Vorfahrtsverstoß
Kurz erklärt Ein Vorfahrtsverstoß liegt vor, wenn Du als Wartepflichtiger einem vorfahrtberechtigten Verkehrsteilnehmer die Vorfahrt nimmst. Grundlage ist § 8 StVO mit der Grundregel „rechts vor links“. Laut Bußgeldkatalog kostet eine wesentliche Behinderung 25 Euro, eine Gefährdung 100 Euro und einen Punkt in Flensburg (BKatV Lfd. Nr. 33 und 34, Stand Oktober 2026).

Inhalt 4 Abschnitte
Wann liegt ein Vorfahrtsverstoß vor?
An Kreuzungen und Einmündungen hat Vorfahrt, wer von rechts kommt (§ 8 Abs. 1 StVO). Das gilt nicht, wenn Verkehrszeichen die Vorfahrt regeln, etwa „Vorfahrt gewähren“ oder „Halt. Vorfahrt gewähren.“, und nicht für Fahrzeuge, die aus einem Feld- oder Waldweg kommen. Im Kreisverkehr mit Zeichen 215 unter Zeichen 205 hat der Verkehr auf der Kreisfahrbahn Vorfahrt (§ 8 Abs. 1a StVO).
Wer warten muss, hat nach § 8 Abs. 2 StVO rechtzeitig durch mäßige Geschwindigkeit zu zeigen, dass er wartet. Weiterfahren darf er nur, wenn er übersehen kann, dass der Berechtigte weder gefährdet noch wesentlich behindert wird. An unübersichtlichen Stellen darfst Du Dich vorsichtig hineintasten. Auf der Autobahn hat der Verkehr auf der durchgehenden Fahrbahn Vorfahrt (§ 18 Abs. 3 StVO).
Welches Bußgeld und wie viele Punkte drohen beim Vorfahrtsverstoß?
Die Regelsätze stehen in der Anlage zur BKatV, die Punkte in Anlage 13 zur FeV. Für Pkw gilt (Stand: Oktober 2026):
| Verstoß | Lfd. Nr. | Regelsatz | Punkte |
|---|---|---|---|
| Nicht mit mäßiger Geschwindigkeit herangefahren | 32 | 10 Euro | keine |
| Vorfahrt nicht beachtet, wesentliche Behinderung | 33 | 25 Euro | keine |
| Vorfahrt nicht beachtet, Gefährdung | 34 | 100 Euro | 1 |
| Beim Einfahren auf die Autobahn Vorfahrt nicht beachtet | 82 | 75 Euro | 1 |
| Zeichen 206 nicht befolgt, Gefährdung | 150 | 70 Euro | 1 |
Ein Regelfahrverbot sieht der Katalog für den Vorfahrtsverstoß in diesen Nummern nicht vor. Punkte in Flensburg entstehen mit Rechtskraft.
In der Probezeit beim Führerschein zählt ein eingetragener Vorfahrtsverstoß nach Anlage 12 zur FeV als schwerwiegende Zuwiderhandlung (A-Verstoß). Die Behörde ordnet dann ein Aufbauseminar an, und die Probezeit verlängert sich um zwei Jahre (§ 2a Abs. 2 Satz 1 Nr. 1, Abs. 2a StVG).
Wann wird aus der Ordnungswidrigkeit eine Straftat?
Wer grob verkehrswidrig und rücksichtslos die Vorfahrt nicht beachtet und dadurch Leib oder Leben eines anderen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert gefährdet, macht sich nach § 315c Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a StGB strafbar. Es drohen bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe oder Geldstrafe, bei fahrlässiger Gefahrverursachung bis zu zwei Jahre (§ 315c Abs. 3 StGB). Siehe Gefährdung des Straßenverkehrs.
Wird bei einem Vorfahrtsverstoß jemand verletzt, kommt eine fahrlässige Körperverletzung nach § 229 StGB in Betracht. Zur Abgrenzung: Straftat oder Ordnungswidrigkeit.
