Gefälschter Bußgeldbescheid

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Kurz erklärt Ein gefälschter Bußgeldbescheid ist ein Schreiben, eine E-Mail oder SMS, die eine amtliche Geldbuße nur vortäuscht, um Geld oder Daten zu erbeuten. Echte Bescheide nennen nach § 66 OWiG Tat, Zeit, Ort und Beweismittel und werden nach § 51 OWiG zugestellt. Bist Du unsicher, frag vor jeder Zahlung direkt bei der genannten Behörde nach.

Person vor einem Geldautomaten, auf ihr Smartphone blickend, mit Banknoten in der Hand, in einer Situation mit Bezug zu einem Gefälschter Bußgeldbescheid
Inhalt 4 Abschnitte

Woran erkennst Du einen gefälschten Bußgeldbescheid?

Ein echter Bescheid muss nach § 66 OWiG Deine Personalien, die Tat mit Zeit und Ort, die angewendeten Vorschriften, die Beweismittel und die Geldbuße nennen. Dazu kommen Hinweise zum Einspruch und zur Zahlung. Die Einzelheiten erklärt der Beitrag zum Inhalt des Bußgeldbescheids.

Auch der Weg zu Dir ist geregelt. Nach § 51 OWiG wird der Bescheid nach Verwaltungszustellungsrecht zugestellt, etwa mit Postzustellungsurkunde. Eine Mail mit Bezahllink ist keine Zustellung. Vorher bekommst Du in der Regel Gelegenheit zur Äußerung, etwa per Anhörungsbogen (§ 55 OWiG).

Warnzeichen sind:

  • kein Aktenzeichen oder eines, das die Behörde nicht kennt
  • Zahlung nur per Link, QR-Code, Gutschein oder Kryptowährung
  • Fristen wie „heute bis 18 Uhr“ und Drohung mit Haft
  • ein Absender, der für Verkehrsverstöße nicht zuständig ist

Wer verschickt echte Bußgeldbescheide?

Zuständig sind die Behörden, die das jeweilige Land nach § 26 Abs. 1 StVG bestimmt, also kommunale oder zentrale Stellen der Länder und die Polizei. Die Anschrift findest Du über die Bußgeldstelle Deiner Stadt oder Deines Landes.

Das Kraftfahrt-Bundesamt verschickt keine Bußgeldbescheide für Verkehrsverstöße. Darauf weist es in der Pressemitteilung Nr. 07/2025 vom 10.02.2025 hin, ausgelöst durch Mails ohne Aktenzeichen mit der Länderkennung „.ru“. Rat des KBA: nicht zahlen, Link nicht öffnen.

Nicht jedes fremdsprachige Schreiben ist falsch. Bescheide aus EU-Staaten können echt sein und ab 70 Euro über das Bundesamt für Justiz vollstreckt werden. Mehr dazu unter Bußgeldbescheid aus dem Ausland.

Was tun, wenn Du unsicher bist oder schon bezahlt hast?

Klick keine Links an. Such die Nummer der genannten Behörde selbst über deren offizielle Website und frag mit dem Aktenzeichen nach. Kennt sie den Vorgang nicht, hast Du Gewissheit.

Hast Du schon gezahlt, ruf sofort Deine Bank an. Ob sich das Geld zurückholen lässt, hängt vom Zahlungsweg ab. Erstatte außerdem Anzeige: In Betracht kommen Betrug nach § 263 StGB und Urkundenfälschung nach § 267 StGB, jeweils mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe.

Umgekehrt wird ein echter Bescheid, den Du für einen Fake hältst, nach Ablauf der Einspruchsfrist von zwei Wochen ab Zustellung rechtskräftig (§ 67 Abs. 1 OWiG). Dann drohen Vollstreckung und im äußersten Fall Erzwingungshaft nach § 96 OWiG.

Fehlerhafter oder gefälschter Bußgeldbescheid: Wo liegt der Unterschied?

