Verzugszinsen
Kurz erklärt Verzugszinsen sind der gesetzliche Mindestschaden, den ein Schuldner auf eine Geldschuld zahlt, solange er im Verzug ist. Geregelt sind sie in § 288 BGB: fünf Prozentpunkte über dem Basiszinssatz, ohne Verbraucherbeteiligung neun Prozentpunkte bei Entgeltforderungen. Seit dem 01.07.2026 liegt der Basiszinssatz bei 1,52 Prozent, der Verzugszins also bei 6,52 oder 10,52 Prozent.

Inhalt 4 Abschnitte
Ab wann bist Du im Verzug und schuldest Verzugszinsen?
Verzug setzt eine fällige Forderung und in der Regel eine Mahnung voraus (§ 286 Abs. 1 BGB). Für Verzugszinsen stehen Klage und Mahnbescheid der Mahnung gleich. Ohne Mahnung tritt Verzug ein, wenn ein Termin nach dem Kalender bestimmt ist, etwa „zahlbar bis 15.03.“, oder wenn der Schuldner endgültig verweigert (§ 286 Abs. 2 BGB). Wie eine Mahnung aussehen muss, erklärt Zahlungserinnerung und Mahnung.
Bei Rechnungen gilt zusätzlich die 30-Tage-Regel: Spätestens 30 Tage nach Fälligkeit und Zugang der Rechnung kommt der Schuldner in Verzug (§ 286 Abs. 3 BGB). Gegenüber Verbrauchern nur, wenn die Rechnung auf diese Folge besonders hinweist. Wer den Grund der Verzögerung nicht zu vertreten hat, kommt nicht in Verzug (§ 286 Abs. 4 BGB).
Wie hoch sind die Verzugszinsen 2026?
Der Basiszinssatz ändert sich zum 1. Januar und 1. Juli (§ 247 BGB). Laut Deutscher Bundesbank beträgt er seit 01.07.2026 1,52 Prozent, im ersten Halbjahr 2026 waren es 1,27 Prozent. Daraus folgen nach § 288 Abs. 1 und 2 BGB:
| Zeitraum | Mit Verbraucher | Entgeltforderung ohne Verbraucher |
|---|---|---|
| 01.01. bis 30.06.2026 | 6,27 % | 10,27 % |
| ab 01.07.2026 | 6,52 % | 10,52 % |
Gerechnet wird taggenau: Betrag mal Zinssatz mal Verzugstage geteilt durch 365. Zahlt eine Verbraucherin eine Coachingrechnung über 3.000 Euro im Herbst 2026 erst 60 Tage nach Verzugseintritt, sind das rund 32,15 Euro. Auf Verzugszinsen gibt es keine weiteren Zinsen (§ 289 BGB). Ob jemand als Verbraucher oder Unternehmer handelt, entscheidet über den Satz.
Was darf der Gläubiger neben den Verzugszinsen zusätzlich verlangen?
Neben den Zinsen kann der Gläubiger einen weiteren Verzugsschaden geltend machen, etwa Anwaltskosten für eine Mahnung nach Verzugseintritt (§ 288 Abs. 4 BGB). Ist der Schuldner kein Verbraucher, kommt eine Pauschale von 40 Euro hinzu, die auf Rechtsverfolgungskosten angerechnet wird (§ 288 Abs. 5 BGB). Bei Entgeltforderungen gegen Schuldner, die keine Verbraucher sind, lässt sich der Zinsanspruch vorab nicht ausschließen (§ 288 Abs. 6 Satz 1 und 4 BGB). Wie Forderungen über ein Inkassobüro laufen, zeigt Inkasso wegen Coachinggebühren.
Im Arbeitsrecht gilt eine Ausnahme: Die 40-Euro-Pauschale schließt § 12a ArbGG aus (BAG, Urteil vom 25.09.2018, 8 AZR 26/18). Zinsen auf verspäteten Lohn bleiben möglich, siehe Lohn nicht gezahlt. Beamte erhalten auf verspätete Bezüge im Bund keine Verzugszinsen (§ 3 Abs. 5 BBesG).
