Bußgeld wegen Ruhestörung
Kurz erklärt Ein Bußgeld wegen Ruhestörung droht, wenn jemand ohne berechtigten Anlass oder in vermeidbarem Ausmaß Lärm macht, der die Nachbarschaft erheblich belästigen kann. Grundlage ist vor allem § 117 OWiG, ergänzt durch Landesrecht und die Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung. Nach § 117 Abs. 2 OWiG ist eine Geldbuße bis zu 5.000 Euro möglich.

Inhalt 4 Abschnitte
Bußgeld wegen Ruhestörung: Wann wird Lärm zur Ordnungswidrigkeit?
Den Grundtatbestand enthält § 117 OWiG. Ordnungswidrig handelt, wer ohne berechtigten Anlass oder in einem unzulässigen oder vermeidbaren Ausmaß Lärm erregt, der geeignet ist, die Allgemeinheit oder die Nachbarschaft erheblich zu belästigen. Eine feste Dezibelgrenze nennt die Vorschrift nicht. Es reicht, dass der Lärm dazu geeignet ist; ob sich tatsächlich jemand beschwert hat, ist keine Voraussetzung.
Die Norm ist ein Auffangtatbestand. Sie greift nach § 117 Abs. 2 OWiG nur, wenn die Handlung nicht nach anderen Vorschriften geahndet werden kann. Vorrang haben etwa die Landesvorschriften zur Nachtruhe und zur Sonn- und Feiertagsruhe. Für Fahrzeuge gilt § 30 StVO, der unnötigen Lärm beim Benutzen eines Fahrzeugs verbietet. Der Bußgeldkatalog sieht dafür 80 Euro vor (Anlage BKatV, Lfd. Nr. 117, Stand: Oktober 2026), mehr dazu unter unnötiger Lärm und Autoposer.
Welche Ruhezeiten gelten für Rasenmäher und Laubbläser?
Für Geräte im Freien gilt bundesweit § 7 der 32. BImSchV. In Wohngebieten dürfen die im Anhang genannten Geräte, darunter Rasenmäher und Heckenscheren, an Sonn- und Feiertagen gar nicht und an Werktagen nicht zwischen 20 und 7 Uhr betrieben werden.
Strenger ist die Regel für Freischneider, Graskantenschneider, Laubbläser und Laubsammler. Sie sind werktags zusätzlich von 7 bis 9 Uhr, von 13 bis 15 Uhr und von 17 bis 20 Uhr tabu, es sei denn, das Gerät trägt das EU-Umweltzeichen. Ausnahmen lässt § 7 Abs. 2 zu, etwa zur Abwendung einer Gefahr bei Unwetter.
Verstöße ahndet § 9 Abs. 2 der Verordnung in Verbindung mit § 62 BImSchG. Der Rahmen reicht dort bis 50.000 Euro. Weitergehende Landesregeln zur Nachtruhe bleiben nach § 7 Abs. 3 unberührt.
Wie hoch fällt das Bußgeld wegen Ruhestörung aus?
Einen bundesweiten Bußgeldkatalog für ein Bußgeld wegen Ruhestörung gibt es nicht. Die Behörde bemisst die Geldbuße nach § 17 Abs. 3 OWiG: nach der Bedeutung der Tat, dem Vorwurf und, außer bei geringfügigen Fällen, den wirtschaftlichen Verhältnissen. Beim Bußgeld wegen Ruhestörung halbiert sich bei Fahrlässigkeit der Höchstbetrag nach § 17 Abs. 2 OWiG, aus 5.000 Euro werden also 2.500 Euro.
Hinzu kommen nach § 107 OWiG Gebühren von fünf Prozent der Geldbuße, mindestens 25 Euro, sowie Auslagen wie 3,50 Euro je förmlicher Zustellung. Bei Kleinigkeiten kann die Behörde stattdessen verwarnen und ein Verwarnungsgeld von 5 bis 55 Euro erheben (§ 56 Abs. 1 OWiG). Sie muss nicht jeden Fall verfolgen, das erlaubt ihr das Opportunitätsprinzip des § 47 OWiG.
