Verjährung im Mietrecht
Kurz erklärt Die Verjährung im Mietrecht folgt zwei Regeln. Ersatzansprüche des Vermieters wegen Veränderungen oder Verschlechterungen der Mietsache verjähren nach § 548 Abs. 1 BGB in sechs Monaten ab Rückgabe der Wohnung, Aufwendungsansprüche des Mieters sechs Monate nach Vertragsende. Miete, Nebenkosten und Kaution unterliegen dagegen der regelmäßigen Verjährung von drei Jahren (§ 195 BGB).

Inhalt 4 Abschnitte
Was regelt die kurze Verjährung im Mietrecht nach § 548 BGB?
§ 548 BGB soll schnell Klarheit nach dem Auszug schaffen. Ersatzansprüche des Vermieters wegen Veränderungen oder Verschlechterungen der Mietsache verjähren in sechs Monaten (Abs. 1 Satz 1). Gemeint sind etwa Ansprüche aus Schadensersatz wegen Beschädigung der Mietsache oder wegen unterlassener Schönheitsreparaturen. Die Frist beginnt, sobald der Vermieter die Wohnung zurückerhält, in der Regel bei der Wohnungsübergabe beim Auszug. Verjährt sein Anspruch auf Rückgabe, verjähren auch die Ersatzansprüche (Abs. 1 Satz 3).
Für Dich als Mieter gilt bei der Verjährung im Mietrecht dieselbe Frist, aber ab Vertragsende. Ansprüche auf Ersatz von Aufwendungen oder auf Gestattung der Wegnahme einer Einrichtung verjähren sechs Monate nach Beendigung des Mietverhältnisses (Abs. 2). Das betrifft etwa Einbauten aus baulichen Veränderungen.
Beispiel: Bei Rückgabe am 15. März endet die Frist des Vermieters um den 15. September, rechne mit einigen Tagen Puffer.
Welche Ansprüche verjähren erst nach drei Jahren?
Alles, was nicht unter § 548 BGB fällt, unterliegt der regelmäßigen Frist von drei Jahren nach § 195 BGB. Sie beginnt mit dem Schluss des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist und der Gläubiger davon Kenntnis hat (§ 199 Abs. 1 BGB). Dazu gehören Mietschulden, Nachforderungen aus der Betriebskostenabrechnung, Guthaben und die Rückzahlung der Mietkaution.
Von der Verjährung im Mietrecht zu trennen sind Ausschlussfristen. Eine Nebenkostennachzahlung kann der Vermieter nach § 556 Abs. 3 BGB nur verlangen, wenn er spätestens zwölf Monate nach Ende des Abrechnungszeitraums abgerechnet hat, es sei denn, er hat die Verspätung nicht zu vertreten. Dein Anspruch auf Beseitigung eines Mangels verjährt dagegen gar nicht, solange das Mietverhältnis läuft (BGH, Urteil vom 17.02.2010, VIII ZR 104/09).
Darf der Vermieter verjährte Schäden mit der Kaution verrechnen?
In vielen Fällen ja. Nach § 215 BGB schließt die Verjährung eine Aufrechnung nicht aus, wenn der Anspruch zu dem Zeitpunkt noch unverjährt war, als erstmals aufgerechnet werden konnte. Der Bundesgerichtshof hat das für die Mietkaution bestätigt. Eine Barkautionsabrede ist typischerweise so auszulegen, dass der Vermieter auch nach Ablauf der sechs Monate mit Schadensersatzansprüchen aufrechnen kann (BGH, Urteil vom 10.07.2024, VIII ZR 184/23). Im entschiedenen Fall war die Mieterin im November 2019 ausgezogen, abgerechnet wurde erst im Mai 2020. Über die Höhe der Schäden musste das Landgericht neu verhandeln.
Wie lässt sich die Verjährung im Mietrecht hemmen?
