Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz

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Kurz erklärt Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist jedes unerwünschte, sexuell bestimmte Verhalten, das die Würde einer beschäftigten Person verletzt, von Bemerkungen bis zu Berührungen. Definiert ist sie in § 3 Abs. 4 AGG. Ansprüche gegen den Arbeitgeber auf Entschädigung oder Schadensersatz musst Du nach § 15 Abs. 4 AGG innerhalb von 2 Monaten schriftlich geltend machen.

Zwei Angestellte gehen in einem modernen deutschen Büroflur, eine Situation, die bei Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz auftreten kann
Inhalt 4 Abschnitte

Was gilt rechtlich als sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz?

Nach § 3 Abs. 4 AGG zählt jedes unerwünschte, sexuell bestimmte Verhalten, das die Würde verletzt. Das Gesetz nennt Berührungen, Bemerkungen sexuellen Inhalts, Aufforderungen zu sexuellen Handlungen und das Zeigen pornografischer Darstellungen. Es reicht, dass das Verhalten die Würde verletzt; eine Absicht ist nicht nötig. Anders als bei sonstiger Belästigung genügt für sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz schon ein einmaliger Vorfall (BAG, Urteil vom 20.11.2014, 2 AZR 651/13, Rn. 17).

Die absichtliche Berührung von Geschlechtsmerkmalen ist immer sexuell bestimmt, auf eine sexuelle Motivation kommt es nicht an (BAG, Urteil vom 29.06.2017, 2 AZR 302/16). Körperliche Übergriffe können zusätzlich nach § 184i StGB strafbar sein; der Strafantrag ist nach § 77b StGB innerhalb von 3 Monaten zu stellen. Die Einordnung in das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz erklärt auch den Unterschied zum Mobbing am Arbeitsplatz.

Was muss der Arbeitgeber gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz tun?

Er muss nach § 12 AGG vorbeugen und bei einem Verstoß die geeigneten Maßnahmen ergreifen: Abmahnung, Umsetzung, Versetzung oder Kündigung. Das gilt auch, wenn Kunden, Patienten oder Fremdfirmen belästigen (§ 12 Abs. 4 AGG). Du hast nach § 13 AGG das Recht, Dich bei der zuständigen Stelle im Betrieb zu beschweren; die Beschwerde ist zu prüfen und das Ergebnis mitzuteilen. Ein Betriebsrat kann Dich dabei unterstützen.

Bleibt der Arbeitgeber untätig oder ergreift er offensichtlich ungeeignete Maßnahmen, darfst Du nach § 14 AGG die Arbeit einstellen, ohne den Lohn zu verlieren, soweit das zu Deinem Schutz erforderlich ist. Wegen der Beschwerde darf Dich niemand benachteiligen, auch nicht Zeugen (§ 16 AGG).

Welche Ansprüche hast Du, und welche Fristen laufen?

Verletzt der Arbeitgeber seine Schutzpflichten, schuldet er nach § 15 AGG Ersatz des Vermögensschadens und eine angemessene Entschädigung nach dem AGG. Die Frist ist kurz: 2 Monate ab Kenntnis, schriftlich (§ 15 Abs. 4 AGG), es sei denn, ein Tarifvertrag regelt etwas anderes. Danach bleiben nach § 61b Abs. 1 ArbGG 3 Monate für die Klage.

Beim Beweis hilft § 22 AGG: Belegst Du Indizien, etwa Nachrichten, Notizen mit Datum oder Zeugenaussagen, muss die Gegenseite beweisen, dass kein Verstoß vorlag. Halte Vorfälle deshalb früh schriftlich fest: Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz lässt sich so besser belegen.

Welche Folgen drohen dem Belästiger?

Sexuelle Belästigung ist eine Verletzung arbeitsvertraglicher Pflichten und an sich ein wichtiger Grund für eine fristlose Kündigung. Ob sie im Einzelfall trägt, hängt von Umfang und Intensität ab. Im Fall 2 AZR 651/13 hatte ein Kfz-Mechaniker eine Reinigungskraft an der Brust berührt, sofort abgelassen, sich entschuldigt und einen Täter-Opfer-Ausgleich geleistet. Das BAG hielt die fristlose Kündigung für unwirksam; eine Abmahnung hätte genügt.

Wer zu Unrecht beschuldigt wird, sollte das ernst nehmen, weil schon ein dringender Verdacht eine Verdachtskündigung tragen kann.

Das Wichtigste in Kürze

  • Schon ein einmaliges unerwünschtes, sexuell bestimmtes Verhalten kann eine Belästigung nach § 3 Abs. 4 AGG sein (BAG 2 AZR 651/13).
  • Der Arbeitgeber muss nach § 12 Abs. 3 AGG mit Abmahnung, Umsetzung, Versetzung oder Kündigung reagieren.
  • Untätigkeit des Arbeitgebers erlaubt nach § 14 AGG, die Arbeit ohne Lohnverlust einzustellen, soweit zum Schutz erforderlich.
  • Entschädigung schriftlich binnen 2 Monaten geltend machen (§ 15 Abs. 4 AGG), Klage binnen 3 Monaten danach (§ 61b ArbGG).
  • Ein Strafantrag nach § 184i StGB ist innerhalb von 3 Monaten zu stellen (§ 77b StGB).

Häufige Fragen (10)

Was zählt als sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz?