Wann musst Du keine Verzugszinsen zahlen?
Ohne wirksame Forderung gibt es keine Zinsen. Ist etwa ein Coachingvertrag wegen fehlender Zulassung nach dem FernUSG nichtig, entfällt mit dem Honorar auch der Zinsanspruch, siehe Nichtigkeit des Coachingvertrags. Gleiches gilt, wenn die Forderung noch nicht fällig war oder ein Verbraucher keinen Hinweis auf die 30-Tage-Frist bekommen hat.
Verjährt die Hauptforderung, verjähren die Zinsen mit (§ 217 BGB). Kommt ein Mahnbescheid mit hohen Zinsen, kannst Du binnen zwei Wochen widersprechen (Mahnbescheid widersprechen). Ab Rechtshängigkeit fallen Prozesszinsen in gleicher Höhe an (§ 291 BGB).
Das Wichtigste in Kürze
- Seit 01.07.2026 beträgt der Basiszinssatz 1,52 Prozent; Verzugszinsen liegen damit bei 6,52 Prozent oder, ohne Verbraucher, bei 10,52 Prozent (§§ 247, 288 BGB).
- Verzug setzt Fälligkeit und in der Regel eine Mahnung voraus; bei Rechnungen tritt er spätestens nach 30 Tagen ein, gegenüber Verbrauchern nur mit Hinweis (§ 286 BGB).
- Die 40-Euro-Pauschale gibt es nur gegen Schuldner, die keine Verbraucher sind, und nicht im Arbeitsrecht (§ 288 Abs. 5 BGB, BAG 8 AZR 26/18).
- Zinseszinsen sind ausgeschlossen (§ 289 BGB), und Zinsen verjähren mit der Hauptforderung (§ 217 BGB).
Häufige Fragen (11)
Wie berechnet man Verzugszinsen?
Mit der Formel Betrag mal Zinssatz mal Verzugstage geteilt durch 365. Der Zinssatz ergibt sich aus dem Basiszinssatz plus fünf oder neun Prozentpunkten (§ 288 BGB). Ändert sich der Basiszinssatz während des Verzugs zum 1. Januar oder 1. Juli, rechnest Du die Zeiträume getrennt. Beispiel: 1.000 Euro, 6,52 Prozent, 90 Tage ergeben rund 16,08 Euro.
Ab wann darf man Verzugszinsen verlangen?
Ab dem Tag nach Eintritt des Verzugs. Verzug beginnt mit dem Zugang einer Mahnung nach Fälligkeit, ohne Mahnung bei einem kalendermäßig bestimmten Zahlungstermin oder spätestens 30 Tage nach Fälligkeit und Zugang der Rechnung (§ 286 BGB). Bei Verbrauchern gilt die 30-Tage-Regel nur, wenn die Rechnung ausdrücklich darauf hinweist. Davor kann der Gläubiger keine Verzugszinsen fordern.
Wie hoch sind die gesetzlichen Verzugszinsen?
Fünf Prozentpunkte über dem Basiszinssatz, wenn ein Verbraucher beteiligt ist, und neun Prozentpunkte bei Entgeltforderungen zwischen Unternehmen (§ 288 Abs. 1 und 2 BGB). Mit dem Basiszinssatz von 1,52 Prozent seit 01.07.2026 sind das 6,52 und 10,52 Prozent im Jahr. Für Schadensersatzforderungen unter Unternehmen gilt der niedrigere Satz, weil § 288 Abs. 2 BGB nur Entgeltforderungen erfasst.
Muss ich Verzugszinsen ohne Mahnung zahlen?
Das kann sein. Eine Mahnung ist entbehrlich, wenn der Zahlungstermin nach dem Kalender bestimmt ist, Du die Zahlung ernsthaft verweigert hast oder besondere Gründe vorliegen (§ 286 Abs. 2 BGB). Bei einer Rechnung kommst Du außerdem nach 30 Tagen in Verzug; als Verbraucher aber nur, wenn die Rechnung auf diese Folge hingewiesen hat (§ 286 Abs. 3 BGB).