Was kannst Du gegen den Vorwurf tun?
Meist kommt zuerst ein Anhörungsbogen. Angaben zur Person musst Du machen, zur Sache darfst Du schweigen. Erst der Bußgeldbescheid setzt die Frist in Gang: Gegen ihn bleiben zwei Wochen für den Einspruch gegen den Bußgeldbescheid (§ 67 OWiG). Angreifbar ist oft der Beweis. Wer hat den Lärm wann und wie lange wahrgenommen, und war er wirklich erheblich?
Die Verfolgungsverjährung richtet sich nach § 31 Abs. 2 OWiG. Bei einem Höchstmaß von 5.000 Euro beträgt sie zwei Jahre (Nr. 2).
Für Mieter kommt eine zweite Ebene hinzu. Nachhaltige Störungen können zu einer Abmahnung und im Extremfall zur Kündigung wegen Störung des Hausfriedens nach § 569 Abs. 2 BGB führen. Bist Du selbst der Betroffene, hilft der Eintrag zu Lärm durch Nachbarn weiter.
Das Wichtigste in Kürze
- Grundtatbestand für Ruhestörung ist § 117 OWiG mit einer Geldbuße bis 5.000 Euro, bei Fahrlässigkeit bis 2.500 Euro (§ 17 Abs. 2 OWiG).
- § 117 OWiG tritt zurück, wenn Landesrecht zur Nachtruhe oder andere Vorschriften wie § 30 StVO den Fall erfassen.
- Rasenmäher und viele andere Geräte sind in Wohngebieten sonn- und feiertags sowie werktags von 20 bis 7 Uhr verboten (§ 7 der 32. BImSchV).
- Gegen einen Bußgeldbescheid bleiben zwei Wochen für den Einspruch (§ 67 OWiG).
- Verwarnungsgeld bei geringfügiger Ruhestörung: 5 bis 55 Euro (§ 56 Abs. 1 OWiG).
Häufige Fragen (11)
Wie hoch ist das Bußgeld wegen Ruhestörung?
Das lässt sich nicht pauschal beziffern, weil es keinen bundesweiten Katalog gibt. Der gesetzliche Rahmen des § 117 OWiG reicht bis 5.000 Euro, bei fahrlässigem Handeln bis 2.500 Euro. Innerhalb dieses Rahmens bemisst die Behörde nach Bedeutung der Tat, Vorwurf und Deinen wirtschaftlichen Verhältnissen. Gebühren und Auslagen nach § 107 OWiG kommen hinzu.
Ab wann gilt Lärm als Ruhestörung?
Wenn er ohne berechtigten Anlass oder in vermeidbarem Ausmaß entsteht und geeignet ist, die Nachbarschaft erheblich zu belästigen. So steht es in § 117 Abs. 1 OWiG. Eine bestimmte Lautstärke in Dezibel schreibt das Gesetz nicht vor. Entscheidend sind Uhrzeit, Dauer, Art des Geräuschs und die Umgebung. Nachts und an Sonntagen sind die Maßstäbe strenger als werktags am Nachmittag.
Gibt es ein Bußgeld wegen Ruhestörung nach 22 Uhr?
Ja, nachts liegt ein Verstoß besonders nahe. Wann die Nachtruhe beginnt, legt das jeweilige Landesrecht fest; maßgeblich ist die Regel Deines Bundeslandes. Daneben bleibt § 117 OWiG als Auffangregel. Für Gartengeräte im Freien gilt bundesweit schon ab 20 Uhr ein Betriebsverbot nach § 7 der 32. BImSchV. Wie viel ein Verstoß kostet, entscheidet die Behörde im Einzelfall.
Gibt es ein Bußgeld wegen Ruhestörung ohne vorherige Verwarnung?
Ja. Eine vorherige Verwarnung ist keine Voraussetzung für das Bußgeld wegen Ruhestörung. Die Behörde kann bei geringfügigen Verstößen nach § 56 OWiG verwarnen, sie muss es aber nicht. Hält sie den Verstoß für erheblich, darf sie direkt ein Bußgeldverfahren einleiten. Umgekehrt kann sie ein Verfahren nach § 47 OWiG auch ganz einstellen, wenn sie eine Ahndung nicht für geboten hält.
