Geblitzt in der Probezeit

  • Zuletzt aktualisiert:
  • 3 Min. Lesezeit

Kurz erklärt Geblitzt in der Probezeit bedeutet: Ein Fahranfänger wird in den ersten zwei Jahren nach Erwerb des Führerscheins beim Zuschnellfahren gemessen. Maßgeblich sind § 2a StVG und Anlage 12 zur Fahrerlaubnis-Verordnung. Wird der Verstoß ins Fahreignungsregister eingetragen, ordnet die Behörde ein Aufbauseminar an, und die Probezeit verlängert sich um zwei Jahre.

Geblitzt in der Probezeit: Junger Fahrer spricht mit Polizisten neben einem Streifenwagen nach dem Geblitzt werden in der Probezeit auf einer Landstraße
Inhalt 4 Abschnitte

Geblitzt in der Probezeit: Ab wie viel km/h drohen Konsequenzen?

Nicht jedes Blitzerfoto berührt die Probezeit beim Führerschein. Maßnahmen nach § 2a Abs. 2 StVG setzen eine rechtskräftige Entscheidung voraus, die ins Fahreignungsregister einzutragen ist. Bei Ordnungswidrigkeiten verlangt § 28 Abs. 3 Nr. 3 StVG dafür zweierlei: Der Verstoß muss in Anlage 13 zur FeV aufgeführt sein, und die Geldbuße muss mindestens 60 Euro betragen oder ein Fahrverbot angeordnet sein.

Geschwindigkeitsverstöße zählen nach Anlage 12 Abschnitt A Nr. 2.1 FeV immer zu den schwerwiegenden Zuwiderhandlungen, also zum A-Verstoß. Entscheidend ist deshalb die Eintragung. Für Pkw vergibt Anlage 13 Nr. 3.2.2 FeV erst ab 21 km/h einen Punkt. Wer innerorts 16 bis 20 km/h zu schnell war, zahlt 70 Euro, bekommt aber keinen Eintrag und keine Probezeitmaßnahme. Jede Zeile mit Punkt ist ein A-Verstoß.

Regelsätze für Pkw laut Anhang zur BKatV, Tabelle 1 Buchstabe c (Stand: Oktober 2026), jeweils nach Toleranzabzug:

ÜberschreitunginnerortsaußerortsPunkte
bis 10 km/h30 Euro20 Eurokeine
11 bis 15 km/h50 Euro40 Eurokeine
16 bis 20 km/h70 Euro60 Eurokeine
21 bis 25 km/h115 Euro100 Euro1
26 bis 30 km/h180 Euro150 Euro1
31 bis 40 km/h260 Euro, 1 Monat Fahrverbot200 Euroinnerorts 2, außerorts 1

Was passiert beim ersten, zweiten und dritten A-Verstoß?

§ 2a Abs. 2 Satz 1 StVG staffelt die Maßnahmen. Beim ersten A-Verstoß oder bei zwei B-Verstößen ordnet die Fahrerlaubnisbehörde ein Aufbauseminar mit Frist an (Nr. 1), und die Probezeit verlängert sich um zwei Jahre (Abs. 2a), siehe Verlängerung der Probezeit. Folgt danach in der Probezeit ein weiterer A-Verstoß oder folgen zwei B-Verstöße, verwarnt die Behörde schriftlich und legt eine verkehrspsychologische Beratung binnen zwei Monaten nahe (Nr. 2). Beim nächsten Verstoß nach Ablauf dieser Frist entzieht sie die Fahrerlaubnis (Nr. 3).

Die Maßnahmen greifen auch dann, wenn die Probezeit bei Rechtskraft schon abgelaufen ist; maßgeblich ist der Tatzeitpunkt. Wer das angeordnete Seminar nicht fristgerecht besucht, verliert die Fahrerlaubnis ebenfalls (§ 2a Abs. 3 StVG). Unabhängig davon sammelst Du Punkte in Flensburg wie jeder andere Fahrer.

Welche weiteren Verstöße sind für Fahranfänger teuer?

Neben dem Tempo trifft Fahranfänger vor allem das Alkoholverbot für Fahranfänger nach § 24c StVG. Der Bußgeldkatalog sieht dafür 250 Euro vor (Lfd. Nr. 243b, Stand: Oktober 2026), dazu kommen ein Punkt und ein A-Verstoß. Ab 31 km/h innerorts folgt zusätzlich ein Fahrverbot von einem Monat.

Lohnt sich ein Einspruch, wenn Du geblitzt in der Probezeit wurdest?