Was ist die 40-Euro-Verzugspauschale?
Ein pauschaler Schadensersatz, den ein Gläubiger nach § 288 Abs. 5 BGB verlangen kann, wenn ein Schuldner, der kein Verbraucher ist, mit einer Entgeltforderung in Verzug gerät. Das gilt auch für Raten und Abschläge. Die Pauschale wird auf Kosten der Rechtsverfolgung angerechnet, etwa auf Anwaltskosten für dieselbe Forderung. Verbraucher müssen sie nicht zahlen.
Bekomme ich Verzugszinsen, wenn mein Arbeitgeber das Gehalt zu spät zahlt?
Ja. Das Gehalt ist nach Ablauf des vereinbarten Zeitabschnitts fällig (§ 614 BGB), meist steht der Zahltag im Vertrag oder Tarifvertrag, sodass keine Mahnung nötig ist (§ 286 Abs. 2 Nr. 1 BGB). Du kannst dann Verzugszinsen von fünf Prozentpunkten über dem Basiszinssatz verlangen. Die 40-Euro-Pauschale steht Dir nach BAG 8 AZR 26/18 nicht zu.
Kann ein Coach im Vertrag höhere Verzugszinsen vereinbaren?
Höhere Zinsen aus einem anderen Rechtsgrund bleiben nach § 288 Abs. 3 BGB möglich, etwa aus einer ausdrücklichen Vereinbarung. In vorformulierten Verträgen mit Verbrauchern unterliegen solche Klauseln aber der AGB-Kontrolle nach §§ 307 ff. BGB. Ob eine Zinsklausel wirksam ist, hängt von Höhe, Formulierung und Transparenz ab und lässt sich nur am konkreten Vertrag beurteilen.
Verjähren Verzugszinsen?
Ja. Für Zinsen gilt wie für die Hauptforderung in der Regel die dreijährige Frist des § 195 BGB, die mit dem Ende des Jahres beginnt, in dem der Anspruch entstanden ist und der Gläubiger davon wusste. Verjährt die Hauptforderung, verjähren nach § 217 BGB auch die davon abhängigen Zinsen, selbst wenn deren eigene Frist noch nicht abgelaufen wäre.
Was sind Prozesszinsen?
Zinsen, die ab Rechtshängigkeit einer Klage geschuldet sind, auch wenn kein Verzug vorlag (§ 291 BGB). Rechtshängig wird eine Klage mit Zustellung an den Beklagten. Die Höhe entspricht den Verzugszinsen nach § 288 Abs. 1 und 2 BGB. Wer vorher schon im Verzug war, zahlt durchgehend Verzugszinsen; die Prozesszinsen sichern vor allem Fälle ohne vorherige Mahnung ab.
Kann der Basiszinssatz negativ sein?
Ja, das war von Januar 2013 bis Ende 2022 der Fall. Nach der Tabelle der Bundesbank lag er vom 01.07.2016 bis 31.12.2022 bei minus 0,88 Prozent. Die Verzugszinsen sanken dadurch, blieben aber positiv: fünf Prozentpunkte über minus 0,88 Prozent ergeben 4,12 Prozent. Für alte Forderungen aus dieser Zeit musst Du mit dem damals geltenden Satz rechnen.
Gibt es Verzugszinsen bei verspäteter Besoldung?
Im Bund nicht. § 3 Abs. 5 BBesG schließt Verzugszinsen aus, wenn Bezüge nach dem Fälligkeitstag gezahlt werden. Für Landesbeamte gelten die Besoldungsgesetze der Länder, die eigene Regeln enthalten können. Prozesszinsen nach Klageerhebung sind davon zu unterscheiden; ob sie anfallen, hängt vom jeweiligen Besoldungsrecht und vom Verfahren ab.
Quellen
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