Verbeamtung mit Vorerkrankung
Kurz erklärt Verbeamtung mit Vorerkrankung heißt: Du willst trotz einer bekannten Erkrankung Beamter werden. Maßstab ist die gesundheitliche Eignung nach Art. 33 Abs. 2 GG und § 9 BeamtStG, im Bund § 9 BBG. Ablehnen darf der Dienstherr nur, wenn eine vorzeitige Dienstunfähigkeit oder jahrelange erhebliche Fehlzeiten überwiegend wahrscheinlich sind.

Inhalt 4 Abschnitte
Verbeamtung mit Vorerkrankung: Wann steht die Erkrankung im Weg?
Eine Diagnose allein schließt die Verbeamtung mit Vorerkrankung nicht aus. Nach Art. 33 Abs. 2 GG und § 9 BeamtStG (Bund: § 9 BBG) zählt die Eignung, dazu gehört die gesundheitliche Eignung.
Im Fall eines Lehrers mit Multipler Sklerose entschied das Bundesverwaltungsgericht: Wer aktuell dienstfähig ist, darf nur abgelehnt werden, wenn tatsächliche Anhaltspunkte eine Dienstunfähigkeit vor der Altersgrenze überwiegend wahrscheinlich machen (BVerwG, Urteil vom 25.07.2013, 2 C 12.11). Die Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe reicht nicht; die Sache ging an das Oberverwaltungsgericht zurück.
Seit Dezember 2025 zählen auch Fehlzeiten. Wer voraussichtlich über Jahre regelmäßig krankheitsbedingt ausfällt oder nur in Teilzeit Dienst leisten kann, ist nicht geeignet (BVerwG, Urteil vom 11.12.2025, 2 A 4.25). Die Klage eines Bewerbers mit fortschreitender Nierenerkrankung blieb erfolglos.
Verbeamtung mit Vorerkrankung: Was gilt bei Psychotherapie, Übergewicht oder chronischer Krankheit?
Eine Liste verbotener Diagnosen gibt es bei der Verbeamtung mit Vorerkrankung nicht. Der Amtsarzt muss Befunde, Methoden und eine nachvollziehbare Prognose liefern, der Dienstherr muss sich darauf ein eigenes Urteil bilden (2 C 12.11). Eine abgeschlossene Psychotherapie ist deshalb ein Befund, kein Ausschlussgrund. Eine feste BMI-Grenze nennt kein Bundesgesetz.
Erleichterungen gelten nur für schwerbehinderte und gleichgestellte Menschen (§ 2 Abs. 2 und 3 SGB IX), siehe Beamtenrecht und Schwerbehinderung. Wer zulässige Fragen im Gesundheitsfragebogen bewusst falsch beantwortet, riskiert die Rücknahme der Ernennung (§ 12 Abs. 1 Nr. 1 BeamtStG, im Bund § 14 Abs. 1 Nr. 1 BBG).
Kann die Vorerkrankung in der Probezeit noch zum Problem werden?
Ja. Vor der Lebenszeiternennung wird die Eignung erneut geprüft, maßgeblich ist der Stand bei Ablauf der Probezeit (BVerwG, Urteil vom 30.10.2013, 2 C 16.12). Die Probezeit als Beamter auf Probe dauert nach § 10 BeamtStG sechs Monate bis fünf Jahre; im Bund gilt § 11 BBG.
Fehlt die Eignung, ist eine Entlassung nach § 23 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 BeamtStG möglich. Nach Satz 2 muss der Dienstherr aber wie bei § 26 Abs. 2 BeamtStG eine anderweitige Verwendung prüfen; im Bund regelt das § 34 BBG. Mehr unter Entlassung in der Probezeit.
Wie wehrst Du Dich gegen eine Ablehnung?
Vor der Klage steht nach § 54 Abs. 2 BeamtStG ein Vorverfahren, sofern das Landesgesetz es nicht abschafft (Widerspruchsverfahren im Beamtenrecht). Danach bleibt ein Monat für die Klage (§ 74 VwGO). Bei der Verbeamtung mit Vorerkrankung prüft das Verwaltungsgericht die Eignung vollständig selbst. Eine eigene fachärztliche Stellungnahme kann das Gutachten deshalb erschüttern; droht die Stelle vergeben zu werden, kommt eine einstweilige Anordnung nach § 123 VwGO in Betracht.
Für Landes- und Kommunalbeamte gelten ergänzend die Regeln des jeweiligen Bundeslandes, in Hamburg unter anderem das Hamburgische Beamtengesetz.
Das Wichtigste in Kürze
- Ablehnen darf der Dienstherr nur bei überwiegend wahrscheinlicher vorzeitiger Dienstunfähigkeit (BVerwG 2 C 12.11 vom 25.07.2013).
- Seit BVerwG 2 A 4.25 (11.12.2025) können auch jahrelange regelmäßige Fehlzeiten oder eine nur mögliche Teilzeit die Eignung ausschließen.
- Die Eignung wird bei Ablauf der Probezeit erneut geprüft; die Probezeit dauert nach § 10 BeamtStG 6 Monate bis 5 Jahre.
- Gegen eine Ablehnung bleibt nach dem Widerspruchsbescheid 1 Monat für die Klage (§ 74 VwGO).
- Bewusst falsche Angaben im Gesundheitsfragebogen können zur Rücknahme der Ernennung führen (§ 12 Abs. 1 Nr. 1 BeamtStG).
Häufige Fragen (10)
Ist Verbeamtung mit Vorerkrankung möglich, wenn die Erkrankung psychisch ist?
