Geschwindigkeitsüberschreitung außerorts

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Kurz erklärt Eine Geschwindigkeitsüberschreitung außerorts liegt vor, wenn Du außerhalb geschlossener Ortschaften schneller fährst als erlaubt, mit dem Pkw ohne Schild also über 100 km/h. Das Tempolimit steht in § 3 Abs. 3 Nr. 2 StVO. Nach dem Bußgeldkatalog gibt es ab 21 km/h einen Punkt in Flensburg und ab 41 km/h zusätzlich ein Fahrverbot.

Deutsches Auto rast auf einer Landstraße an einem Blitzer vorbei, eine mögliche Geschwindigkeitsüberschreitung außerorts
Inhalt 4 Abschnitte

Welches Tempolimit gilt außerorts ohne Schild?

Für Pkw und andere Kraftfahrzeuge bis 3,5 t sind außerhalb geschlossener Ortschaften 100 km/h erlaubt. So steht es in § 3 Abs. 3 Nr. 2 Buchst. c StVO. Mit Anhänger oder im Bus gelten 80 km/h, über 7,5 t nur 60 km/h.

Die 100 km/h gelten nicht überall außerorts. Auf Straßen mit baulich getrennten Richtungsfahrbahnen oder mit zwei markierten Fahrstreifen je Richtung gibt es keine allgemeine Höchstgeschwindigkeit, dort greift wie bei der Geschwindigkeitsüberschreitung auf der Autobahn nur die Richtgeschwindigkeit. Ein Schild geht immer vor, siehe Geschwindigkeitsbegrenzung durch Verkehrszeichen.

Was kostet eine Geschwindigkeitsüberschreitung außerorts?

Maßgeblich ist Tabelle 1 c im Anhang der BKatV, Spalte „außerhalb“ (Stand: Oktober 2026), nach Abzug der Toleranz.

Überschreitung außerortsRegelsatzPunkteFahrverbotLfd. Nr.
bis 10 km/h20 Euro0nein11.3.1
11 bis 15 km/h40 Euro0nein11.3.2
16 bis 20 km/h60 Euro0nein11.3.3
21 bis 25 km/h100 Euro1nein11.3.4
26 bis 30 km/h150 Euro1nein11.3.5
31 bis 40 km/h200 Euro1nein11.3.6
41 bis 50 km/h320 Euro21 Monat11.3.7
51 bis 60 km/h480 Euro21 Monat11.3.8
61 bis 70 km/h600 Euro22 Monate11.3.9
über 70 km/h700 Euro23 Monate11.3.10

Die Punkte folgen aus Anlage 13 zu § 40 FeV. Ab einem Regelsatz über 55 Euro ergeht ein Bußgeldbescheid, plus mindestens 25 Euro Gebühr und 3,50 Euro Auslagen (§ 107 OWiG).

Droht auch unter 41 km/h ein Fahrverbot?

Ja, in zwei Konstellationen. Nach § 4 Abs. 2 Satz 2 BKatV kommt in der Regel ein Monat Fahrverbot in Betracht, wenn Du binnen eines Jahres nach Rechtskraft eines Bußgeldbescheids erneut mindestens 26 km/h zu schnell fährst. Außerdem erlaubt § 25 Abs. 1 Satz 1 StVG ein Fahrverbot auch außerhalb der Regelfälle, wenn die Umstände eine grobe Pflichtverletzung zeigen. Unabhängig davon verdoppelt sich bei Vorsatz bei der Geschwindigkeitsüberschreitung jeder Regelsatz über 55 Euro (§ 3 Abs. 4a BKatV).

Für Fahranfänger zählt eine Geschwindigkeitsüberschreitung außerorts nach Anlage 12 FeV als schwerwiegende Zuwiderhandlung, sobald sie ins Fahreignungsregister kommt. Außerorts ist das ab 21 km/h der Fall. Folge sind ein Aufbauseminar (§ 2a Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 StVG) und zwei Jahre längere Probezeit (§ 2a Abs. 2a StVG), mehr dazu unter geblitzt in der Probezeit. Wer beruflich fährt, riskiert bei einem Fahrverbot im Einzelfall sogar eine Kündigung wegen Verlust des Führerscheins.

Lohnt sich der Einspruch bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung außerorts?