Verhandeln Vermieter und Mieter über einen Anspruch, ist die Verjährung gehemmt, bis eine Seite die Verhandlungen verweigert, frühestens drei Monate danach tritt sie ein (§ 203 BGB). Auch Klage, Mahnbescheid oder ein Antrag auf ein selbständiges Beweisverfahren hemmen die Verjährung im Mietrecht (§ 204 Abs. 1 Nr. 1, 3 und 7 BGB). Ein Anerkenntnis, etwa eine Abschlagszahlung, lässt sie neu beginnen (§ 212 BGB). Mehr dazu unter Unterbrechung der Verjährung.
Das Wichtigste in Kürze
- Ersatzansprüche des Vermieters wegen Schäden an der Wohnung verjähren in sechs Monaten ab Rückgabe (§ 548 Abs. 1 BGB).
- Aufwendungs- und Wegnahmeansprüche des Mieters verjähren sechs Monate nach Vertragsende (§ 548 Abs. 2 BGB).
- Miete, Nebenkosten und Kaution verjähren in drei Jahren ab Jahresende (§§ 195, 199 BGB).
- Mit verjährten Schadensersatzansprüchen darf der Vermieter in der Regel noch gegen die Kaution aufrechnen (§ 215 BGB, BGH VIII ZR 184/23).
- Der Anspruch auf Mangelbeseitigung verjährt während der Mietzeit nicht (BGH VIII ZR 104/09).
Häufige Fragen (11)
Welche Fristen gelten bei der Verjährung im Mietrecht?
Das hängt vom Anspruch ab. Schadensersatz des Vermieters wegen Veränderungen oder Verschlechterungen der Wohnung verjährt nach § 548 Abs. 1 BGB in sechs Monaten ab Rückgabe. Aufwendungsersatz des Mieters verjährt sechs Monate nach Vertragsende (Abs. 2). Für Mieten, Betriebskosten, Guthaben und die Kaution gilt die regelmäßige Frist von drei Jahren nach § 195 BGB, beginnend mit dem Ende des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist.
Gilt die kurze Verjährung von sechs Monaten auch für Mietschulden?
Nein. § 548 BGB erfasst nur Ersatzansprüche wegen Veränderungen oder Verschlechterungen der Mietsache. Rückständige Miete verjährt in drei Jahren nach § 195 BGB, die Frist beginnt mit dem Schluss des Jahres, in dem die Miete fällig war und der Vermieter davon wusste (§ 199 Abs. 1 BGB). Eine Miete, die im März 2026 fällig war, verjährt also mit Ablauf des 31.12.2029, wenn nichts die Verjährung hemmt.
Wann verjährt der Anspruch auf Rückzahlung der Kaution?
In drei Jahren nach § 195 BGB. Die Frist beginnt erst mit dem Schluss des Jahres, in dem der Rückzahlungsanspruch entstanden und fällig geworden ist (§ 199 Abs. 1 BGB), also nicht schon mit Abschluss des Mietvertrags. Die kurze Verjährung im Mietrecht nach § 548 BGB gilt dafür nicht. Rechnet der Vermieter mit Gegenforderungen auf, kann das nach § 215 BGB auch mit bereits verjährten Ansprüchen zulässig sein.
Ab wann läuft die Verjährung im Mietrecht nach dem Auszug?
Für den Vermieter ab dem Zeitpunkt, in dem er die Wohnung zurückerhält (§ 548 Abs. 1 Satz 2 BGB). In der Regel ist das die Rückgabe der Schlüssel bei der Übergabe. Für Deine eigenen Ansprüche auf Aufwendungsersatz kommt es dagegen auf das rechtliche Ende des Mietverhältnisses an (§ 548 Abs. 2 BGB). Beide Zeitpunkte können auseinanderfallen.
Verjähren Nachforderungen aus der Nebenkostenabrechnung?
