Nebenkostenguthaben

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Kurz erklärt Ein Nebenkostenguthaben entsteht, wenn Deine Vorauszahlungen auf die Betriebskosten höher waren als die tatsächlich umlegbaren Kosten des Abrechnungsjahres. Grundlage ist die Abrechnungspflicht nach § 556 Abs. 3 BGB. Das Guthaben wird nach der Rechtsprechung des BGH mit Zugang der Abrechnung fällig und verjährt in drei Jahren ab Jahresende.

Person in einem modernen deutschen Treppenhaus betrachtet einen Briefumschlag, der ein Nebenkostenguthaben nach der jährlichen Abrechnung enthalten könnte
Inhalt 4 Abschnitte

Wann muss der Vermieter das Nebenkostenguthaben auszahlen?

Der Vermieter muss jährlich über die Vorauszahlungen abrechnen und Dir die Nebenkostenabrechnung spätestens bis zum Ablauf des zwölften Monats nach Ende des Abrechnungszeitraums mitteilen (§ 556 Abs. 3 BGB). Ein Guthaben wird mit Erteilung der Abrechnung fällig (BGH, Urteil vom 09.03.2005, VIII ZR 57/04). Eine Schonfrist von einigen Wochen für das Nebenkostenguthaben sieht das Gesetz nicht vor. Zahlt der Vermieter das Nebenkostenguthaben nicht, kannst Du ihn mahnen; ab Verzug schuldet er Zinsen.

Prüfe die Abrechnung trotzdem. Ein Nebenkostenguthaben heißt nicht, dass sie richtig ist. Einwendungen musst Du innerhalb von zwölf Monaten nach Zugang erheben, es sei denn, Du hast die Verspätung nicht zu vertreten (§ 556 Abs. 3 Satz 6 BGB). Worauf es ankommt, zeigt Nebenkostenabrechnung prüfen.

Was gilt, wenn der Vermieter gar nicht abrechnet?

Dann hängt es davon ab, ob das Mietverhältnis noch läuft. Ist es beendet und die Abrechnungsfrist der Nebenkosten verstrichen, kannst Du die geleisteten Vorauszahlungen vollständig zurückverlangen, ohne zuerst auf Abrechnung klagen zu müssen (BGH, VIII ZR 57/04). Der Vermieter darf danach noch abrechnen und eine etwaige Restforderung einklagen.

Im laufenden Mietverhältnis gibt es diesen Rückzahlungsanspruch nicht. Du kannst aber die laufenden Vorauszahlungen zurückbehalten, bis ordnungsgemäß abgerechnet ist (BGH, Urteil vom 29.03.2006, VIII ZR 191/05). Der Fall kam aus Hamburg; die Mieter scheiterten mit der vollen Rückforderung. Die Miete selbst behältst Du dabei nicht ein, nur die Vorauszahlungen auf die Betriebskosten.

Darf der Vermieter das Nebenkostenguthaben verrechnen oder einbehalten?

Hat er eine fällige Gegenforderung, etwa einen unstreitigen Mietrückstand, kann er mit dem Guthaben aufrechnen (§ 387 BGB). Ohne solche Forderung darf er es nicht einfach behalten. Nach Auszug spielt oft die Kaution hinein; dazu Kautionsrückbehalt für Nebenkosten.

Wer haftet bei Verkauf? Für Abrechnungszeiträume, die beim Eigentumswechsel abgelaufen waren, rechnet der bisherige Eigentümer ab und zahlt das Guthaben aus, nicht der Erwerber (BGH, Urteil vom 03.12.2003, VIII ZR 168/03). Die Klage gegen den neuen Eigentümer blieb dort erfolglos.

Was passiert mit dem Guthaben bei Grundsicherung und künftigen Vorauszahlungen?

Beziehst Du Grundsicherungsgeld (seit 01.07.2026, früher Bürgergeld), mindern Guthaben, die den Kosten für Unterkunft und Heizung zuzuordnen sind, diese Kosten ab dem Monat nach der Gutschrift (§ 22 Abs. 3 SGB II). Außer Betracht bleiben Anteile für Haushaltsenergie und für Kosten, die das Jobcenter nicht anerkannt hat. Melde die Abrechnung mit dem Nebenkostenguthaben deshalb dem Jobcenter.

Nach einer Abrechnung kann jede Seite die Vorauszahlungen in Textform auf eine angemessene Höhe anpassen (§ 560 Abs. 4 BGB). Ein hohes Guthaben kann also ein Anlass sein, die Anpassung der Vorauszahlungen zu verlangen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Nebenkostenguthaben wird mit Zugang der Abrechnung fällig (BGH, VIII ZR 57/04).
  • Rechnet der Vermieter nach Mietende nicht fristgerecht ab, kannst Du alle Vorauszahlungen des Zeitraums zurückverlangen; im laufenden Mietverhältnis nur die laufenden Vorauszahlungen zurückbehalten (BGH, VIII ZR 191/05).
  • Für Abrechnungszeiträume vor einem Eigentumswechsel zahlt der frühere Eigentümer das Guthaben aus (BGH, VIII ZR 168/03).
  • Im Grundsicherungsbezug mindert das Guthaben die Unterkunftskosten ab dem Monat nach der Gutschrift (§ 22 Abs. 3 SGB II).

Häufige Fragen (10)

Wann muss ein Nebenkostenguthaben ausgezahlt werden?

Mit Zugang der Abrechnung. Der BGH sieht das Guthaben ab Erteilung der Abrechnung als fällig an (VIII ZR 57/04). Eine gesetzliche Zahlungsfrist von etwa vier Wochen gibt es nicht. Zahlt der Vermieter nicht, setze ihm schriftlich eine Frist; nach einer Mahnung gerät er in Verzug und schuldet Verzugszinsen. Steht im Mietvertrag ein bestimmter Zahlungsweg, etwa Verrechnung mit der nächsten Miete, gilt diese Vereinbarung.

