Kündigung wegen Arbeitsverweigerung

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Kurz erklärt Eine Kündigung wegen Arbeitsverweigerung ist eine verhaltensbedingte Kündigung, weil Du geschuldete Arbeit bewusst nicht leistest. Sie stützt sich auf § 1 Abs. 2 KSchG oder als fristlose Kündigung auf § 626 BGB. In der Regel setzt sie eine vorherige Abmahnung voraus; die fristlose Kündigung muss binnen zwei Wochen ab Kenntnis des Arbeitgebers erklärt werden.

Verärgerter Mitarbeiter verweigert die Arbeit an einer Maschine in einer deutschen Fabrikhalle, was zu einer Kündigung wegen Arbeitsverweigerung führen kann
Inhalt 3 Abschnitte

Wann ist die Weigerung bei einer Kündigung wegen Arbeitsverweigerung überhaupt eine Pflichtverletzung?

Arbeitsverweigerung setzt voraus, dass Du zu der Arbeit verpflichtet warst. Der Arbeitgeber darf Inhalt, Ort und Zeit der Arbeit nur nach billigem Ermessen bestimmen, soweit Vertrag, Tarifvertrag, Betriebsvereinbarung oder Gesetz nichts festlegen (§ 106 GewO). An eine unbillige Weisung bist Du nicht gebunden, auch nicht vorläufig. So hat das Bundesarbeitsgericht entschieden und zwei Abmahnungen wegen Nichtbefolgens einer Versetzung aus der Personalakte entfernen lassen (BAG, Urteil vom 18.10.2017, 10 AZR 330/16).

Außerdem kennt das Gesetz Leistungsverweigerungsrechte. Nach § 275 Abs. 3 BGB darfst Du eine persönlich geschuldete Leistung verweigern, wenn sie Dir nach Abwägung nicht zugemutet werden kann. Nach § 273 BGB kannst Du Deine Arbeit unter Umständen zurückhalten, bis ein fälliger Anspruch, etwa offener Lohn, erfüllt ist. Wer zum Beispiel unzulässige Überstunden ablehnt, verweigert keine geschuldete Arbeit.

Wann ist eine Kündigung wegen Arbeitsverweigerung gerechtfertigt?

Die Arbeitsverweigerung ist ein klassischer Grund für eine verhaltensbedingte Kündigung. Das Kündigungsschutzgesetz greift, wenn Dein Arbeitsverhältnis länger als sechs Monate besteht (§ 1 Abs. 1 KSchG) und im Betrieb in der Regel mehr als zehn Arbeitnehmer beschäftigt sind. Hat Dein Arbeitsverhältnis vor dem 01.01.2004 begonnen, kann die alte Schwelle von mehr als fünf Arbeitnehmern gelten (§ 23 Abs. 1 Satz 2 und 3 KSchG). Dann prüft das Gericht, ob die Kündigung verhältnismäßig ist. Eine Abmahnung geht in der Regel vor, weil sie das mildere Mittel ist.

Bei beharrlicher Weigerung kann sogar eine fristlose Kündigung nach § 626 Abs. 1 BGB wirksam sein. Ein Irrtum schützt dabei nicht unbedingt: Wer sich zu Unrecht auf § 275 Abs. 3 oder § 273 BGB beruft, trägt das Risiko (BAG, Urteil vom 22.10.2015, 2 AZR 569/14). Im entschiedenen Fall war ein IT-Mitarbeiter trotz dreier Abmahnungen mehr als dreieinhalb Wochen nicht zur Arbeit erschienen. Das BAG hob das Urteil des Landesarbeitsgerichts auf, die fristlose Kündigung hatte Bestand.

Welche Fristen laufen und welche Folgen drohen?

Für die fristlose Kündigung hat der Arbeitgeber nur zwei Wochen ab Kenntnis der maßgeblichen Tatsachen (§ 626 Abs. 2 BGB), siehe Zwei-Wochen-Frist bei fristloser Kündigung. Du selbst musst innerhalb von drei Wochen nach Zugang der schriftlichen Kündigung Kündigungsschutzklage erheben (§ 4 Satz 1 KSchG), auch gegen eine fristlose Kündigung (§ 13 Abs. 1 Satz 2 KSchG).