Ein gefälschter Bußgeldbescheid stammt nicht von einer Behörde und setzt keine Frist in Gang. Ein fehlerhafter Bescheid ist echt, enthält aber Mängel, etwa ein falsches Kennzeichen oder eine falsche Tatzeit. Ob ein Mangel den Bescheid unwirksam oder nur angreifbar macht, zeigt der Beitrag zu Formfehlern im Bußgeldbescheid. Gegen einen echten Bescheid hilft nur der schriftliche Einspruch binnen zwei Wochen, ein Anruf ersetzt ihn nicht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein echter Bußgeldbescheid enthält nach § 66 OWiG Tat, Zeit, Ort, Beweismittel und Geldbuße.
  • Bescheide werden nach § 51 OWiG förmlich zugestellt, eine E-Mail mit Bezahllink ist keine Zustellung.
  • Das KBA verschickt keine Bußgeldbescheide für Verkehrsverstöße (Pressemitteilung 07/2025).
  • Bei einem echten Bescheid läuft die Einspruchsfrist von zwei Wochen ab Zustellung (§ 67 OWiG), deshalb Zweifel schnell klären.
  • Betrug mit falschen Bescheiden ist nach §§ 263, 267 StGB strafbar und sollte angezeigt werden.

Häufige Fragen (11)

Verschickt das Kraftfahrt-Bundesamt Bußgeldbescheide?

Für Verkehrsverstöße nicht. Das KBA hat in seiner Pressemitteilung vom 10.02.2025 klargestellt, dass es für die Ahndung von Tempo-, Rotlicht- oder Handyverstößen nicht zuständig ist. Zuständig sind nach § 26 Abs. 1 StVG die Behörden, die das jeweilige Land bestimmt. Eine Mail mit KBA-Logo und Zahlungsaufforderung für einen Blitzerverstoß ist deshalb ein starkes Warnsignal. Zahl nicht und öffne keine Links.

Kommen Bußgeldbescheide auch per E-Mail?

Als einfache E-Mail mit Bezahllink nicht. Ein Bußgeldbescheid muss nach § 51 OWiG nach dem Verwaltungszustellungsrecht zugestellt werden, etwa mit Postzustellungsurkunde. Eine Mail ohne Aktenzeichen, die nur auf eine Bezahlseite führt, erfüllt das nicht. Erhältst Du eine Mail, gleich das Aktenzeichen über die offizielle Telefonnummer der Behörde ab.

Ist ein Bußgeldbescheid aus Italien oder den Niederlanden echt oder Fake?

Das lässt sich nur im Einzelfall sagen. Ausländische Behörden verschicken tatsächlich Bescheide nach Deutschland, oft mit deutscher Übersetzung. Geldsanktionen aus EU-Staaten ab 70 Euro kann das Bundesamt für Justiz hier vollstrecken lassen. Prüfe, ob Kennzeichen, Ort und Datum zu Deiner Reise passen. Zahle nur auf ein Konto, das die ausländische Behörde auf ihrer offiziellen Website nennt, nicht über einen Link aus einer Mail.

Was passiert, wenn ich einen gefälschten Bußgeldbescheid bezahlt habe?

Rechtlich hast Du nichts verwirkt, denn ein gefälschter Bußgeldbescheid begründet keine Zahlungspflicht. Das Geld ist aber zunächst beim Täter. Ruf sofort Deine Bank an und frag, ob die Zahlung gestoppt oder zurückgeholt werden kann. Erstatte außerdem Anzeige bei der Polizei und hebe Mail, Screenshots und Zahlungsbeleg auf.

Wo kann ich einen gefälschten Bußgeldbescheid melden?

Bei der Polizei, persönlich auf einer Dienststelle oder online, soweit Dein Bundesland eine Onlineanzeige anbietet. Gib dort die vollständige Mail oder den Brief samt Umschlag weiter. Zusätzlich lohnt ein Hinweis an die Behörde, deren Name missbraucht wurde, damit sie warnen kann. Das KBA etwa veröffentlicht solche Warnungen in seinen Pressemitteilungen. Lösch die Nachricht erst, wenn die Polizei sie gesichert hat.

