Lohn nicht gezahlt

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Kurz erklärt Lohn nicht gezahlt heißt: Der Arbeitgeber überweist das fällige Entgelt nicht, zu spät oder nur teilweise. Fällig ist der Lohn nach § 614 BGB nach Ablauf des Monats, wenn nichts anderes vereinbart ist; ab dann schuldet er ohne Mahnung Verzugszinsen. Der Anspruch verjährt nach §§ 195, 199 BGB in 3 Jahren, Ausschlussfristen können ihn früher abschneiden.

Arbeitnehmer am leeren Zeiterfassungsgerät in einer Fabrikhalle, der auf den ausbleibenden Lohn nicht gezahlt wartet
Inhalt 4 Abschnitte

Lohn nicht gezahlt: Ab wann zahlt der Arbeitgeber zu spät?

Ob Lohn nicht gezahlt ist, richtet sich nach dem Zahltag, den meist der Arbeitsvertrag oder ein Tarifvertrag festlegt. Fehlt eine Regel, ist der Lohn nach § 614 BGB nach Ablauf des jeweiligen Zeitabschnitts fällig, bei Monatslohn also am Monatsende. Für den Mindestlohn gilt nach § 2 Abs. 1 MiLoG eine äußerste Grenze: der letzte Bankarbeitstag des Folgemonats.

Weil der Termin nach dem Kalender bestimmt ist, gerät der Arbeitgeber nach § 286 Abs. 2 Nr. 1 BGB ohne Mahnung in Verzug. Dann schuldet er Verzugszinsen von fünf Prozentpunkten über dem Basiszinssatz (§ 288 Abs. 1 BGB). Die Pauschale von 40 Euro aus § 288 Abs. 5 BGB gibt es im Arbeitsverhältnis dagegen nicht (BAG, Urteil vom 25.09.2018, 8 AZR 26/18).

Lohn nicht gezahlt: Welche Fristen musst Du im Blick haben?

Die gesetzliche Verjährung beträgt drei Jahre und beginnt am Ende des Jahres, in dem der Lohn fällig wurde (§§ 195, 199 Abs. 1 BGB). Lohn für März 2026 verjährt also erst mit Ablauf des 31.12.2029, siehe Verjährung von Lohnansprüchen.

Gefährlicher sind Ausschlussfristen im Arbeits- oder Tarifvertrag. Sie können verlangen, Ansprüche binnen weniger Monate schriftlich geltend zu machen. Für den Mindestlohn sind sie nach § 3 MiLoG unwirksam. Eine vorformulierte Klausel, die den Mindestlohn nicht ausnimmt, ist bei Verträgen ab dem 01.01.2015 sogar insgesamt unwirksam (BAG, Urteil vom 18.09.2018, 9 AZR 162/18). Ob Deine Klausel wirkt, lohnt eine Prüfung im Einzelfall.

Wie bekommst Du das Geld?

Wenn Lohn nicht gezahlt wurde, steht am Anfang eine schriftliche Zahlungsaufforderung mit Betrag, Zeitraum und Frist. Sie wahrt zugleich die erste Stufe vieler Ausschlussfristen. Hilft das nicht, gibt es zwei Wege: das Mahnverfahren im Arbeitsrecht nach § 46a ArbGG oder die Zahlungsklage beim Arbeitsgericht. In der ersten Instanz trägt jede Seite ihre Anwaltskosten selbst (§ 12a Abs. 1 ArbGG), auch wenn sie gewinnt.

Ist der Arbeitgeber zahlungsunfähig, sichert das Insolvenzgeld die letzten drei Monate vor dem Insolvenzereignis (§ 165 SGB III). Der Antrag muss nach § 324 Abs. 3 SGB III innerhalb von zwei Monaten nach dem Insolvenzereignis bei der Agentur für Arbeit gestellt werden.

Darfst Du die Arbeit einstellen oder fristlos kündigen?