Ist Ruhestörung am Sonntag teurer?
Es gibt keinen festen Sonntagszuschlag, aber Sonn- und Feiertage sind besonders geschützt. Gartengeräte wie Rasenmäher dürfen in Wohngebieten an diesen Tagen ganztägig nicht laufen (§ 7 der 32. BImSchV). Die Feiertagsgesetze der Länder enthalten weitere Ruhegebote. Weil die Behörde die Bedeutung der Tat bewertet, kann ein Verstoß am Sonntag höher geahndet werden als an einem Werktag.
Was kostet Rasenmähen am Sonntag?
Der Rahmen ist hoch: § 62 BImSchG erlaubt bei Verstößen gegen die Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung Geldbußen bis 50.000 Euro. Eine feste Summe gibt es nicht, die Behörde bemisst im Einzelfall. Rechtsgrundlage für das Verbot ist § 7 Abs. 1 der 32. BImSchV, das Mähen in Wohngebieten an Sonn- und Feiertagen ganz untersagt. Ausnahmen gelten etwa bei Gefahr durch Unwetter.
Wer verhängt das Bußgeld wegen Ruhestörung?
Die Verwaltungsbehörde, die nach § 36 OWiG und dem jeweiligen Landesrecht sachlich zuständig ist. Die Polizei kann vor Ort den Sachverhalt und die Personalien aufnehmen und den Vorgang an diese Behörde weitergeben. Gegen den Bescheid der Behörde kannst Du binnen zwei Wochen Einspruch einlegen. Über den Einspruch entscheidet dann gegebenenfalls das Amtsgericht.
Kann eine Party ein Bußgeld wegen Ruhestörung auslösen?
Ja, wenn Musik oder Stimmen die Nachbarschaft erheblich belästigen können. Eine Ankündigung im Treppenhaus ändert daran nichts, und das Gesetz kennt keine Ausnahme für Geburtstage oder eine Feier pro Jahr. Verantwortlich ist, wer den Lärm erregt oder als Gastgeber beherrscht. Ob die Behörde ein Verfahren einleitet oder es bei einer Ermahnung belässt, liegt in ihrem Ermessen nach § 47 OWiG.
Verjährt eine Ruhestörung?
Ja. Für vorsätzliche Ruhestörung nach § 117 OWiG mit 5.000 Euro Höchstmaß beträgt die Verfolgungsverjährung zwei Jahre (§ 31 Abs. 2 Nr. 2 OWiG). Bei Ordnungswidrigkeiten nach Landesrecht kann sich je nach Bußgeldrahmen eine andere Frist ergeben. Die Verjährung beginnt, sobald die Handlung beendet ist, und wird etwa durch die Anhörung oder den Bußgeldbescheid unterbrochen.
Kann mir wegen Ruhestörung die Wohnung gekündigt werden?
Im Extremfall ja, das ist aber eine Frage des Mietrechts und unabhängig vom Bußgeld. Stört ein Mieter den Hausfrieden nachhaltig, kann der Vermieter nach § 569 Abs. 2 BGB aus wichtigem Grund kündigen. In der Regel muss er vorher abmahnen (§ 543 Abs. 3 BGB). Ob die Störungen genügen, hängt von ihrer Schwere, Dauer und Häufigkeit ab.
Muss ich den Anhörungsbogen wegen Ruhestörung ausfüllen?
Nur die Angaben zur Person sind Pflicht. Zum Vorwurf selbst darfst Du schweigen, daraus darf Dir kein Nachteil entstehen. Eine Frist zur Rückgabe ist keine Ausschlussfrist, die eigentliche Frist läuft erst mit Zustellung des Bußgeldbescheids. Wer sich äußert, sollte das sachlich und knapp tun, etwa wenn ein berechtigter Anlass wie eine dringende Reparatur bestand.
Quellen
Weitere Begriffe in Bußgeldverfahren
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