Blitzer am Stauende

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Kurz erklärt Ein Blitzer am Stauende ist eine Geschwindigkeitsmessung vor einer Stau- oder Gefahrenstelle, meist auf Autobahnen mit vorübergehendem Tempolimit. Grundlage für die Ahndung sind § 3 StVO, die Verkehrszeichen und die Tempotabelle im Anhang der BKatV. Wer außerorts 41 km/h oder mehr zu schnell ist, muss in der Regel mit einem Monat Fahrverbot rechnen.

Geschwindigkeitsmessung mit einem mobilen Blitzer am Stauende auf einer deutschen Autobahn mit vielen Autos im Berufsverkehr
Inhalt 3 Abschnitte

Warum steht ein Blitzer am Stauende?

Ein Stauende ist eine typische Gefahrenstelle: Wer mit hohem Tempo auf stehende Fahrzeuge trifft, hat kaum Reaktionszeit. Verkehrsbehörden können das Tempo dort vorübergehend begrenzen, auf Autobahnen auch über elektronische Anzeigen. Solche Wechselverkehrszeichen dürfen nach § 39 Abs. 4 StVO in umgekehrten Farben leuchten und gelten wie ein festes Schild. Regelungen durch Verkehrszeichen gehen den allgemeinen Verkehrsregeln vor (§ 39 Abs. 2 StVO). Mehr dazu unter Geschwindigkeitsbegrenzung durch Verkehrszeichen.

Auch ohne Schild gilt § 3 Abs. 1 StVO: Du darfst nur so schnell fahren, dass Du das Fahrzeug ständig beherrschst und innerhalb der überschaubaren Strecke halten kannst. Gemessen werden kann auch mobil, etwa mit einem mobilen Blitzer oder einem Lasergerät. Für die Folgen gelten dieselben Regeln wie bei jeder Geschwindigkeitsüberschreitung auf der Autobahn.

Was kostet ein Blitzer am Stauende?

Die Regelsätze für Pkw außerorts stehen in Tabelle 1 des Anhangs zur BKatV, Lfd. Nr. 11.3 (Stand Oktober 2026):

ÜberschreitungRegelsatzFahrverbot
21 bis 25 km/h100 Euronein
26 bis 30 km/h150 Euronein
31 bis 40 km/h200 Euronein
41 bis 50 km/h320 Euro1 Monat
51 bis 60 km/h480 Euro1 Monat
61 bis 70 km/h600 Euro2 Monate
über 70 km/h700 Euro3 Monate

Vorher wird der Toleranzabzug vorgenommen: bis 100 km/h 3 km/h, darüber 3 Prozent des Messwerts (PTB). Bei einer Gefährdung erhöhen sich Regelsätze über 55 Euro nach § 3 Abs. 3 BKatV, bei Vorsatz verdoppeln sie sich (§ 3 Abs. 4a BKatV). Zwei Überschreitungen von mindestens 26 km/h binnen eines Jahres führen in der Regel zum Fahrverbot bei Geschwindigkeitsüberschreitung wegen Beharrlichkeit (§ 4 Abs. 2 Satz 2 BKatV).

Wo setzt die Prüfung eines Bescheids an?

Bei einem Blitzer am Stauende geht es zuerst um das Tempolimit selbst. War die Anzeige beim Blitzer am Stauende zum Messzeitpunkt tatsächlich geschaltet und für Dich erkennbar? Das lässt sich nur aus den Unterlagen klären, etwa dem Messprotokoll und den Daten der Anlage. Dann geht es um die Messung: Gerät, Eichung, Bedienung. Das Bundesverfassungsgericht hat 2020 entschieden, dass Betroffene Zugang zu Messunterlagen außerhalb der Akte verlangen können, etwa Rohmessdaten (BVerfG, 2 BvR 1616/18).

Neben dem Blitzer am Stauende kommt eine zweite Pflicht hinzu. Stockt der Verkehr auf der Autobahn, musst Du eine Rettungsgasse bilden (§ 11 Abs. 2 StVO); sonst drohen nach Lfd. Nr. 50 BKatV 200 Euro und in der Regel ein Monat Fahrverbot (§ 4 Abs. 1 Nr. 3 BKatV). Für Berufskraftfahrer kann ein Fahrverbot auch arbeitsrechtliche Folgen haben, dazu Kündigung wegen Verlust des Führerscheins.