Bei einem Rückstand kannst Du Deine Arbeitsleistung nach § 273 BGB zurückhalten. Treu und Glauben setzen Grenzen: Bei einem geringen Betrag oder einer kurzen Verzögerung ist die Arbeitsverweigerung riskant, weil eine Abmahnung oder Kündigung folgen kann. Kündige das Zurückbehalten vorher schriftlich an.

Ein erheblicher Rückstand kann ein wichtiger Grund für eine fristlose Eigenkündigung nach § 626 BGB sein. Sie muss innerhalb von zwei Wochen ab Kenntnis der maßgebenden Tatsachen erklärt werden (§ 626 Abs. 2 BGB). Vorher sollten die Folgen für das Arbeitslosengeld geklärt sein. Den Lohn nicht zu zahlen ist allein keine Straftat; führt der Arbeitgeber aber die Sozialversicherungsbeiträge nicht ab, macht er sich nach § 266a Abs. 1 StGB strafbar, unabhängig davon, ob Lohn gezahlt wird.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ohne Vereinbarung ist Monatslohn nach § 614 BGB am Monatsende fällig; Mindestlohn spätestens am letzten Bankarbeitstag des Folgemonats (§ 2 MiLoG).
  • Ab Fälligkeit schuldet der Arbeitgeber ohne Mahnung Verzugszinsen von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz (§§ 286, 288 BGB).
  • Die 40-Euro-Pauschale des § 288 Abs. 5 BGB gibt es im Arbeitsrecht nicht (BAG 8 AZR 26/18).
  • Lohnansprüche verjähren in 3 Jahren ab Jahresende, Ausschlussfristen können sie früher abschneiden.
  • Insolvenzgeld deckt 3 Monate und muss binnen 2 Monaten nach dem Insolvenzereignis beantragt werden (§ 324 Abs. 3 SGB III).

Häufige Fragen (10)

Was tun, wenn der Lohn nicht gezahlt wird?

Prüfe bei Lohn nicht gezahlt zuerst im Vertrag, wann der Lohn fällig ist und ob eine Ausschlussfrist gilt. Fordere den Betrag dann schriftlich mit Frist an und bewahre einen Nachweis auf. Bleibt die Zahlung aus, kannst Du einen Mahnbescheid beim Arbeitsgericht beantragen oder klagen. Bei Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers kommt Insolvenzgeld in Betracht.

Wann ist der Lohn spätestens fällig?

Ohne Vereinbarung nach § 614 BGB nach Ablauf des Zeitabschnitts, also bei Monatslohn am Monatsende. Viele Verträge legen einen anderen Termin fest, etwa den 15. des Folgemonats. Für den Mindestlohn zieht § 2 Abs. 1 MiLoG eine Grenze: spätestens am letzten Bankarbeitstag in Frankfurt am Main des Monats, der auf die Arbeit folgt.

Stehen mir Verzugszinsen zu, wenn das Gehalt zu spät kommt?

Ja. Weil der Zahltag nach dem Kalender bestimmt ist, gerät der Arbeitgeber nach § 286 Abs. 2 Nr. 1 BGB ohne Mahnung in Verzug. Die Zinsen betragen nach § 288 Abs. 1 BGB fünf Prozentpunkte über dem Basiszinssatz. Die zusätzliche Pauschale von 40 Euro kannst Du dagegen nicht verlangen (BAG 8 AZR 26/18).

Muss ich weiterarbeiten, wenn der Lohn nicht gezahlt wird?

Nicht in jedem Fall. Nach § 273 BGB darfst Du die Arbeit zurückhalten, bis der fällige Lohn gezahlt ist. Das gilt aber nicht bei geringfügigen Beträgen oder kurzen Verzögerungen, weil Treu und Glauben Grenzen setzen. Kündige das Zurückbehaltungsrecht schriftlich an und nenne den offenen Betrag. Im Zweifel lass die Lage vorher prüfen, denn eine unberechtigte Arbeitsverweigerung kann zur Kündigung führen.

Ist es strafbar, wenn der Arbeitgeber den Lohn nicht zahlt?

