Grillen auf dem Balkon

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Kurz erklärt Ob Grillen auf dem Balkon erlaubt ist, regelt kein eigenes Gesetz. Maßgeblich sind Mietvertrag und Hausordnung, sonst das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme unter Hausbewohnern. Rauch müssen Nachbarn nach dem Maßstab des § 906 BGB hinnehmen, wenn er sie nur unwesentlich stört. Ein wirksames Verbot kann der Vermieter nach Abmahnung per Unterlassungsklage durchsetzen (§ 541 BGB).

Grillen auf dem Balkon: Mieter grillt auf dem Balkon einer Stadtwohnung, Rauch steigt auf, während Nachbarn auf dem gegenüberliegenden Balkon sitzen, ein Fall v
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Ist Grillen auf dem Balkon in einer Mietwohnung erlaubt?

Ein allgemeines gesetzliches Grillverbot für Balkone gibt es im Mietrecht nicht. Der Balkon gehört zur Mietsache, und Du darfst ihn im Rahmen des vertragsgemäßen Gebrauchs nutzen (§ 535 Abs. 1 BGB). Was dazugehört, bestimmt zuerst Dein Mietvertrag. Viele Verträge binden eine Hausordnung ein, die das Grillen ganz verbieten oder etwa auf Elektrogrills beschränken kann. Ein solches vertragliches Verbot für das Grillen auf dem Balkon musst Du beachten.

Fehlt eine Regel, entscheidet die Rücksichtnahme. Der Bundesgerichtshof hat das für Rauch vom Nachbarbalkon so formuliert: Ohne verbindliche Hausordnung bestimmen sich die Grenzen des zulässigen Gebrauchs nach dem Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme (BGH, Urteil vom 16.01.2015, V ZR 110/14, dort zu Tabakrauch, mit Verweis auf eine Entscheidung zu Grillrauch). Gelegentliches Grillen auf dem Balkon mit wenig Rauch ist danach anders zu bewerten als ein dauerhaft verqualmter Hof.

In einer Eigentumsanlage können die Eigentümer eine Hausordnung beschließen (§ 19 Abs. 2 Nr. 1 WEG). Für Dich als Mieter zählt in erster Linie, was Dein Mietvertrag einbezieht.

Was dürfen Nachbarn gegen Grillrauch verlangen?

Störender Rauch ist ein Eingriff in den Besitz der Nachbarn. Der Bundesgerichtshof wendet dafür den Maßstab des § 906 BGB an: Unwesentliche Einwirkungen muss der Nachbar hinnehmen, wesentliche nicht ohne Weiteres. Auch bei wesentlicher Störung führt die Rücksichtnahme oft nur zu einer Gebrauchsregelung mit Zeiten, in denen der eine seinen Balkon rauchfrei nutzen kann und der andere grillen oder rauchen darf (BGH, V ZR 110/14).

Hinzu kommt der Lärm. Wer bei einer Grillfeier ohne berechtigten Anlass in vermeidbarem Ausmaß Lärm macht, der die Nachbarschaft erheblich belästigt, handelt ordnungswidrig. Die Geldbuße kann nach § 117 OWiG bis zu 5.000 Euro betragen. Mehr dazu unter Lärm durch Nachbarn.

Als Gestörter wendest Du Dich am besten zuerst an den Vermieter. Er muss Dir den vertragsgemäßen Gebrauch Deiner eigenen Wohnung gewähren.

Welche Folgen hat ein Verstoß gegen das Grillverbot beim Grillen auf dem Balkon?

Grillt ein Mieter trotz wirksamen Verbots, folgt meist zuerst eine Abmahnung des Mieters. Setzt er den vertragswidrigen Gebrauch danach fort, kann der Vermieter auf Unterlassung klagen (§ 541 BGB).

