ 569 Abs. 2 BGB).
  • Vor der fristlosen Kündigung ist in der Regel eine erfolglose Abmahnung nötig (§ 543 Abs. 3 BGB).
  • Ein Lärmprotokoll mit Zeitpunkt, Art, Dauer und Häufigkeit genügt als Vortrag; Zeugen müssen gehört werden (BGH VIII ZR 134/20).
  • Zerrüttung allein reicht nicht, es braucht ein pflichtwidriges Verhalten (BGH VIII ZR 211/22).
  • Gegen eine berechtigte fristlose Kündigung hilft der Widerspruch nach § 574 BGB nicht (§ 574 Abs. 1 Satz 2 BGB).

Häufige Fragen (10)

Was bedeutet nachhaltige Störung des Hausfriedens?

Nachhaltig heißt, dass die Störung nicht nur eine Bagatelle ist, sondern das Zusammenleben im Haus spürbar und andauernd belastet. Eine feste Zahl von Vorfällen nennt das Gesetz nicht. § 569 Abs. 2 BGB verlangt eine Abwägung aller Umstände, ausdrücklich auch des Verschuldens. Der Bundesgerichtshof spricht von einer schwerwiegenden Verletzung der Pflicht zur Rücksichtnahme (VIII ZR 186/14). Gewicht, Häufigkeit und Dauer der Vorfälle entscheiden.

Ist eine Kündigung wegen Störung des Hausfriedens durch Lärm fristlos möglich?

Das ist möglich, wenn der Lärm den Hausfrieden nachhaltig stört und eine Abmahnung nichts geändert hat. Im Fall VIII ZR 134/20 ging es um Schreien, Poltern, Möbelrücken und Trompetenspiel über Monate; der Bundesgerichtshof verlangte, die benannten Nachbarn als Zeugen zu hören. Normale Wohngeräusche wie Duschen am Abend oder gelegentliche Gespräche reichen nicht. Entscheidend sind Intensität, Uhrzeit und Wiederholung.

Muss man Kinderlärm im Mietshaus hinnehmen?

Weitgehend ja. Geräusche aus altersgerechtem kindlichem Verhalten sind nach dem Bundesgerichtshof hinzunehmen, auch wenn dabei übliche Lärmwerte überschritten werden. Die erhöhte Toleranz hat aber Grenzen (BGH VIII ZR 134/20, Rn. 43). Lässt sich der Lärm mit normalem Spielen nicht mehr erklären, etwa bei nächtlichem Toben über Stunden, kann er wieder relevant werden. Eltern sollten dann zumindest erkennbar auf Rücksicht hinwirken.

Wie viele Abmahnungen braucht es vor einer Kündigung wegen Störung des Hausfriedens?

Das Gesetz verlangt eine erfolglose Abmahnung oder eine erfolglos verstrichene Abhilfefrist (§ 543 Abs. 3 Satz 1 BGB). Eine zweite oder dritte Abmahnung schreibt es nicht vor. Die Abmahnung muss das beanstandete Verhalten konkret bezeichnen und deutlich machen, dass bei Wiederholung Konsequenzen drohen. Ohne Abmahnung geht es nur in den Ausnahmefällen des § 543 Abs. 3 Satz 2 BGB, etwa bei offensichtlicher Aussichtslosigkeit.

Wie beweist man eine Störung des Hausfriedens?

Eine Kündigung wegen Störung des Hausfriedens belegt man am besten mit einem Lärmprotokoll und Zeugen. Das Protokoll sollte über einen längeren Zeitraum Datum, Uhrzeit, Dauer und Art der Störung festhalten. Der Bundesgerichtshof hat ein solches Protokoll zusammen mit benannten Nachbarn als ausreichend konkret anerkannt (VIII ZR 134/20, Rn. 36). Aufnahmen können ergänzen, sollten aber keine fremden Gespräche erfassen. Polizeieinsätze wegen Ruhestörung lassen sich über Akteneinsicht belegen.

Ist auch eine Kündigung wegen Störung des Hausfriedens durch den Mieter möglich?