Für den Einspruch gegen den Bußgeldbescheid bleiben zwei Wochen ab Zustellung (§ 67 Abs. 1 OWiG). Das Bundesverfassungsgericht hat am 12.11.2020 (2 BvR 1616/18) entschieden, dass Du grundsätzlich auch Messdaten einsehen darfst, die nicht in der Akte liegen. Ob ein Gerät Rohmessdaten speichern muss, hat es dagegen nicht entschieden: Die Beschwerde eines außerorts mit 22 km/h Geblitzten nahm es am 20.06.2023 nicht an, weil sie nicht hinreichend begründet war (2 BvR 1167/20).

Prüfenswert bleiben Eichung, Messprotokoll und Beschilderung, siehe Messfehler beim Blitzer. Die Verfolgungsverjährung beträgt nach § 26 Abs. 3 StVG sechs Monate, wird aber etwa durch die Anhörung unterbrochen (§ 33 OWiG).

Das Wichtigste in Kürze

  • Außerorts gelten für Pkw ohne Schild 100 km/h (§ 3 Abs. 3 Nr. 2 Buchst. c StVO); auf Straßen mit getrennten Fahrbahnen oder zwei Fahrstreifen je Richtung gilt kein allgemeines Limit.
  • Laut Anhang BKatV, Tabelle 1 c, kosten 21 km/h zu viel außerorts 100 Euro und einen Punkt (Stand: Oktober 2026).
  • Ein Regelfahrverbot gibt es außerorts ab 41 km/h, bei Wiederholung mit mindestens 26 km/h binnen eines Jahres auch darunter (§ 4 Abs. 2 BKatV).
  • Für den Einspruch bleiben zwei Wochen (§ 67 OWiG); die Verfolgung verjährt nach § 26 Abs. 3 StVG in sechs Monaten, sofern die Frist nicht unterbrochen wird.

Häufige Fragen (11)

Ab wie viel km/h wird man außerorts geblitzt?

Eine feste Auslöseschwelle legt kein Gesetz fest. Jede Geschwindigkeitsüberschreitung außerorts ist eine Ordnungswidrigkeit, ab welchem Wert die Behörde ihr Gerät einstellt, liegt in ihrem Ermessen (§ 47 OWiG). Vom Messwert zieht sie vorher einen Toleranzabzug ab. Einen festen Freibetrag, auf den Du Dich verlassen kannst, gibt es darüber hinaus nicht, schon 1 km/h zu viel kann ein Verwarnungsgeld kosten.

Was kostet eine Geschwindigkeitsüberschreitung außerorts von 20 km/h?

Bei 16 bis 20 km/h sieht lfd. Nr. 11.3.3 der BKatV 60 Euro vor, ohne Punkt und ohne Fahrverbot (Stand: Oktober 2026). Weil der Betrag über 55 Euro liegt, kommt ein Bußgeldbescheid statt einer Verwarnung. Mit 25 Euro Gebühr und 3,50 Euro Auslagen nach § 107 OWiG zahlst Du insgesamt 88,50 Euro.

Ab wann gibt es einen Punkt für die Geschwindigkeitsüberschreitung außerorts?

Ab 21 km/h. Anlage 13 zu § 40 FeV bewertet die lfd. Nr. 11.3.4 bis 11.3.6 außerorts mit einem Punkt, also Überschreitungen von 21 bis 40 km/h. Ab 41 km/h, wenn zugleich ein Fahrverbot droht, sind es zwei Punkte. Bis 20 km/h bleibt das Punktekonto unberührt.

Ab wann ist der Führerschein bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung außerorts weg?

Ein Regelfahrverbot von einem Monat gibt es außerorts ab 41 km/h zu viel, ab 61 km/h sind es zwei und über 70 km/h drei Monate (Anhang BKatV, Stand: Oktober 2026). Das ist ein Fahrverbot, kein Entzug der Fahrerlaubnis: Nach Ablauf bekommst Du den Führerschein zurück. Bei Wiederholung kann ein Fahrverbot schon ab 26 km/h drohen.

Was kostet 30 km/h zu schnell außerorts?