Hinzu kommt das Arbeitslosengeld. Hast Du durch arbeitsvertragswidriges Verhalten Anlass für die Kündigung gegeben und die Arbeitslosigkeit vorsätzlich oder grob fahrlässig herbeigeführt, droht eine Sperrzeit beim Arbeitslosengeld von in der Regel zwölf Wochen (§ 159 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 und Abs. 3 SGB III). Ob das Verhalten bei einer Kündigung wegen Arbeitsverweigerung wirklich vertragswidrig war, prüft die Agentur für Arbeit eigenständig.

Das Wichtigste in Kürze

  • Arbeitsverweigerung setzt eine verbindliche Weisung voraus; an eine unbillige Weisung bist Du nicht gebunden (§ 106 GewO, BAG 10 AZR 330/16).
  • Wer sich zu Unrecht auf ein Leistungsverweigerungsrecht beruft, kann wegen beharrlicher Arbeitsverweigerung fristlos gekündigt werden (BAG, 22.10.2015, 2 AZR 569/14).
  • Vor einer Kündigung ist in der Regel eine Abmahnung als milderes Mittel erforderlich.
  • Die fristlose Kündigung muss binnen zwei Wochen ab Kenntnis erklärt werden (§ 626 Abs. 2 BGB); Du musst binnen drei Wochen klagen (§ 4 Satz 1, § 13 Abs. 1 Satz 2 KSchG).
  • Nach einer Kündigung wegen Arbeitsverweigerung droht in der Regel eine Sperrzeit von zwölf Wochen (§ 159 Abs. 3 SGB III).

Häufige Fragen (10)

Ist eine fristlose Kündigung wegen Arbeitsverweigerung möglich?

Sie kann es sein, vor allem bei beharrlicher Weigerung. § 626 Abs. 1 BGB verlangt einen wichtigen Grund, der die Fortsetzung bis zum Ende der Kündigungsfrist unzumutbar macht. Das BAG hat eine fristlose Kündigung bestätigt, nachdem ein Arbeitnehmer trotz dreier Abmahnungen wochenlang nicht gearbeitet hatte (2 AZR 569/14). Für eine Kündigung wegen Arbeitsverweigerung reicht eine einmalige Weigerung ohne Abmahnung in der Regel nicht.

Braucht der Arbeitgeber vor einer Kündigung wegen Arbeitsverweigerung eine Abmahnung?

In der Regel ja. Die Abmahnung ist das mildere Mittel und soll Dir Gelegenheit geben, Dein Verhalten zu ändern. Eine außerordentliche Kündigung scheidet nach dem BAG aus, wenn eine Abmahnung, Versetzung oder ordentliche Kündigung den Zweck ebenfalls erreichen kann (2 AZR 569/14). Entbehrlich kann sie bei besonders schweren Pflichtverletzungen sein oder wenn erkennbar ist, dass Du Dein Verhalten nicht ändern wirst.

Wann ist Arbeitsverweigerung erlaubt?

Wenn die Weisung unbillig oder unzulässig ist, etwa weil sie gegen Vertrag, Tarif oder Gesetz verstößt. Dann bist Du nach dem BAG nicht einmal vorläufig an sie gebunden (10 AZR 330/16). Daneben erlaubt § 275 Abs. 3 BGB die Verweigerung bei Unzumutbarkeit und § 273 BGB ein Zurückbehaltungsrecht bei offenen fälligen Ansprüchen. Ob die Voraussetzungen vorliegen, lässt Du am besten vorher prüfen.

Darf ich Überstunden verweigern?

Das hängt davon ab, ob Dein Arbeitsvertrag, ein Tarifvertrag oder eine Betriebsvereinbarung Überstunden vorsieht. Fehlt eine solche Grundlage, kann der Arbeitgeber sie nicht einfach über sein Weisungsrecht nach § 106 GewO anordnen. Höchstarbeitszeiten nach dem Arbeitszeitgesetz begrenzen die Pflicht zusätzlich. Eine berechtigte Ablehnung ist keine Arbeitsverweigerung und rechtfertigt keine Abmahnung.

Ist Arbeitsverweigerung strafbar?