Das Wichtigste in Kürze

  • Elektronisch angezeigte Tempolimits gelten wie feste Schilder (§ 39 Abs. 4 StVO).
  • Außerorts kosten 41 bis 50 km/h zu viel 320 Euro und in der Regel einen Monat Fahrverbot (Anhang BKatV, Lfd. Nr. 11.3.7, Stand Oktober 2026).
  • Vom Messwert werden bis 100 km/h 3 km/h, darüber 3 Prozent abgezogen.
  • Ob das Limit zum Messzeitpunkt geschaltet war, lässt sich über die Anlagendaten prüfen; Messunterlagen außerhalb der Akte können nach BVerfG 2 BvR 1616/18 verlangt werden.
  • Keine Rettungsgasse im Stau kostet 200 Euro und in der Regel einen Monat Fahrverbot (Lfd. Nr. 50 BKatV).

Häufige Fragen (10)

Darf ein Blitzer am Stauende messen?

Ja. Ein gesetzliches Verbot, an Gefahrenstellen wie einem Stauende zu messen, gibt es nicht. Gerade dort soll die Geschwindigkeit sinken, weil Auffahrunfälle schwer ausgehen können. Voraussetzung ist, dass ein Tempolimit wirksam angeordnet und erkennbar war oder dass Du gegen die allgemeine Pflicht zur angepassten Geschwindigkeit nach § 3 Abs. 1 StVO verstoßen hast. Gemessen werden muss mit einem zugelassenen, geeichten Gerät.

Gilt ein Tempolimit auf einer elektronischen Anzeigetafel?

Ja. Wechselverkehrszeichen sind Verkehrszeichen, sie dürfen nach § 39 Abs. 4 StVO mit umgekehrten Farben leuchten, also weiße Zahl auf schwarzem Grund. Sie gelten, solange sie angezeigt werden. Schaltet die Anlage das Limit ab, endet auch die Pflicht. Streit entsteht vor allem darüber, ob die Anzeige im Moment der Vorbeifahrt schon geschaltet war. Das lässt sich nur mit den Schaltdaten der Anlage klären.

Wie viel Toleranz wird bei einer Messung auf der Autobahn abgezogen?

Bei Messwerten bis 100 km/h werden 3 km/h abgezogen, darüber 3 Prozent des Messwerts. Das entspricht den Verkehrsfehlergrenzen, die die Physikalisch-Technische Bundesanstalt nennt. Bei einem Messwert von 140 km/h sind das 4,2 km/h. Erst dieser Wert wird der Zeile im Bußgeldkatalog zugeordnet. Der Abzug passiert automatisch, Du musst ihn nicht beantragen.

Ab wann gibt es außerorts ein Fahrverbot?

Bei einem ersten Verstoß mit einem Pkw ab 41 km/h zu viel. Für 41 bis 50 km/h sieht Lfd. Nr. 11.3.7 der BKatV 320 Euro und einen Monat Fahrverbot vor (Stand Oktober 2026). Schon ab 26 km/h ist ein Fahrverbot möglich, wenn Du binnen eines Jahres nach Rechtskraft einer ersten solchen Überschreitung erneut so schnell bist (§ 4 Abs. 2 Satz 2 BKatV).

Gibt es Punkte für den Blitzer am Stauende?

Ab 21 km/h zu viel außerorts ja. Ins Fahreignungsregister kommt ein Verstoß nach § 28 Abs. 3 Nr. 3 StVG ab 60 Euro Geldbuße oder bei einem Fahrverbot, sofern ihn Anlage 13 der Fahrerlaubnis-Verordnung aufführt. Für Pkw außerorts sieht Anlage 13 bei 21 bis 40 km/h einen Punkt vor (Lfd. Nr. 11.3.4 bis 11.3.6), ab 41 km/h zwei Punkte (11.3.7 bis 11.3.10). Auch die fehlende Rettungsgasse bringt zwei Punkte.