Das ist möglich. Eine frühere Depression oder Angststörung schließt die Verbeamtung nicht automatisch aus. Der Amtsarzt muss im Einzelfall begründen, warum eine vorzeitige Dienstunfähigkeit oder jahrelange erhebliche Ausfälle überwiegend wahrscheinlich sein sollen. Statistiken zu einer ganzen Patientengruppe genügen dafür nach BVerwG 2 C 12.11 nicht. Ein stabiler Verlauf und ärztliche Befunde helfen Dir bei der Prognose.
Muss ich dem Amtsarzt eine frühere Psychotherapie angeben?
Fragt der Gesundheitsfragebogen oder der Amtsarzt danach, solltest Du wahrheitsgemäß antworten. Eine bewusst falsche Antwort kann später als arglistige Täuschung gewertet werden; dann ist die Ernennung nach § 12 Abs. 1 Nr. 1 BeamtStG zurückzunehmen, im Bund nach § 14 Abs. 1 Nr. 1 BBG. Sinnvoller ist es, Befundberichte beizulegen, die den Verlauf und den heutigen Zustand nachvollziehbar darstellen.
Wie lange vor der Verbeamtung sollte keine Therapie mehr stattgefunden haben?
Eine gesetzliche Wartezeit gibt es nicht. Weder das Beamtenstatusgesetz noch das Bundesbeamtengesetz nennen eine Frist, nach der eine Behandlung keine Rolle mehr spielt. Maßgeblich ist allein die Prognose zur künftigen Dienstfähigkeit. Je länger ein stabiler Verlauf dokumentiert ist, desto leichter lässt sich eine günstige Prognose begründen. Eine pauschale Sperrfrist darf der Dienstherr daraus nicht ableiten.
Ab welchem BMI wird man nicht verbeamtet?
Eine feste BMI-Grenze steht in keinem Bundesgesetz. Übergewicht ist kein eigener Ablehnungsgrund, sondern nur relevant, wenn daraus mit überwiegender Wahrscheinlichkeit Folgeerkrankungen und eine vorzeitige Dienstunfähigkeit oder erhebliche Fehlzeiten zu erwarten sind. Das muss der Amtsarzt mit Befunden belegen. Bei besonderen Laufbahnen wie Polizei oder Feuerwehr können eigene körperliche Anforderungen gelten.
Spielen Vorerkrankungen der Eltern bei der Verbeamtung eine Rolle?
Allein kaum. Das Bundesverwaltungsgericht erlaubt zwar, die Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe in die Prognose einzubeziehen. Es verlangt aber tatsächliche Anhaltspunkte bei Dir selbst, die eine vorzeitige Dienstunfähigkeit überwiegend wahrscheinlich machen (2 C 12.11). Eine familiäre Häufung ohne eigenen Befund trägt eine Ablehnung deshalb in der Regel nicht.
Ist Verbeamtung mit Vorerkrankung für Lehrer möglich?
Für Lehrkräfte gilt derselbe Maßstab wie für alle anderen Laufbahnen. Der Leitfall des Bundesverwaltungsgerichts betraf sogar einen Berufsschullehrer mit Multipler Sklerose. Lehrkräfte sind meist Landesbeamte, deshalb richten sich Verfahren und Zuständigkeit nach dem jeweiligen Landesrecht, in Hamburg nach dem Hamburgischen Beamtengesetz. Die Prognose bleibt eine Einzelfallentscheidung.
Was kann ich tun, wenn der Amtsarzt die Verbeamtung mit Vorerkrankung ablehnt?
Lass Dir zuerst das Gutachten aushändigen und prüfe, ob es konkrete Befunde nennt oder nur allgemeine Risiken. Gegen den Ablehnungsbescheid legst Du Widerspruch ein, soweit das Landesrecht ihn vorsieht, und klagst danach binnen eines Monats beim Verwaltungsgericht. Eine eigene fachärztliche Stellungnahme kann die Prognose erschüttern, weil das Gericht die Eignung vollständig selbst prüft.
Gilt für schwerbehinderte Bewerber ein anderer Maßstab?
Teilweise. Für schwerbehinderte und ihnen gleichgestellte Menschen darf bei der Einstellung nur ein Mindestmaß körperlicher Eignung verlangt werden; das ergibt sich aus den Laufbahnvorschriften in Bund und Ländern, auf die das BVerwG im Urteil 2 C 12.11 verweist. Bei einem Grad der Behinderung unter 50 ohne Gleichstellung gilt dagegen der allgemeine Prognosemaßstab.
Kann die Verbeamtung mit Vorerkrankung auf Lebenszeit trotz bestandener Einstellung noch scheitern?
Ja. Vor der Ernennung auf Lebenszeit wird die gesundheitliche Eignung erneut geprüft, maßgeblich ist der Stand bei Ablauf der Probezeit (BVerwG 2 C 16.12). Fehlt sie dann, droht die Entlassung nach § 23 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 BeamtStG. Der Dienstherr muss vorher aber prüfen, ob eine andere Verwendung möglich ist. Bis zur Höchstdauer von fünf Jahren (§ 10 BeamtStG) kommt nach Landesrecht auch eine Verlängerung der Probezeit in Betracht.
Darf der Dienstherr häufige Krankheitstage gegen mich verwenden?
Ja, wenn sie eine belastbare Prognose tragen. Nach BVerwG 2 A 4.25 fehlt die Eignung auch dann, wenn Du voraussichtlich über Jahre regelmäßig krankheitsbedingt ausfällst und deshalb eine erheblich geringere Lebensdienstzeit hättest. Einzelne Ausfälle in der Vergangenheit reichen dafür nicht. Entscheidend ist, was ein Arzt für die Zukunft konkret begründet.
Quellen
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