Strafbar ist sie nicht. Arbeitsverweigerung im Arbeitsverhältnis ist eine Vertragsverletzung, keine Straftat. Die Folgen sind arbeitsrechtlich: Abmahnung, Kündigung und für die nicht geleistete Zeit in der Regel kein Lohnanspruch. Unter Umständen kann der Arbeitgeber Schadensersatz verlangen, wenn ihm durch die Weigerung ein Schaden entstanden ist. Für Beamte gelten mit dem Disziplinarrecht eigene Regeln.

Was passiert, wenn ich mich irre und doch arbeiten musste?

Das Risiko trägst Du. Das BAG hat entschieden, dass auch die irrtümliche Berufung auf ein Leistungsverweigerungsrecht nach § 275 Abs. 3 oder ein Zurückbehaltungsrecht nach § 273 BGB eine beharrliche Arbeitsverweigerung sein kann (Urteil vom 22.10.2015, 2 AZR 569/14). Wer unsicher ist, kann die Arbeit unter Vorbehalt leisten und die Weisung gerichtlich klären lassen. Welche Variante sinnvoll ist, hängt vom Einzelfall ab.

Bekomme ich nach einer Kündigung wegen Arbeitsverweigerung Arbeitslosengeld?

Ja, aber es droht eine Sperrzeit. Hast Du durch arbeitsvertragswidriges Verhalten Anlass für die Kündigung gegeben und die Arbeitslosigkeit vorsätzlich oder grob fahrlässig verursacht, ruht der Anspruch in der Regel zwölf Wochen (§ 159 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1, Abs. 3 SGB III). Gewinnst Du den Kündigungsschutzprozess oder war die Weisung unzulässig, kann die Sperrzeit entfallen.

Wie schnell muss der Arbeitgeber eine fristlose Kündigung wegen Arbeitsverweigerung aussprechen?

Innerhalb von zwei Wochen, nachdem der Kündigungsberechtigte von den maßgeblichen Tatsachen Kenntnis erlangt hat (§ 626 Abs. 2 BGB). Bleibt der Arbeitnehmer der Arbeit fortlaufend fern, liegt ein Dauertatbestand vor, der sich jeden Tag neu verwirklicht (BAG, 2 AZR 569/14). Wartet der Arbeitgeber nach einem abgeschlossenen Vorfall länger, bleibt ihm nur die ordentliche Kündigung.

Ist es Arbeitsverweigerung, wenn ich krank bin?

Nein. Bist Du arbeitsunfähig erkrankt, schuldest Du in dieser Zeit keine Arbeit, und der Arbeitgeber muss das Entgelt bis zu sechs Wochen fortzahlen (§ 3 Abs. 1 EntgFG). Problematisch wird es, wenn die Arbeitsunfähigkeit nur vorgeschoben ist oder Du Deine Meldepflicht verletzt. Das ist dann aber eine andere Pflichtverletzung als die klassische Arbeitsverweigerung.

Kann ich mich gegen eine Kündigung wegen Arbeitsverweigerung wehren?

Der Weg dafür ist die Kündigungsschutzklage innerhalb von drei Wochen nach Zugang der schriftlichen Kündigung (§ 4 Satz 1 KSchG). Das gilt auch für die fristlose Kündigung wegen Arbeitsverweigerung (§ 13 Abs. 1 Satz 2 KSchG). Im Prozess muss der Arbeitgeber die Pflichtverletzung beweisen, also auch, dass seine Weisung wirksam war. Unterlagen zu Weisung, Abmahnungen und Arbeitsangebot sind dabei wichtig.

Quellen

  1. § 106 GewO Weisungsrecht des Arbeitgebers
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026
  2. § 626 BGB Fristlose Kündigung aus wichtigem Grund
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026
  3. § 275 BGB Ausschluss der Leistungspflicht
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026
  4. BAG, Urteil vom 22.10.2015, 2 AZR 569/14 (beharrliche Arbeitsverweigerung)
    UrteilBundesarbeitsgericht · abgerufen am 27.10.2026
  5. BAG, Urteil vom 18.10.2017, 10 AZR 330/16 (unbillige Weisung)
    UrteilBundesarbeitsgericht · abgerufen am 27.10.2026
  6. § 159 SGB III Sperrzeit
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026

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