Ich habe einen Bußgeldbescheid ohne Anhörung erhalten. Ist das ein gefälschter Bußgeldbescheid?

Nicht unbedingt. Nach § 55 OWiG genügt es, wenn Dir Gelegenheit zur Äußerung gegeben wurde. Ein Anhörungsbogen kann verloren gegangen oder an den Halter statt an Dich gegangen sein. Ein fehlender Anhörungsbogen ist also ein Anlass zur Prüfung, aber kein sicherer Beweis für eine Fälschung. Klär die Echtheit über die Behörde und behalte die Einspruchsfrist von zwei Wochen im Blick.

Wie prüfe ich bei einem gefälschten Bußgeldbescheid, ob das Aktenzeichen echt ist?

Am sichersten mit einem Anruf oder einer schriftlichen Anfrage bei der Behörde, die im Bescheid steht. Such Nummer oder Adresse selbst über die offizielle Website der Stadt, des Landes oder der Polizei. Verwende nie die Kontaktdaten aus dem verdächtigen Schreiben. Kennt die Behörde Aktenzeichen und Vorgang, ist der Bescheid echt und Du solltest die Fristen ernst nehmen.

Ist ein Strafzettel mit QR-Code unter dem Scheibenwischer echt?

Das kann sein, muss aber nicht. Verwarnungen bei Park- und Halteverstößen sind nach § 56 OWiG zulässig und werden oft am Fahrzeug hinterlassen. Gefälschte Zettel leiten über einen QR-Code auf nachgebaute Bezahlseiten. Gib die Adresse der Stadtverwaltung deshalb selbst ein und gleich Kassenzeichen und Bankverbindung dort ab, bevor Du zahlst.

Muss ich auf einen gefälschten Bußgeldbescheid reagieren?

Gegenüber den Tätern nicht, und Du solltest es auch nicht tun. Antworten bestätigen nur, dass Deine Adresse aktiv ist. Reagieren solltest Du aber gegenüber der echten Behörde, wenn Du Dir nicht ganz sicher bist. Stellt sich der Bescheid als echt heraus, läuft die Einspruchsfrist von zwei Wochen ab Zustellung. Ein Einspruch muss schriftlich oder zur Niederschrift bei der Behörde eingehen.

Kann ein Bußgeldbescheid mit falscher Hausnummer oder falschem Foto trotzdem echt sein?

Ja, auch echte Bescheide enthalten Fehler. Eine falsche Hausnummer, ein vertauschtes Fabrikat oder ein Foto, auf dem Du nicht zu erkennen bist, sprechen eher für einen fehlerhaften als für einen gefälschten Bescheid. Solche Mängel können ein Grund für den Einspruch sein. Ob sie den Bescheid unwirksam machen, hängt von Art und Gewicht des Fehlers ab und sollte im Einzelfall geprüft werden.

Wie wird das Fälschen eines Bußgeldbescheids bestraft?

Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe. Das gilt sowohl für Betrug nach § 263 Abs. 1 StGB als auch für Urkundenfälschung nach § 267 Abs. 1 StGB, bei beiden ist schon der Versuch strafbar. Handeln die Täter gewerbsmäßig oder als Bande, sehen beide Vorschriften in besonders schweren Fällen Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren vor.

Quellen

  1. § 66 OWiG Inhalt des Bußgeldbescheides
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026
  2. § 51 OWiG Allgemeine Verfahrensvorschriften (Zustellung)
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026
  3. § 263 StGB Betrug
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026
  4. § 267 StGB Urkundenfälschung
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026
  5. Bundesamt für Justiz: Fragen zur Vollstreckung von Geldsanktionen aus der EU
    BehördeBundesamt für Justiz · abgerufen am 27.10.2026

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