Entgeltumwandlung
Kurz erklärt Bei der Entgeltumwandlung lässt Du einen Teil Deines künftigen Bruttogehalts in eine Betriebsrente einzahlen. Der Anspruch steht in § 1a BetrAVG und reicht bis 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung, 2026 also 4.056 Euro im Jahr. Spart der Arbeitgeber dadurch Sozialabgaben, muss er in der Regel 15 Prozent des umgewandelten Betrags zuschießen.

Inhalt 4 Abschnitte
Was ist Entgeltumwandlung und wer hat einen Anspruch darauf?
Künftiges Gehalt wird in eine wertgleiche Anwartschaft auf Versorgungsleistungen umgewandelt (§ 1 Abs. 2 Nr. 3 BetrAVG). Das ist eine Form der betrieblichen Altersversorgung. Der Anspruch reicht nach § 1a Abs. 1 BetrAVG bis 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze, 2026 bis 4.056 Euro im Jahr (Grenze 101.400 Euro, § 4 SVBezGrV 2026). Bei der Entgeltumwandlung sind mindestens rund 297 Euro jährlich umzuwandeln.
Den Anspruch haben nur Beschäftigte, die beim Arbeitgeber rentenversicherungspflichtig sind (§ 17 Abs. 1 Satz 3 BetrAVG); Beamte sichert die Beamtenversorgung ab. Beruht Dein Gehalt auf einem Tarifvertrag, geht die Umwandlung nur, soweit er sie erlaubt (§ 20 Abs. 1 BetrAVG).
Wie viel Entgeltumwandlung ist 2026 steuer- und beitragsfrei?
Steuerfrei sind Beiträge an Pensionsfonds, Pensionskasse oder Direktversicherung bis 8 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze, 2026 also 8.112 Euro (§ 3 Nr. 63 EStG). Sozialversicherungsfrei sind nur 4 Prozent, 4.056 Euro (§ 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 9 SvEV). Was beitragsfrei bleibt, erhöht Deine gesetzliche Rente nicht (§ 70 Abs. 1 SGB VI); das zeigt Dir auch die Lohnabrechnung.
Die spätere Betriebsrente aus Entgeltumwandlung ist in der Regel voll steuerpflichtig (§ 22 Nr. 5 EStG). Gesetzlich Versicherte zahlen darauf Kranken- und Pflegebeiträge; in der Krankenversicherung bleiben 2026 monatlich 197,75 Euro frei (§ 226 Abs. 2 SGB V).
Muss der Arbeitgeber bei der Entgeltumwandlung etwas dazuzahlen?
In der Regel ja. Er muss 15 Prozent des umgewandelten Betrags zusätzlich weiterleiten, soweit er Sozialbeiträge spart (§ 1a Abs. 1a BetrAVG). Bei einer Entgeltumwandlung von 200 Euro sind das bis zu 30 Euro. Für Vereinbarungen von vor 2019 gilt das erst seit 01.01.2022 (§ 26a BetrAVG), und Tarifverträge dürfen abweichen (§ 19 Abs. 1 BetrAVG).
Nach dem BAG, Urteil vom 08.03.2022, 3 AZR 361/21, ist der Zuschuss an den Versorgungsträger zu zahlen. Der Kläger verlor, weil sein Tarifvertrag die Umwandlung schon vor 2019 regelte. Ein automatisches Optionssystem braucht einen Tarifvertrag oder eine darauf gestützte Betriebsvereinbarung, ohne Tarifgrundlage mindestens 20 Prozent Zuschuss (§ 20 Abs. 2 und 3 BetrAVG).
Was passiert mit der Entgeltumwandlung bei Jobwechsel, Kündigung oder Elternzeit?
Die Anwartschaft aus der Entgeltumwandlung ist sofort unverfallbar, samt Zuschuss (§ 1b Abs. 5 BetrAVG). Endet das Arbeitsverhältnis durch Kündigung, bleibt das Erreichte erhalten, und Du darfst Direktversicherung oder Pensionskasse privat fortführen. Ohne Entgelt, etwa in der Elternzeit, kannst Du mit eigenen Beiträgen weiterzahlen (§ 1a Abs. 4 BetrAVG).