Darf ich das Nebenkostenguthaben mit der Miete verrechnen?

Rechtlich ist das eine Aufrechnung nach § 387 BGB, die möglich ist, wenn Dein Guthaben fällig ist. Mietverträge können aber Klauseln enthalten, die Aufrechnungen einschränken. § 556b Abs. 2 BGB schützt Dich gegen solche Klauseln nur bei Ansprüchen aus §§ 536a, 539 BGB oder zu viel gezahlter Miete, nicht ausdrücklich beim Betriebskostenguthaben. Kündige die Verrechnung schriftlich an und prüfe vorher den Vertrag.

Darf der Vermieter das Nebenkostenguthaben einbehalten?

Nur wenn er eine fällige Gegenforderung hat, mit der er aufrechnen kann, etwa offene Miete. Ohne eine solche Forderung muss er das Nebenkostenguthaben auszahlen. Behauptet er Gegenansprüche, sollte er sie konkret beziffern. Ein bereits errechnetes Guthaben darf er auch nach Deinem Auszug nicht ohne Grund behalten.

Wird das Nebenkostenguthaben beim Jobcenter angerechnet?

Ja. Nach § 22 Abs. 3 SGB II mindern Rückzahlungen und Guthaben, die den Kosten für Unterkunft und Heizung zuzuordnen sind, diese Aufwendungen ab dem Monat nach der Gutschrift. Das Jobcenter zahlt dann entsprechend weniger für die Unterkunft. Anteile, die auf Haushaltsenergie entfallen, etwa Strom, oder auf nicht anerkannte Unterkunftskosten, bleiben außer Betracht. Du musst Abrechnung und Guthaben dem Jobcenter mitteilen.

Wie lange kann ich ein Nebenkostenguthaben einfordern?

Der Anspruch verjährt in der regelmäßigen Frist von drei Jahren (§ 195 BGB). Sie beginnt mit dem Schluss des Jahres, in dem das Guthaben fällig geworden ist, also in dem die Abrechnung zugegangen ist (§ 199 Abs. 1 BGB). Ein Guthaben aus einer Abrechnung vom Oktober 2026 verjährt danach mit Ablauf des Jahres 2029. Eine Mahnung allein hemmt die Verjährung des Nebenkostenguthabens nicht.

Was tun, wenn der Vermieter das Guthaben nicht auszahlt?

Fordere es schriftlich mit Fristsetzung an und nenne Betrag und Kontoverbindung. Reagiert der Vermieter nicht, kommen ein gerichtlicher Mahnbescheid oder eine Klage beim Amtsgericht in Betracht, in Hamburg beim jeweils zuständigen Amtsgericht für den Bezirk der Wohnung. Läuft das Mietverhältnis noch, kann eine Verrechnung mit der Miete in Frage kommen, wenn der Vertrag sie nicht wirksam ausschließt.

Muss der Vermieter auch nach dem Auszug noch abrechnen?

Ja. Die Pflicht zur jährlichen Abrechnung nach § 556 Abs. 3 BGB endet nicht mit dem Auszug. Die Abrechnung für das letzte Jahr kann deshalb erst lange nach Mietende kommen. Versäumt der Vermieter die Zwölfmonatsfrist, kannst Du bei beendetem Mietverhältnis die Vorauszahlungen für diesen Zeitraum zurückverlangen (BGH, VIII ZR 57/04). Teile ihm deshalb Deine neue Anschrift mit.

Muss ich ein Nebenkostenguthaben versteuern?

Als Mieter einer privat genutzten Wohnung nicht, denn das Guthaben ist eine Rückzahlung eigener Vorauszahlungen und kein Einkommen. Hast Du haushaltsnahe Dienstleistungen aus der Abrechnung, etwa Hausmeister oder Gartenpflege, steuerlich geltend gemacht, kann sich der berücksichtigte Betrag ändern. Für die Einzelheiten ist eine steuerberatende Stelle der richtige Ansprechpartner.

Wer zahlt das Guthaben nach einem Eigentümerwechsel?

Für Abrechnungszeiträume, die zum Zeitpunkt des Eigentumswechsels bereits abgelaufen waren, ist der frühere Eigentümer zur Abrechnung und zur Auszahlung des Guthabens verpflichtet (BGH, VIII ZR 168/03). Für den Zeitraum, der beim Wechsel noch lief, rechnet der neue Eigentümer ab. Frag im Zweifel bei beiden schriftlich nach und lass Dir den Stichtag des Eigentumsübergangs nennen.

Kann ich nach einem hohen Guthaben die Vorauszahlungen senken?

Ja. Nach einer Abrechnung kann jede Vertragspartei durch Erklärung in Textform eine Anpassung der Vorauszahlungen auf eine angemessene Höhe vornehmen (§ 560 Abs. 4 BGB). Maßgeblich ist, welche Kosten für das laufende Jahr realistisch zu erwarten sind. Sinkst Du zu stark ab, droht im nächsten Jahr eine Nachzahlung. Eine zu Deinem Nachteil abweichende Vereinbarung ist unwirksam (§ 560 Abs. 6 BGB).

Quellen

  1. § 556 BGB Vereinbarungen über Betriebskosten
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 28.10.2026
  2. BGH, Urteil vom 03.12.2003, VIII ZR 168/03 (Abrechnung nach Eigentumswechsel)
    UrteilBundesgerichtshof · abgerufen am 28.10.2026
  3. § 22 SGB II Bedarfe für Unterkunft und Heizung
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 28.10.2026
  4. § 560 BGB Veränderungen von Betriebskosten
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 28.10.2026

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