Ja, § 569 Abs. 2 BGB gilt für beide Vertragsparteien. Stört der Vermieter selbst den Hausfrieden nachhaltig, etwa durch Beleidigungen oder Schikane, kann der Mieter fristlos kündigen, in der Regel nach vorheriger Abmahnung. Gehen die Störungen von anderen Mietern aus, ist der Vermieter gefordert. Dann kommen Abhilfeverlangen und eine Mietminderung nach § 536 BGB in Betracht, wenn die Störung die Wohnung mangelhaft macht.

Reicht ein zerstrittenes Mietverhältnis für eine Kündigung wegen Störung des Hausfriedens?

Nein. Eine bloße Zerrüttung des Vertrauens genügt für die fristlose Kündigung nach § 543 Abs. 1 BGB nicht, wenn nicht feststeht, dass die andere Seite sie zumindest auch durch pflichtwidriges Verhalten verursacht hat (BGH VIII ZR 211/22). Im Fall stritten Vermieter und Mieter im selben Haus seit Jahren; die Kündigung der Vermieter scheiterte. Wer kündigen will, muss konkrete Pflichtverletzungen benennen.

Ist Zigarettenrauch im Treppenhaus eine Störung des Hausfriedens?

Er kann es sein. Das Rauchen in der eigenen Wohnung gehört zum vertragsgemäßen Gebrauch. Der Mieter muss aber einfache, zumutbare Maßnahmen ergreifen, etwa über die Fenster lüften. Erreicht die Geruchsbelästigung im Treppenhaus ein unerträgliches oder gesundheitsgefährdendes Ausmaß, kommt eine Störung des Hausfriedens in Betracht (BGH VIII ZR 186/14, Rn. 16). Im Fall hob der Bundesgerichtshof das Räumungsurteil wegen fehlerhafter Beweiswürdigung auf.

Welche Kündigungsfrist gilt bei einer ordentlichen Kündigung wegen Hausfriedensstörung?

Die gesetzliche Frist des § 573c Abs. 1 BGB. Kündigt der Vermieter spätestens am dritten Werktag eines Monats, endet das Mietverhältnis mit Ablauf des übernächsten Monats. Nach fünf und nach acht Jahren seit Überlassung der Wohnung verlängert sich die Frist für den Vermieter um jeweils drei Monate. Für die ordentliche Kündigung braucht er eine schuldhafte, nicht unerhebliche Pflichtverletzung (§ 573 Abs. 2 Nr. 1 BGB).

Hilft ein Härtefall-Widerspruch gegen die Kündigung?

Nur eingeschränkt. Der Widerspruch nach § 574 BGB richtet sich gegen ordentliche Kündigungen und ist ausgeschlossen, wenn ein Grund für eine fristlose Kündigung vorliegt (§ 574 Abs. 1 Satz 2 BGB). Ist die Hausfriedensstörung nicht schwer genug für eine fristlose Kündigung, kann eine Härte wie Alter, Krankheit oder fehlender Ersatzwohnraum aber berücksichtigt werden. Im Räumungsprozess bleibt außerdem die Räumungsfrist nach § 721 ZPO.

Quellen

  1. § 569 BGB Außerordentliche fristlose Kündigung aus wichtigem Grund
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026
  2. § 543 BGB Außerordentliche fristlose Kündigung (Abs. 3 Abmahnung)
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026
  3. BGH, Beschluss vom 22.06.2021, VIII ZR 134/20 (Lärm, Lärmprotokoll, Zeugen)
    UrteilBundesgerichtshof · abgerufen am 27.10.2026
  4. BGH, Urteil vom 18.02.2015, VIII ZR 186/14 (Zigarettenrauch im Treppenhaus)
    UrteilBundesgerichtshof · abgerufen am 27.10.2026
  5. BGH, Urteil vom 29.11.2023, VIII ZR 211/22 (Zerrüttung allein genügt nicht)
    UrteilBundesgerichtshof · abgerufen am 27.10.2026
  6. § 574 BGB Widerspruch des Mieters gegen die Kündigung
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026

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