Eine Kündigung ist die Ausnahme. Für eine fristlose Kündigung des Mietvertrags muss der Mieter den Hausfrieden nachhaltig stören, sodass dem Vermieter die Fortsetzung nicht zuzumuten ist (§ 569 Abs. 2 BGB). Weil es um eine Pflichtverletzung geht, ist vorher in der Regel eine Abmahnung oder Abhilfefrist nötig (§ 543 Abs. 3 BGB). Ein einzelner Grillabend reicht dafür kaum, wiederholte Verstöße nach Abmahnung können es. Zu den Grenzen siehe Kündigung wegen Störung des Hausfriedens.

Macht es beim Grillen auf dem Balkon einen Unterschied, ob mit Holzkohle, Gas oder Strom gegrillt wird?

Das Gesetz unterscheidet nicht nach der Grillart. Entscheidend sind zwei Punkte. Erstens der Wortlaut der Hausordnung: Verbietet sie offenes Feuer, ist ein Elektrogrill oft nicht erfasst, verbietet sie das Grillen insgesamt, gilt das für jedes Gerät. Zweitens die Rauchmenge, denn sie bestimmt, ob die Einwirkung auf die Nachbarn wesentlich ist. Holzkohle qualmt in der Regel stärker als ein Elektrogrill, was die Abwägung nach § 906 BGB beeinflussen kann.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein allgemeines gesetzliches Grillverbot für Balkone gibt es nicht; Mietvertrag und Hausordnung entscheiden.
  • Ohne Regelung gilt das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme, Maßstab für Rauch ist § 906 BGB (BGH, 16.01.2015, V ZR 110/14).
  • Bei fortgesetztem Verstoß nach Abmahnung kann der Vermieter auf Unterlassung klagen (§ 541 BGB).
  • Eine fristlose Kündigung setzt eine nachhaltige Störung des Hausfriedens voraus und in der Regel eine vorherige Abmahnung (§§ 569 Abs. 2, 543 Abs. 3 BGB).
  • Lärm bei Grillfeiern kann nach § 117 OWiG mit bis zu 5.000 Euro geahndet werden.

Häufige Fragen (11)

Darf der Vermieter das Grillen auf dem Balkon verbieten?

Das kann er, wenn das Verbot im Mietvertrag steht oder in einer Hausordnung, die wirksam Vertragsbestandteil ist. Eine Hausordnung, die der Vermieter erst nachträglich einseitig aufstellt, kann den vereinbarten Gebrauch nicht ohne Weiteres einschränken, denn Vertragsänderungen brauchen eine Vereinbarung (§ 311 Abs. 1 BGB). Ob eine Klausel wirksam ist, hängt vom Wortlaut und davon ab, wie sie in den Vertrag gekommen ist.

Ist Grillen auf dem Balkon in Deutschland verboten?

Ein bundesweites Verbot gibt es nicht. Weder das BGB noch ein anderes Gesetz untersagt das Grillen auf dem Balkon allgemein. Verbote ergeben sich aus dem Mietvertrag, einer Hausordnung oder einem Beschluss der Wohnungseigentümer. Fehlt so eine Regel, bleibt das Grillen auf dem Balkon erlaubt, solange Du Nachbarn nicht wesentlich durch Rauch oder Lärm beeinträchtigst.

Wie oft ist Grillen auf dem Balkon erlaubt?

Eine gesetzliche Höchstzahl gibt es nicht. Ohne Regel im Mietvertrag kommt es auf die Rücksichtnahme an: Wie stark ist der Rauch, wie nah sind die Nachbarn, zu welcher Zeit wird gegrillt? Eine feste Zahl, die bundesweit gilt, gibt es nicht. Gelegentliches Grillen ist eher hinzunehmen als tägliche Rauchentwicklung.

Ist Grillen auf dem Balkon mit Holzkohle erlaubt?

Erlaubt ist das, solange Mietvertrag und Hausordnung nichts anderes bestimmen. Holzkohle erzeugt meist mehr Rauch als ein Gas- oder Elektrogrill. Damit steigt das Risiko, dass die Einwirkung auf die Nachbarn wesentlich wird und sie Abhilfe verlangen können. Verbietet die Hausordnung offenes Feuer, ist der Holzkohlegrill in aller Regel ausgeschlossen.