Lohnt sich ein Einspruch, und wer haftet beim Unfall?
Gegen den Bußgeldbescheid kannst Du binnen zwei Wochen nach Zustellung Einspruch gegen den Bußgeldbescheid einlegen (§ 67 Abs. 1 OWiG). Ansatzpunkte sind Beschilderung, Gefährdung oder nur Behinderung und die Fahreridentifizierung. Die Verfolgung verjährt nach § 26 Abs. 3 Satz 1 StVG in sechs Monaten, die Frist kann aber nach § 33 OWiG unterbrochen werden.
Die zivilrechtliche Haftung für einen Vorfahrtsverstoß läuft getrennt über die Kfz-Haftpflichtversicherung. Bei einem Unfall zwischen zwei Fahrzeugen hängt die Haftungsverteilung nach § 17 Abs. 1 StVG davon ab, wie weit der Schaden vorwiegend von dem einen oder dem anderen Teil verursacht worden ist. Fuhr der Berechtigte beim Vorfahrtsverstoß zu schnell, kann er mithaften. Mehr im Beitrag Bußgeld und Verkehrsunfall.
Das Wichtigste in Kürze
- An Kreuzungen ohne Beschilderung gilt rechts vor links (§ 8 Abs. 1 StVO), außer für Fahrzeuge aus Feld- oder Waldwegen.
- Eine Vorfahrtsverletzung mit wesentlicher Behinderung kostet 25 Euro, mit Gefährdung 100 Euro und einen Punkt (BKatV Lfd. Nr. 33 und 34, Stand Oktober 2026).
- In der Probezeit ist ein eingetragener Vorfahrtsverstoß ein A-Verstoß mit Aufbauseminar und zwei Jahren Verlängerung (§ 2a StVG).
- Grob verkehrswidrig und rücksichtslos mit konkreter Gefahr wird der Verstoß zur Straftat nach § 315c Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a StGB.
- Der Einspruch ist binnen zwei Wochen nach Zustellung möglich (§ 67 Abs. 1 OWiG).
Häufige Fragen (10)
Was kostet ein Vorfahrtsverstoß?
Laut Bußgeldkatalog (Anlage zur BKatV, Stand Oktober 2026) kostet eine Vorfahrtsverletzung mit wesentlicher Behinderung 25 Euro (Lfd. Nr. 33), mit Gefährdung 100 Euro (Lfd. Nr. 34). Wer nicht mit mäßiger Geschwindigkeit an die bevorrechtigte Straße heranfährt, zahlt 10 Euro (Lfd. Nr. 32). Hinzu kommen Gebühren und Auslagen des Verfahrens nach § 107 OWiG.
Gibt es für einen Vorfahrtsverstoß einen Punkt in Flensburg?
Einen Punkt gibt es beim Vorfahrtsverstoß nur bei einer Gefährdung. Anlage 13 zur FeV bewertet den Verstoß nach Lfd. Nr. 34 des Bußgeldkatalogs mit einem Punkt. Die bloße wesentliche Behinderung für 25 Euro bringt keinen Punkt, schon weil das Fahreignungsregister Ordnungswidrigkeiten erst ab einer Geldbuße von 60 Euro erfasst (§ 28 Abs. 3 Nr. 3 StVG). Auch das Einfahren auf die Autobahn ohne Beachtung der Vorfahrt bringt einen Punkt.
Welche Strafe droht bei einem Unfall wegen Vorfahrt missachtet?
Im Bußgeldverfahren meist die Stufe mit Gefährdung, also 100 Euro und ein Punkt. Wird jemand verletzt, kann zusätzlich ein Strafverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung nach § 229 StGB folgen. Bei grob verkehrswidrigem und rücksichtslosem Verhalten mit konkreter Gefahr kommt § 315c StGB in Betracht. Den Sachschaden reguliert die Kfz-Haftpflichtversicherung nach den zivilrechtlichen Regeln.
Gibt es bei einem Vorfahrtsverstoß ein Fahrverbot?