Den Lohn schuldig zu bleiben ist für sich genommen keine Straftat, sondern ein zivilrechtlicher Anspruch, den Du vor dem Arbeitsgericht durchsetzt. Strafbar macht sich der Arbeitgeber aber nach § 266a Abs. 1 StGB, wenn er die Arbeitnehmerbeiträge zur Sozialversicherung nicht an die Krankenkasse abführt. Das gilt ausdrücklich auch dann, wenn gar kein Lohn gezahlt wird.

Wie lange kann ich einfordern, wenn Lohn nicht gezahlt wurde?

Gesetzlich drei Jahre, beginnend mit dem Schluss des Jahres der Fälligkeit (§§ 195, 199 BGB). Deutlich kürzer können Ausschlussfristen im Arbeits- oder Tarifvertrag sein, teils nur wenige Monate. Wer sie versäumt, verliert den Anspruch, soweit die Klausel wirksam ist. Beim Mindestlohn greifen sie nach § 3 MiLoG nicht.

Was passiert mit meinem Lohn, wenn der Arbeitgeber insolvent ist?

Für die letzten drei Monate vor dem Insolvenzereignis zahlt die Agentur für Arbeit Insolvenzgeld (§ 165 SGB III). Insolvenzereignis ist etwa die Eröffnung des Verfahrens oder die Abweisung mangels Masse. Den Antrag musst Du innerhalb von zwei Monaten danach stellen (§ 324 Abs. 3 SGB III). Ältere Rückstände sind im Insolvenzverfahren beim Verwalter anzumelden.

Kann ich fristlos kündigen, wenn Lohn nicht gezahlt wird?

Ein erheblicher Lohnrückstand kann ein wichtiger Grund nach § 626 BGB sein. Ob er reicht, hängt von Höhe und Dauer des Rückstands und vom bisherigen Verhalten des Arbeitgebers ab; eine vorherige Abmahnung ist der sichere Weg. Die Kündigung muss binnen zwei Wochen ab Kenntnis der Gründe erklärt werden. Kläre vorher, ob die Agentur für Arbeit eine Sperrzeit verhängen könnte.

Was kostet eine Lohnklage beim Arbeitsgericht?

Im ersten Rechtszug trägt jede Partei ihre Anwaltskosten selbst, auch der Gewinner (§ 12a Abs. 1 ArbGG). Gerichtskosten fallen erst am Ende an, ein Vorschuss wird in Arbeitssachen nicht verlangt (§ 11 GKG). Vor Gericht kannst Du Dich in der ersten Instanz auch selbst vertreten. Eine Rechtsschutzversicherung oder Prozesskostenhilfe kann die Kosten übernehmen.

Muss der Arbeitgeber mir eine Lohnabrechnung geben?

Ja. Nach § 108 Abs. 1 GewO steht Dir bei jeder Zahlung eine Abrechnung in Textform zu, mit Abrechnungszeitraum und Zusammensetzung des Entgelts, also Zuschlägen, Abzügen und Vorschüssen. Haben sich die Angaben gegenüber der letzten ordnungsgemäßen Abrechnung nicht geändert, entfällt die Pflicht (§ 108 Abs. 2 GewO). Die Abrechnung hilft Dir, den offenen Betrag genau zu beziffern.

Quellen

  1. § 614 BGB Fälligkeit der Vergütung
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026
  2. § 2 MiLoG Fälligkeit des Mindestlohns
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026
  3. § 288 BGB Verzugszinsen und sonstiger Verzugsschaden
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026
  4. BAG, Urteil vom 25.09.2018, 8 AZR 26/18 (keine Pauschale nach § 288 Abs. 5 BGB)
    UrteilBundesarbeitsgericht · abgerufen am 27.10.2026
  5. BAG, Urteil vom 18.09.2018, 9 AZR 162/18 (Verfallklausel ohne Mindestlohnausnahme)
    UrteilBundesarbeitsgericht · abgerufen am 27.10.2026
  6. § 165 SGB III Insolvenzgeld
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026

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