Informiert der Arbeitgeber freiwillig, müssen seine Auskünfte richtig, eindeutig und vollständig sein (BAG, 18.02.2020, 3 AZR 206/18).
Das Wichtigste in Kürze
- Du kannst bis zu 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze umwandeln, 2026 sind das 4.056 Euro im Jahr (§ 1a Abs. 1 BetrAVG).
- Steuerfrei sind bis 8 Prozent (8.112 Euro), sozialversicherungsfrei nur 4 Prozent (4.056 Euro), Stand 2026.
- Spart der Arbeitgeber Sozialabgaben, schuldet er in der Regel 15 Prozent Zuschuss; Tarifverträge können abweichen (§§ 1a Abs. 1a, 19 BetrAVG).
- Anwartschaften aus Entgeltumwandlung sind sofort unverfallbar (§ 1b Abs. 5 BetrAVG).
- Bei tariflichem Gehalt ist die Umwandlung nur möglich, wenn der Tarifvertrag sie erlaubt (§ 20 Abs. 1 BetrAVG).
Häufige Fragen (11)
Ist Entgeltumwandlung sinnvoll?
Das hängt von Deiner Lage ab. Du sparst heute Lohnsteuer und, bis 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze, Sozialabgaben; dazu kommt in der Regel der Arbeitgeberzuschuss von 15 Prozent. Dafür sinkt durch die Entgeltumwandlung Deine gesetzliche Rente, und die Betriebsrente wird später versteuert und ist in der Krankenversicherung beitragspflichtig. Wie das unter dem Strich aussieht, zeigt nur eine Rechnung mit Deinen eigenen Zahlen und den Kosten des konkreten Tarifs.
Wie hoch ist der Höchstbetrag für die Entgeltumwandlung 2026?
Einen Rechtsanspruch hast Du auf 4.056 Euro im Jahr, das sind 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze von 101.400 Euro. Freiwillig kann der Arbeitgeber mehr zulassen. Steuerfrei bleiben 2026 Beiträge bis 8.112 Euro, sozialversicherungsfrei bis 4.056 Euro. Arbeitgeberbeiträge und Zuschüsse werden in diese Grenzen eingerechnet, deshalb lohnt der Blick auf die Gesamtsumme, nicht nur auf Deinen eigenen Anteil.
Welche Nachteile hat die Entgeltumwandlung?
Drei Punkte sind typisch. Erstens sinkt Deine gesetzliche Rentenanwartschaft, weil weniger beitragspflichtiges Entgelt gemeldet wird (§ 70 SGB VI). Zweitens ist die spätere Betriebsrente einkommensteuerpflichtig (§ 22 Nr. 5 EStG). Drittens zahlen gesetzlich Krankenversicherte darauf Beiträge, oberhalb eines Freibetrags von 197,75 Euro monatlich (Stand 2026, § 226 Abs. 2 SGB V). Hinzu kommen die Kosten des jeweiligen Versicherungstarifs.
Kann der Arbeitgeber die Entgeltumwandlung ablehnen?
Den Anspruch selbst nicht, wenn Du in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert bist und kein Tarifvertrag entgegensteht. Den Weg darf er aber bestimmen: Bietet er einen Pensionsfonds oder eine Pensionskasse an, läuft die Umwandlung dort; sonst kannst Du eine Direktversicherung verlangen (§ 1a Abs. 1 Satz 3 BetrAVG). Bei der Entgeltumwandlung kannst Du einen bestimmten Anbieter Deiner Wahl nicht durchsetzen.
Bekomme ich bei der Entgeltumwandlung den Arbeitgeberzuschuss von 15 Prozent immer?