Die Fahrerlaubnisbehörde ist an die rechtskräftige Bußgeldentscheidung gebunden (§ 2a Abs. 2 Satz 2 StVG). Die Messung lässt sich deshalb nur im Bußgeldverfahren angreifen. Ein Einspruch gegen den Bußgeldbescheid muss binnen zwei Wochen nach Zustellung eingehen (§ 67 Abs. 1 OWiG).

Ob 20 oder 21 km/h übrig bleiben, entscheidet über Seminar und zwei weitere Jahre. Prüfenswert sind die Messung, die Fahreridentifizierung und die Verfolgungsverjährung von sechs Monaten (§ 26 Abs. 3 Satz 1 StVG), die nach § 33 OWiG unterbrochen werden kann. Ob sich ein Einspruch lohnt, zeigt erst die Akte.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Probezeitmaßnahme setzt einen Eintrag im Fahreignungsregister voraus: Geldbuße ab 60 Euro und Verstoß in Anlage 13 FeV (§ 28 Abs. 3 Nr. 3 StVG).
  • Mit dem Pkw führt eine Tempoüberschreitung ab 21 km/h zum Punkt und damit zum A-Verstoß; 16 bis 20 km/h kosten 70 Euro innerorts, aber keinen Punkt.
  • Der erste A-Verstoß bringt ein Aufbauseminar und zwei zusätzliche Jahre Probezeit (§ 2a Abs. 2 Satz 1 Nr. 1, Abs. 2a StVG).
  • Beim dritten Verstoß nach Seminar und Verwarnung wird die Fahrerlaubnis entzogen (§ 2a Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 StVG).
  • Die Messung lässt sich nur im Bußgeldverfahren angreifen; der Einspruch muss binnen zwei Wochen eingehen (§ 67 OWiG).

Häufige Fragen (11)

Was passiert, wenn Du geblitzt in der Probezeit wurdest?

Zunächst dasselbe wie bei allen Fahrern: Verwarnungsgeld oder Bußgeldbescheid nach dem Bußgeldkatalog. Zusätzliche Folgen gibt es nur, wenn der Verstoß ins Fahreignungsregister eingetragen wird. Bei einem Pkw ist das ab 21 km/h zu viel der Fall. Dann ordnet die Fahrerlaubnisbehörde ein Aufbauseminar an, und die Probezeit verlängert sich um zwei Jahre (§ 2a Abs. 2 und 2a StVG).

Was passiert in der Probezeit bei 15 km/h zu schnell?

Bei 11 bis 15 km/h zu viel kostet das mit dem Pkw innerorts 50 Euro und außerorts 40 Euro (Anhang BKatV, Tabelle 1 c, Stand: Oktober 2026). Es gibt keinen Punkt und keinen Eintrag ins Fahreignungsregister. Deshalb folgen weder Aufbauseminar noch Verlängerung der Probezeit. Das Verfahren endet meist mit einem Verwarnungsgeld, das Du innerhalb der gesetzten Frist zahlst.

Ist 20 km/h zu schnell in der Probezeit schon ein A-Verstoß?

Mit dem Pkw nicht. Für 16 bis 20 km/h sieht der Bußgeldkatalog innerorts 70 Euro und außerorts 60 Euro vor. Anlage 13 FeV bewertet diese Stufe aber nicht mit einem Punkt, sodass keine Eintragung erfolgt (§ 28 Abs. 3 Nr. 3 StVG). Ohne Eintragung gibt es keine Maßnahme nach § 2a StVG. Für Lkw, Busse und Gefahrguttransporte gelten andere Tabellen.

Was passiert bei 21 km/h zu schnell innerorts in der Probezeit?

Innerorts kosten 21 bis 25 km/h mit dem Pkw 115 Euro und einen Punkt (Anhang BKatV, Tabelle 1 c, Lfd. Nr. 11.3.4). Damit liegt ein A-Verstoß vor. Wird der Bescheid rechtskräftig, ordnet die Fahrerlaubnisbehörde ein Aufbauseminar an, und die Probezeit verlängert sich um zwei Jahre. Ein Fahrverbot sieht der Katalog für diese Stufe nicht vor.

Was passiert bei 30 km/h zu schnell in der Probezeit?

Für 26 bis 30 km/h zu viel stehen beim Pkw innerorts 180 Euro und außerorts 150 Euro im Katalog, jeweils mit einem Punkt. Das ist ein A-Verstoß mit Aufbauseminar und Verlängerung der Probezeit. Ab 31 km/h innerorts kommt ein Monat Fahrverbot hinzu, und es werden zwei Punkte eingetragen. Außerorts beginnt das Regelfahrverbot erst ab 41 km/h.