Ja, in drei Jahren nach § 195 BGB. Vorher greift aber oft schon eine strengere Grenze: Der Vermieter muss nach § 556 Abs. 3 BGB spätestens zwölf Monate nach Ende des Abrechnungszeitraums abrechnen, sonst ist eine Nachforderung ausgeschlossen, es sei denn, er hat die Verspätung nicht zu vertreten. Deine Einwendungen gegen die Abrechnung musst Du innerhalb von zwölf Monaten nach Zugang mitteilen.
Kann der Vermieter nach sechs Monaten noch Schadensersatz von der Kaution abziehen?
Häufig ja. Der BGH hat am 10.07.2024 entschieden, dass eine Barkautionsabrede typischerweise so auszulegen ist, dass der Vermieter mit Schadensersatzansprüchen wegen Beschädigung der Mietsache auch nach Eintritt der Verjährung aufrechnen kann (VIII ZR 184/23). Grundlage ist § 215 BGB. Voraussetzung bleibt, dass der Schaden tatsächlich besteht und Du ihn zu vertreten hast. Darüber kann weiterhin gestritten werden.
Verjährt der Anspruch auf Beseitigung eines Mangels?
Nicht, solange das Mietverhältnis läuft. Der BGH hat mit Urteil vom 17.02.2010 entschieden, dass der Anspruch des Mieters auf Mangelbeseitigung während der Mietzeit unverjährbar ist (VIII ZR 104/09). Der Vermieter schuldet den vertragsgemäßen Zustand fortlaufend nach § 535 Abs. 1 Satz 2 BGB. Ansprüche auf Rückzahlung einer zu viel gezahlten Miete wegen Minderung unterliegen dagegen der Frist von drei Jahren.
Wie kann ich die Verjährung im Mietrecht hemmen?
Durch Verhandlungen, Klage oder ein gerichtliches Verfahren. Solange über den Anspruch verhandelt wird, ist die Verjährung nach § 203 BGB gehemmt, sie tritt frühestens drei Monate nach dem Ende der Verhandlungen ein. Klage, Mahnbescheid oder ein selbständiges Beweisverfahren hemmen sie ebenfalls (§ 204 Abs. 1 BGB). Ein bloßes Mahnschreiben genügt dafür nicht. Erkennt der Schuldner den Anspruch an, beginnt die Frist neu (§ 212 BGB).
Muss ich mich auf die Verjährung berufen?
Ja. Die Verjährung wirkt nicht automatisch, sondern gibt Dir nach § 214 Abs. 1 BGB das Recht, die Leistung zu verweigern. Im Prozess musst Du die Einrede der Verjährung ausdrücklich erheben, das Gericht prüft sie nicht von selbst. Hast Du auf eine verjährte Forderung schon gezahlt, kannst Du das Geld nach § 214 Abs. 2 BGB nicht zurückverlangen. Prüfe Fristen deshalb, bevor Du zahlst.
Gilt die Verjährung im Mietrecht nach § 548 BGB auch für Gewerbemiete?
Ja. § 548 BGB steht in den allgemeinen Vorschriften des Mietrechts und gilt damit für alle Mietverhältnisse, auch für Gewerberäume und Garagen. Die Sechsmonatsfrist für Ersatzansprüche des Vermieters beginnt auch dort mit der Rückgabe. Prüfe trotzdem Deinen Vertrag auf abweichende Vereinbarungen.
Verjähren Ansprüche wegen Schimmel oder Schäden während des laufenden Mietverhältnisses?
Schadensersatzansprüche des Vermieters wegen einer Verschlechterung der Wohnung verjähren auch dann nach § 548 Abs. 1 BGB in sechs Monaten, die Frist beginnt aber erst mit der Rückgabe der Mietsache. Während der Mietzeit läuft sie also nicht. Dein eigener Anspruch auf Beseitigung des Mangels verjährt während des Mietverhältnisses nicht (BGH VIII ZR 104/09), Minderungsbeträge kannst Du drei Jahre lang zurückfordern.
Quellen
Weitere Begriffe in Mietrecht
Kostenlose Fallprüfung
Schildere uns Deinen Fall. Wir prüfen kostenlos und unverbindlich, welche Möglichkeiten Du hast.