Jedes unerwünschte, sexuell bestimmte Verhalten, das die Würde verletzt (§ 3 Abs. 4 AGG). Dazu gehören anzügliche Bemerkungen, Witze und Nachrichten mit sexuellem Inhalt, unerwünschte Berührungen, Aufforderungen zu sexuellen Handlungen und das Zeigen oder Aufhängen pornografischer Bilder. Maßgeblich ist, ob das Verhalten erkennbar unerwünscht war, nicht, wie es gemeint war.

Ist sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz eine Straftat?

Teilweise. Sexuell bestimmte körperliche Berührungen sind nach § 184i StGB strafbar, mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe. Die Tat wird nur auf Antrag verfolgt, außer die Staatsanwaltschaft bejaht ein besonderes öffentliches Interesse; der Antrag ist innerhalb von 3 Monaten zu stellen. Rein verbale Belästigungen sind nach dem AGG unzulässig, aber nicht immer strafbar.

Was tun gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz durch den Chef?

Halte jeden Vorfall mit Datum, Ort und möglichen Zeugen fest und sichere Nachrichten. Wende Dich an die Beschwerdestelle nach § 13 AGG, an die nächsthöhere Führungsebene oder den Betriebsrat. Ist der Inhaber selbst der Täter, bleiben die schriftliche Geltendmachung einer Entschädigung nach § 15 AGG binnen 2 Monaten und gegebenenfalls ein Strafantrag.

Muss mein Arbeitgeber etwas gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz unternehmen?

Ja. Nach § 12 Abs. 3 AGG muss er die im Einzelfall geeigneten, erforderlichen und angemessenen Maßnahmen ergreifen, das Gesetz nennt Abmahnung, Umsetzung, Versetzung und Kündigung. Er muss Deine Beschwerde prüfen und Dir das Ergebnis mitteilen (§ 13 Abs. 1 AGG). Unternimmt er nichts, kann er Dir nach § 15 AGG zur Entschädigung verpflichtet sein.

Darf ich die Arbeit verweigern, wenn nichts passiert?

Unter Umständen ja. § 14 AGG erlaubt Dir, die Tätigkeit ohne Verlust des Arbeitsentgelts einzustellen, wenn der Arbeitgeber keine oder offensichtlich ungeeignete Maßnahmen ergreift und das zu Deinem Schutz erforderlich ist. Kündige das schriftlich an und begründe es mit den gemeldeten Vorfällen. Eine vorschnelle Verweigerung ohne vorherige Beschwerde ist riskant.

Wie lange habe ich Zeit, Ansprüche geltend zu machen?

Für Entschädigung und Schadensersatz nach § 15 AGG gilt eine Ausschlussfrist von 2 Monaten ab Kenntnis der Benachteiligung, die Geltendmachung muss schriftlich erfolgen. Danach musst Du nach § 61b Abs. 1 ArbGG innerhalb von 3 Monaten klagen. Ein Tarifvertrag kann abweichende Fristen vorsehen. Für einen Strafantrag läuft unabhängig davon die Dreimonatsfrist des § 77b StGB.

Wie beweise ich sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ohne Zeugen?

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz lässt sich über Indizien beweisen. Nach § 22 AGG reicht es, Tatsachen zu beweisen, die eine Benachteiligung vermuten lassen; dann muss die Gegenseite das Gegenteil beweisen. Geeignet sind Chatverläufe, E-Mails, zeitnahe Notizen, Gespräche mit Vertrauenspersonen kurz nach dem Vorfall oder ärztliche Unterlagen. Je früher Du dokumentierst, desto überzeugender ist die Darstellung.

Ist sexuelle Belästigung ein Grund für eine fristlose Kündigung?

Sie ist nach dem BAG an sich ein wichtiger Grund im Sinne des § 626 Abs. 1 BGB. Ob die fristlose Kündigung im Einzelfall wirksam ist, hängt von Umfang und Intensität ab. In 2 AZR 651/13 hielt das BAG sie für unwirksam, weil es sich um eine einmalige Entgleisung mit sofortiger Einsicht und Wiedergutmachung handelte. Bei schweren oder wiederholten Übergriffen sieht die Abwägung anders aus.

Welche Entschädigung bekomme ich bei sexueller Belästigung?

Eine feste Summe nennt § 15 Abs. 2 AGG nicht, die Entschädigung muss angemessen sein. Die Höhe hängt von Art, Schwere und Dauer der Belästigung und vom Verhalten des Arbeitgebers ab. Daneben ist ein materieller Schaden, etwa Behandlungskosten, nach § 15 Abs. 1 AGG zu ersetzen. Vorab lässt sich ein Betrag nicht seriös vorhersagen.

Was tun, wenn ich zu Unrecht beschuldigt werde?

Nimm den Vorwurf ernst und äußere Dich zunächst nur überlegt, am besten nach rechtlicher Beratung. Gegen eine Kündigung bleibt die Kündigungsschutzklage innerhalb von 3 Wochen nach § 4 KSchG. Wer andere wider besseres Wissen falsch verdächtigt, kann sich nach § 164 StGB strafbar machen. Zeugen und Belege für Deine Sicht solltest Du früh sichern.

Quellen

  1. § 3 AGG Begriffsbestimmungen (Abs. 4 sexuelle Belästigung)
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026
  2. § 12 AGG Maßnahmen und Pflichten des Arbeitgebers
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026
  3. § 15 AGG Entschädigung und Schadensersatz
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026
  4. BAG, Urteil vom 29.06.2017, 2 AZR 302/16 (Berührung von Geschlechtsmerkmalen)
    UrteilBundesarbeitsgericht · abgerufen am 27.10.2026
  5. § 184i StGB Sexuelle Belästigung
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026

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