Bei einem Vorfahrtsverstoß nach dem Bußgeldkatalog nicht. Für die Lfd. Nr. 32 bis 34 und 82 sieht die Anlage zur BKatV kein Regelfahrverbot vor. Ein Fahrverbot kann aber bei beharrlichen Pflichtverletzungen nach § 25 Abs. 1 StVG in Betracht kommen. Im Strafverfahren nach § 315c StGB droht zudem die Entziehung der Fahrerlaubnis. Das hängt von den Umständen des Einzelfalls ab.
Was passiert, wenn man in der Probezeit die Vorfahrt missachtet?
Wird der Verstoß im Fahreignungsregister eingetragen, ist er ein A-Verstoß nach Anlage 12 zur FeV. Das betrifft die Gefährdung nach Lfd. Nr. 34 mit 100 Euro. Dann ordnet die Behörde ein Aufbauseminar an und die Probezeit verlängert sich um zwei Jahre (§ 2a Abs. 2 Satz 1 Nr. 1, Abs. 2a StVG). Eine Behinderung für 25 Euro wird nicht eingetragen und löst diese Folgen nicht aus.
Wer hat im Kreisverkehr Vorfahrt?
Der Verkehr auf der Kreisfahrbahn, wenn an der Einfahrt Zeichen 215 (Kreisverkehr) unter Zeichen 205 (Vorfahrt gewähren) steht (§ 8 Abs. 1a StVO). Wer einfährt, muss warten. Beim Einfahren ist das Blinken unzulässig. Fehlen diese Zeichen, gilt an der Einmündung die allgemeine Regel rechts vor links.
Muss man als Wartepflichtiger immer anhalten?
Nein, nicht immer. § 8 Abs. 2 StVO verlangt, dass Du rechtzeitig durch mäßige Geschwindigkeit erkennen lässt, dass Du wartest. Weiterfahren darfst Du nur, wenn Du übersehen kannst, dass der Berechtigte weder gefährdet noch wesentlich behindert wird. Anhalten musst Du stets am Zeichen 206 (Halt. Vorfahrt gewähren.), unabhängig davon, ob Verkehr kommt.
Wer haftet bei einem Unfall wegen Vorfahrtsverletzung?
Nicht automatisch allein der Wartepflichtige. Zwischen zwei Kraftfahrzeugen richtet sich die Verteilung nach § 17 Abs. 1 StVG danach, wie weit der Schaden vorwiegend von dem einen oder anderen verursacht wurde. Fuhr der Vorfahrtberechtigte deutlich zu schnell oder ohne Licht, kann er mithaften. Die Quote verhandeln in der Regel die Haftpflichtversicherer.
Kann man jemanden wegen Vorfahrt missachtet anzeigen?
Ja. Jede Person kann einen Vorfahrtsverstoß bei Polizei oder Bußgeldstelle anzeigen. Die Behörde entscheidet dann, ob sie ein Verfahren einleitet (§ 47 Abs. 1 OWiG). Sie muss Fahrer und Ablauf nachweisen, etwa über Zeugenaussagen. Ohne Unfall und ohne weitere Zeugen kann die Beweislage schwierig sein, was die Behörde bei ihrer Entscheidung berücksichtigt.
Wann verjährt ein Vorfahrtsverstoß?
Die Verfolgungsverjährung beträgt nach § 26 Abs. 3 Satz 1 StVG sechs Monate. Sie kann aber durch bestimmte Ermittlungshandlungen unterbrochen werden, etwa die Bekanntgabe der Einleitung des Verfahrens, etwa durch den Anhörungsbogen (§ 33 Abs. 1 Nr. 1 OWiG); dann beginnt sie neu. Ob ein Verstoß tatsächlich verjährt ist, lässt sich deshalb erst nach Akteneinsicht verlässlich sagen. Bei einer Straftat nach § 315c StGB gelten die längeren Fristen des Strafrechts.
Quellen
Weitere Begriffe in Bußgeldverfahren
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