Kann ein Blitzer am Stauende einen Unfall verursachen?

Die Messung selbst zwingt niemanden zum Bremsen, wenn das Tempo eingehalten wird. Kommt es zu einem Auffahrunfall, ist zu klären, wer den Abstand nach § 4 Abs. 1 Satz 1 StVO nicht eingehalten hat, der ein Anhalten auch bei plötzlichem Bremsen des Vordermanns ermöglichen muss. Wer vorausfährt, darf nach Satz 2 nicht ohne zwingenden Grund stark bremsen. Ein Vollbremsen nur wegen eines Blitzers kann deshalb selbst ein Verstoß sein.

Was passiert, wenn ich am Stauende zu schnell war und jemanden gefährdet habe?

Dann wird es teurer. Regelsätze über 55 Euro erhöhen sich bei einer Gefährdung nach § 3 Abs. 3 BKatV in Verbindung mit Tabelle 4 des Anhangs. Bei einer grob verkehrswidrigen und rücksichtslosen Fahrweise mit konkreter Gefahr für andere kann die Grenze zur Straftat überschritten sein, etwa bei der Gefährdung des Straßenverkehrs nach § 315c StGB. Dann gibt die Behörde die Sache an die Staatsanwaltschaft ab (§ 41 OWiG).

Kann ich mich gegen einen Blitzer am Stauende wehren?

Du kannst innerhalb von zwei Wochen nach Zustellung Einspruch gegen den Bußgeldbescheid einlegen (§ 67 Abs. 1 OWiG). Ansatzpunkte sind etwa die Schaltung der Anzeige zum Messzeitpunkt, die Eichung und Bedienung des Geräts, die Zuordnung der Messung zu Deinem Fahrzeug und die Fahreridentifizierung. Dafür ist Akteneinsicht nötig. Ob sich das lohnt, hängt vom Ergebnis dieser Prüfung ab und lässt sich vorab nicht pauschal sagen.

Wie lange dauert es, bis der Bußgeldbescheid nach dem Blitzen kommt?

Eine feste Frist für den Versand gibt es nicht. Die Behörde muss aber die Verfolgungsverjährung beachten: Bei Verkehrsordnungswidrigkeiten nach § 24 StVG beträgt sie in der Regel sechs Monate (§ 26 Abs. 3 Satz 1 StVG). Die Frist wird durch bestimmte Maßnahmen unterbrochen, etwa die Anordnung der Anhörung, und beginnt dann neu (§ 33 OWiG). Spätestens nach dem Doppelten der Frist, mindestens zwei Jahren, ist Schluss.

Was kostet es, im Stau keine Rettungsgasse zu bilden?

Nach Lfd. Nr. 50 der Anlage zur BKatV 200 Euro, und es kommt in der Regel ein Monat Fahrverbot hinzu, weil § 4 Abs. 1 Nr. 3 BKatV diese Nummer als Regelfahrverbot nennt (Stand Oktober 2026). Mit Behinderung, Gefährdung oder Sachbeschädigung steigt der Satz weiter. Die Pflicht entsteht nach § 11 Abs. 2 StVO, sobald Fahrzeuge auf der Autobahn mit Schrittgeschwindigkeit fahren oder stehen.

Quellen

  1. Anhang zur BKatV, Tabelle 1 Geschwindigkeitsüberschreitungen
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 28.10.2026
  2. § 39 StVO Verkehrszeichen (Abs. 4 Wechselverkehrszeichen)
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 28.10.2026
  3. § 4 BKatV Regelfahrverbot
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 28.10.2026
  4. § 3 StVO Geschwindigkeit
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 28.10.2026
  5. Stellungnahme der PTB zum Toleranzabzug bei der amtlichen Geschwindigkeitsüberwachung (Fassung 02.08.2016)
    BehördePhysikalisch-Technische Bundesanstalt · abgerufen am 28.10.2026
  6. BVerfG, Beschluss vom 12.11.2020, 2 BvR 1616/18 (Zugang zu Messunterlagen)
    UrteilBundesverfassungsgericht · abgerufen am 28.10.2026

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