Nicht immer. Er ist nur geschuldet, soweit der Arbeitgeber durch die Umwandlung Sozialversicherungsbeiträge spart (§ 1a Abs. 1a BetrAVG). Liegt Dein Gehalt über der Beitragsbemessungsgrenze, entfällt die Ersparnis teilweise oder ganz. Ein Tarifvertrag kann andere Regeln treffen (§ 19 Abs. 1 BetrAVG). Bei Vereinbarungen von vor 2019 besteht die Pflicht erst seit 01.01.2022 (§ 26a BetrAVG).
Was passiert mit der Entgeltumwandlung bei Kündigung?
Die Anwartschaft bleibt Dir erhalten, und zwar ohne Wartezeit (§ 1b Abs. 5 BetrAVG). Bei Direktversicherung und Pensionskasse darfst Du den Vertrag nach dem Ausscheiden mit eigenen Beiträgen fortführen. Ob Du den Vertrag zum neuen Arbeitgeber mitnehmen kannst, richtet sich nach § 4 BetrAVG und den Absprachen mit dem neuen Arbeitgeber.
Kann ich die Entgeltumwandlung kündigen oder pausieren?
Das richtet sich nach Deiner Umwandlungsvereinbarung, das Gesetz regelt den Ausstieg nicht allgemein. In einem Optionssystem muss das Angebot einen Hinweis enthalten, dass Du die Umwandlung mit einer Frist von höchstens einem Monat beenden kannst (§ 20 Abs. 2 BetrAVG). Bereits eingezahlte Beiträge aus der Entgeltumwandlung bleiben im Vertrag; eine Auszahlung vor dem Versorgungsfall ist in der Regel nicht vorgesehen.
Wie wird die Entgeltumwandlung bei Auszahlung besteuert?
Leistungen aus Pensionsfonds, Pensionskasse und Direktversicherung, deren Beiträge nach § 3 Nr. 63 EStG steuerfrei waren, sind bei Auszahlung als sonstige Einkünfte voll steuerpflichtig (§ 22 Nr. 5 EStG). Das gilt für die monatliche Rente wie für eine Kapitalzahlung. Wie viel Steuer tatsächlich anfällt, hängt von Deinem persönlichen Steuersatz im Ruhestand ab.
Gilt die Entgeltumwandlung auch im Minijob?
Ein Rechtsanspruch besteht nur, wenn Du im Minijob rentenversicherungspflichtig bist (§ 17 Abs. 1 Satz 3 BetrAVG). Minijobber sind das, solange sie sich nicht von der Versicherungspflicht befreien lassen. Praktisch bleibt wenig Spielraum, weil das Gehalt klein ist und mindestens ein Hundertsechzigstel der Bezugsgröße, 2026 rund 297 Euro im Jahr, umgewandelt werden muss.
Was ist ein Optionssystem bei der Betriebsrente durch Entgeltumwandlung?
Eine automatische Entgeltumwandlung, die der Arbeitgeber für alle oder für Gruppen einführt und der Du widersprechen kannst (§ 20 Abs. 2 BetrAVG). Das Angebot muss in Textform und mindestens drei Monate vor der ersten Umwandlung kommen und Betrag sowie Widerspruchsrecht nennen. Ohne Tarifgrundlage ist ein Optionssystem nur in Betrieben zulässig, deren Entgelte nicht tariflich geregelt sind, und mit mindestens 20 Prozent Zuschuss.
Muss mich der Arbeitgeber über die Entgeltumwandlung informieren?
Eine allgemeine Hinweispflicht auf alle Folgen sieht das Gesetz nicht vor. Wenn der Arbeitgeber aber informiert, müssen seine Angaben stimmen: Nach dem BAG (18.02.2020, 3 AZR 206/18) müssen auch freiwillige Auskünfte zur Betriebsrente richtig, eindeutig und vollständig sein. Werden sie später falsch, kann er zur Korrektur verpflichtet sein, wenn er erkennen konnte, dass die Auskunft für Dich fortwirkt.
Quellen
Weitere Begriffe in Arbeitsrecht
Kostenlose Fallprüfung
Schildere uns Deinen Fall. Wir prüfen kostenlos und unverbindlich, welche Möglichkeiten Du hast.