Gilt auf der Autobahn etwas anderes als innerorts?

Die Regeln zur Probezeit sind gleich, nur die Beträge unterscheiden sich. Die Autobahn zählt als außerhalb geschlossener Ortschaften, dort sind die Regelsätze etwas niedriger. Auch außerorts gibt es mit dem Pkw ab 21 km/h zu viel einen Punkt, also einen A-Verstoß. Ein Fahrverbot droht außerorts nach dem Katalog ab 41 km/h, Wiederholungsfälle ausgenommen (§ 4 Abs. 2 Satz 2 BKatV).

Wie oft darf man geblitzt in der Probezeit werden?

Ohne Punkt beliebig oft, mit Eintrag dreimal gestaffelt. Der erste A-Verstoß führt zum Aufbauseminar, der zweite nach dem Seminar zur schriftlichen Verwarnung mit der Empfehlung einer verkehrspsychologischen Beratung. Beim dritten, der nach Ablauf der zweimonatigen Beratungsfrist begangen wird, entzieht die Behörde die Fahrerlaubnis (§ 2a Abs. 2 Satz 1 StVG). Zwei B-Verstöße zählen jeweils wie ein A-Verstoß.

Wann ist der Führerschein weg, wenn ich geblitzt in der Probezeit wurde?

Auf drei Wegen. Die Fahrerlaubnisbehörde entzieht sie beim dritten eingetragenen Verstoß nach Seminar und Verwarnung (§ 2a Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 StVG) oder wenn Du ein angeordnetes Aufbauseminar nicht fristgerecht absolvierst (§ 2a Abs. 3 StVG). Daneben kann ein Gericht bei Straftaten wie einer Trunkenheitsfahrt die Fahrerlaubnis entziehen. Bei einem Fahrverbot bleibt die Fahrerlaubnis dagegen bestehen, Du darfst nur für ein bis drei Monate nicht fahren.

Verlängert sich die Probezeit auch, wenn der Bescheid erst nach ihrem Ende kommt?

Ja, wenn die Tat noch in der Probezeit lag. § 2a Abs. 2 StVG stellt auf die innerhalb der Probezeit begangene Ordnungswidrigkeit ab und gilt ausdrücklich auch dann, wenn die Probezeit zwischenzeitlich abgelaufen ist. Die Behörde ordnet das Aufbauseminar dann nachträglich an, und die Verlängerung um zwei Jahre tritt nach § 2a Abs. 2a StVG trotzdem ein.

Muss ich das Aufbauseminar machen, obwohl ich Widerspruch eingelegt habe?

In der Regel ja. Widerspruch und Anfechtungsklage gegen die Anordnung des Aufbauseminars haben nach § 2a Abs. 6 StVG keine aufschiebende Wirkung. Die gesetzte Frist läuft also weiter. Versäumst Du sie, droht die Entziehung der Fahrerlaubnis nach § 2a Abs. 3 StVG. Inhaltlich bringt der Widerspruch ohnehin wenig, weil die Behörde an die rechtskräftige Bußgeldentscheidung gebunden ist.

Ist es schlimm, mit 5 km/h zu schnell geblitzt in der Probezeit zu werden?

Für die Probezeit nicht. Bis 10 km/h zu viel kostet es mit dem Pkw innerorts 30 Euro und außerorts 20 Euro. Solche geringfügigen Verstöße werden meist mit einem Verwarnungsgeld zwischen 5 und 55 Euro erledigt (§ 56 Abs. 1 OWiG). Ein Punkt fällt nicht an, und ohne Eintragung im Fahreignungsregister gibt es keine Maßnahme nach § 2a StVG.

Quellen

  1. § 2a StVG Fahrerlaubnis auf Probe
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026
  2. Anlage 12 zu § 34 FeV (A- und B-Verstöße)
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026
  3. Anlage 13 zu § 40 FeV (Punktebewertung)
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026
  4. Anhang zur BKatV, Tabelle 1 (Geschwindigkeitsüberschreitungen)
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026
  5. § 28 StVG Fahreignungsregister
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026

Redaktion

Redaktion Kanzlei CleverLaw

Redaktion Rechtslexikon

Zur Redaktionsrichtlinie

Weitere Begriffe in Bußgeldverfahren

Kostenlose Fallprüfung

Schildere uns Deinen Fall. Wir prüfen kostenlos und unverbindlich, welche Möglichkeiten Du hast.