Für 26 bis 30 km/h nennt lfd. Nr. 11.3.5 der BKatV 150 Euro und einen Punkt, ein Fahrverbot sieht der Katalog nicht vor. Hinzu kommen Gebühr und Auslagen von zusammen 28,50 Euro. Achtung bei Wiederholung: Bist Du binnen eines Jahres nach einem rechtskräftigen Bescheid erneut mindestens 26 km/h zu schnell, droht nach § 4 Abs. 2 BKatV in der Regel ein Monat Fahrverbot.

Was passiert bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung außerorts in der Probezeit?

Bis 20 km/h bleibt es beim Bußgeld. Ab 21 km/h wird die Geschwindigkeitsüberschreitung außerorts im Fahreignungsregister gespeichert und gilt nach Anlage 12 FeV als schwerwiegende Zuwiderhandlung. Die Fahrerlaubnisbehörde ordnet dann ein Aufbauseminar an, und die Probezeit verlängert sich um zwei Jahre (§ 2a Abs. 2 StVG). Ein weiterer schwerer Verstoß nach dem Seminar führt zu einer schriftlichen Verwarnung (§ 2a Abs. 2 Nr. 2 StVG).

Wie viel Toleranz wird außerorts abgezogen?

Der Abzug hängt vom Messverfahren ab, nicht von der Straße. Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt nennt für Messgeräte Verkehrsfehlergrenzen von 3 km/h bis 100 km/h und 3 Prozent darüber. Bei 130 km/h Messwert bleiben also rund 126 km/h als vorwerfbare Geschwindigkeit. Andere Verfahren, etwa Nachfahren mit dem Polizeiwagen, arbeiten mit höheren Abzügen.

Muss man den Anhörungsbogen nach einem Blitzer außerorts ausfüllen?

Angaben zur Person musst Du machen, zur Sache darfst Du als Betroffener schweigen. Bist Du nicht gefahren und ist der Fahrer ein naher Angehöriger, darfst Du seinen Namen verschweigen (§ 52 StPO in Verbindung mit § 46 Abs. 1 OWiG). Die Anhörung unterbricht die Verjährung nach § 33 OWiG auch dann, wenn Du nicht antwortest. Ein vorschnelles Geständnis lässt sich später kaum zurücknehmen.

Gilt außerorts für Motorräder dieselbe Strafe?

Für Motorräder gilt dieselbe Tabelle 1 c im Anhang der BKatV wie für Pkw. Beträge, Punkte und Fahrverbote sind also identisch. Strengere Regelsätze gelten nur für schwere Lkw, Busse, Gefahrguttransporte und Gespanne in den Tabellen 1 a und 1 b. Auch das Tempolimit von 100 km/h nach § 3 Abs. 3 StVO gilt für Motorräder ohne Anhänger gleichermaßen.

Kann man ein Fahrverbot wegen zu schnellen Fahrens außerorts umgehen?

Einen Anspruch darauf hast Du nicht. Behörde oder Gericht können nach § 4 Abs. 4 BKatV in Ausnahmefällen vom Regelfahrverbot absehen und die Geldbuße dafür angemessen erhöhen. Das setzt besondere Umstände voraus, etwa eine konkret belegte Gefahr für Job oder Existenz. Ob das gelingt, entscheidet sich meist erst in der Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht.

Wie lange dauert es, bis nach dem Blitzer außerorts Post kommt?

Eine gesetzliche Frist für den ersten Brief gibt es nicht. Die Grenze setzt die Verfolgungsverjährung: Sie beträgt nach § 26 Abs. 3 StVG sechs Monate ab der Tat. Schickt die Behörde vorher einen Anhörungsbogen, unterbricht das die Verjährung nach § 33 OWiG und die Frist beginnt neu. Kommt innerhalb von sechs Monaten gar nichts, kann die Geschwindigkeitsüberschreitung außerorts verjährt sein.

Quellen

  1. Anhang zur BKatV, Tabelle 1 c (Geschwindigkeit)
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026
  2. § 3 StVO Geschwindigkeit
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026
  3. Anlage 13 zu § 40 FeV (Punktebewertung)
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026
  4. § 4 BKatV Regelfahrverbot
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026
  5. BVerfG, Beschluss vom 20.06.2023, 2 BvR 1167/20 (Rohmessdaten)
    UrteilBundesverfassungsgericht · abgerufen am 27.10.2026
  6. PTB Referenzanlagen (Verkehrsfehlergrenzen)
    BehördePhysikalisch-Technische Bundesanstalt · abgerufen am 27.10.2026

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