Darf man auf dem Balkon mit einem Elektrogrill grillen?

Meist ja, wenn kein generelles Grillverbot besteht. Ein Elektrogrill erzeugt kein offenes Feuer und weniger Rauch, deshalb fällt er nicht unter Klauseln, die nur offenes Feuer oder Holzkohle verbieten. Untersagt die Hausordnung das Grillen insgesamt, gilt das Verbot auch für ihn. Gerüche vom Grillgut können trotzdem stören, wenn sie die Nachbarn wesentlich beeinträchtigen.

Darf man auf dem Balkon mit einem Gasgrill grillen?

Das Mietrecht behandelt den Gasgrill nicht gesondert. Es kommt auf Mietvertrag und Hausordnung an, die etwa offenes Feuer oder Gasflaschen auf Balkonen untersagen können. Ohne solche Regel gilt auch hier die Rücksichtnahme auf die Nachbarn. Bei der Lagerung von Gasflaschen solltest Du die Sicherheitshinweise des Herstellers beachten.

Darf man nachts oder sonntags auf dem Balkon grillen?

Ein eigenes Grillverbot für Nacht oder Sonntag gibt es nicht. Zu solchen Zeiten wird aber Lärm schnell zum Problem: Wer ohne berechtigten Anlass vermeidbaren Lärm macht, der die Nachbarschaft erheblich belästigt, handelt nach § 117 OWiG ordnungswidrig. Viele Hausordnungen legen außerdem Ruhezeiten fest, die Du als Mieter einhalten musst.

Was kann ich gegen den Grillrauch meines Nachbarn tun?

Sprich zuerst mit dem Nachbarn und wende Dich dann an Deinen Vermieter, der Dir den ungestörten Gebrauch Deiner Wohnung schuldet. Bei wesentlicher Beeinträchtigung kommt nach der Rechtsprechung des BGH ein Unterlassungsanspruch in Betracht, der oft zu festen Zeiten für beide Seiten führt (V ZR 110/14). Notiere Datum, Uhrzeit und Dauer der Belästigung.

Kann mir wegen Grillens auf dem Balkon gekündigt werden?

Nur in seltenen Fällen. Für eine fristlose Kündigung muss der Hausfrieden nachhaltig gestört sein (§ 569 Abs. 2 BGB), und in der Regel muss der Vermieter vorher abmahnen (§ 543 Abs. 3 BGB). Häufiger ist die Unterlassungsklage nach § 541 BGB. Wer trotz Abmahnung immer wieder gegen ein wirksames Verbot verstößt, riskiert aber mehr als einen Streit mit den Nachbarn.

Gilt ein Grillverbot auch in einer Eigentumswohnung?

Die Wohnungseigentümer können die Benutzung durch Vereinbarung oder Beschluss regeln, etwa in einer Hausordnung nach § 19 Abs. 2 Nr. 1 WEG. Ein solcher Beschluss bindet die Eigentümer. Vermietest Du Deine Wohnung, solltest Du die Hausordnung in den Mietvertrag übernehmen, damit sie auch gegenüber Deinem Mieter wirkt.

Muss ich das Grillen vorher bei den Nachbarn ankündigen?

Eine gesetzliche Pflicht zur Ankündigung gibt es nicht. Manche Hausordnungen verlangen sie, dann gilt sie für Dich als Mieter. Unabhängig davon hilft eine kurze Vorwarnung im Haus, Streit zu vermeiden: Nachbarn können Fenster schließen oder Wäsche abnehmen. Das kann im Streitfall für Deine Rücksichtnahme sprechen.

Quellen

  1. § 541 BGB Unterlassungsklage bei vertragswidrigem Gebrauch
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026
  2. § 906 BGB Zuführung unwägbarer Stoffe
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026
  3. § 569 BGB Außerordentliche fristlose Kündigung aus wichtigem Grund (Abs. 2 Hausfrieden)
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026
  4. § 117 OWiG Unzulässiger Lärm
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026
  5. § 19 WEG Regelung der Verwaltung und Benutzung durch Beschluss
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026

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