Influencer-Coaching
Kurz erklärt Influencer-Coaching ist ein meist online gebuchtes Programm, das Reichweite, Content und Einnahmen auf Social Media vermitteln soll. Rechtlich ist es in der Regel ein Dienstvertrag nach § 611 BGB, Follower oder Umsatz sind nicht geschuldet. Überwiegen Videolektionen mit Lernkontrolle, kann das FernUSG gelten; ohne ZFU-Zulassung ist der Vertrag dann nach § 7 Abs. 1 FernUSG nichtig.

Inhalt 3 Abschnitte
Was kaufst Du beim Influencer-Coaching rechtlich?
Meist einen Dienstvertrag nach § 611 BGB: Der Coach schuldet Unterricht, Feedback und Betreuung, keinen Erfolg. 10.000 Follower oder ein festes Monatseinkommen musst Du ihm also nicht nachweisen lassen, um zu zahlen. Anders ist es nur, wenn der Vertrag ausdrücklich ein Ergebnis zusagt. Den Unterschied erklärt Dienstvertrag und Werkvertrag.
Werbeaussagen für ein Influencer-Coaching bleiben trotzdem nicht folgenlos. Unwahre Verdienstzahlen können irreführend nach § 5 UWG sein, siehe Einkommensversprechen in der Werbung. Eine zugesagte Rückerstattung bei Misserfolg ist nur so viel wert wie ihre Bedingungen, mehr dazu unter Geld-zurück-Garantie.
Wann fällt ein Social-Media-Coaching unter das FernUSG?
Wenn drei Merkmale aus § 1 Abs. 1 FernUSG zusammenkommen: entgeltliche Vermittlung von Kenntnissen, überwiegende räumliche Trennung und Überwachung des Lernerfolgs. Räumlich getrennt im Sinn des Gesetzes ist nur asynchroner Unterricht; aufgezeichnete Live-Calls, die Du jederzeit abrufen kannst, zählen dazu (BGH, 05.02.2026, III ZR 137/25; BGH, 07.05.2026, III ZR 142/25).
Ob ein Influencer-Coaching darunter fällt, entscheidet der Einzelfall. Im Verfahren III ZR 80/25 (15.01.2026) stufte der BGH aber beide gebuchten Business-Programme als Fernunterricht ein und bestätigte die Rückzahlung von 5.148 Euro. Fehlt die ZFU-Zulassung, ist der Vertrag nach § 7 Abs. 1 FernUSG nichtig; Wertersatz muss der Anbieter konkret darlegen, siehe Wertersatz bei nichtigem Vertrag.
Stand der Gesetzgebung (Oktober 2026): Das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat am 27.08.2026 den Referentenentwurf eines Gesetzes zur Modernisierung und Entbürokratisierung des Fernunterrichts veröffentlicht (aktuelle Fassung: Bearbeitungsstand 05.10.2026). Danach sollen die §§ 1 bis 26 FernUSG zum 01.07.2027 entfallen, auch die Zulassungspflicht; das Gesetz soll mit Ablauf des 30.06.2028 außer Kraft treten. Beschlossen ist das nicht. Bis zur Verkündung gilt das FernUSG unverändert (ZFU, 07.09.2026). Für bereits geschlossene Verträge enthält der Entwurf keine eigene Regel.
Kannst Du ein Influencer-Coaching widerrufen?
Als Verbraucher meist ja, wenn Du online, per Telefon oder Videocall gebucht hast: Nach § 312g BGB gilt ein Widerrufsrecht von 14 Tagen (§ 355 Abs. 2 BGB). Ohne ordnungsgemäße Belehrung erlischt es spätestens nach zwölf Monaten und 14 Tagen (§ 356 Abs. 4 BGB). Details unter Widerrufsrecht beim Online-Coaching.
Verdienst Du schon mit Deinem Kanal Geld, buchst Du das Influencer-Coaching oft als Unternehmer nach § 14 BGB. Dann entfällt der Widerruf, das FernUSG gilt aber weiter (BGH, 12.06.2025, III ZR 109/24). Wo die Grenze für Einsteiger verläuft, erklärt Existenzgründer als Verbraucher.
Das Wichtigste in Kürze
- Influencer-Coaching ist in der Regel ein Dienstvertrag nach § 611 BGB; Follower oder Umsatz sind nur geschuldet, wenn der Vertrag sie ausdrücklich zusagt.
- Überwiegen asynchrone Inhalte mit Lernkontrolle, kann das FernUSG greifen; ohne ZFU-Zulassung ist der Vertrag nach § 7 Abs. 1 FernUSG nichtig.
- Das FernUSG schützt auch Unternehmer (BGH, 12.06.2025, III ZR 109/24).
- Als Verbraucher hast Du bei Online- oder Telefonbuchung 14 Tage Widerrufsrecht (§§ 312g, 355 BGB).
- Ein Referentenentwurf vom 27.08.2026 will die Zulassungspflicht ab 01.07.2027 abschaffen; beschlossen ist das nicht.
Häufige Fragen (11)
Ist Influencer-Coaching seriös?
Ob ein Influencer-Coaching seriös ist, lässt sich nicht pauschal sagen. Prüfe vor der Buchung, was genau geliefert wird: Anzahl der Lektionen, Art der Calls, Laufzeit, Kündigungsrechte und Preis inklusive Umsatzsteuer. Vorsicht ist geboten bei Druck zur sofortigen Unterschrift, Ratenmodellen über Drittanbieter und konkreten Einkommensversprechen. Ob ein Programm als Fernunterricht eine ZFU-Zulassung braucht, kannst Du in der Lehrgangssuche der ZFU nachsehen.
Muss ein Social-Media-Coach eine ZFU-Zulassung haben?
Nur, wenn sein Programm Fernunterricht nach § 1 Abs. 1 FernUSG ist: Wissensvermittlung gegen Geld, überwiegend asynchron und mit Überwachung des Lernerfolgs. Reine Live-Einzelberatung ohne Aufzeichnung ist nach dem BGH kein räumlich getrennter Unterricht (III ZR 137/25). Ein Videokurs mit Aufgaben und Feedback kann dagegen unter das Gesetz fallen. Bietet der Coach zulassungspflichtigen Unterricht ohne Zulassung an, ist der Vertrag nach § 7 Abs. 1 FernUSG nichtig.
Kann ich bei einem Influencer-Coaching mein Geld zurückfordern?
Möglich ist das auf mehreren Wegen. Ist der Vertrag mangels ZFU-Zulassung nichtig, kannst Du gezahlte Beträge nach § 812 BGB zurückverlangen; der Anbieter muss einen Wertersatz konkret darlegen. Als Verbraucher kommt ein Widerruf in Betracht, bei fehlerhafter Belehrung auch noch spät. Daneben können Anfechtung wegen Täuschung oder Sittenwidrigkeit eine Rolle spielen. Welcher Weg trägt, hängt vom Vertrag ab.
Gilt das Widerrufsrecht beim Influencer-Coaching auf Instagram?
Ja, wenn Du als Verbraucher über Website, Telefon, Zoom oder Messenger gebucht hast. Dann liegt ein Fernabsatzvertrag vor, und § 312g BGB gibt Dir 14 Tage Widerrufsrecht. Hast Du verlangt, dass der Coach sofort startet, musst Du für bereits erbrachte Leistungen eventuell Wertersatz zahlen. Als Unternehmer, etwa mit bestehendem Business-Account und Einnahmen, steht Dir kein Widerrufsrecht zu.
Was ist, wenn das Influencer-Coaching keine Follower gebracht hat?
Das allein ist beim Influencer-Coaching meist kein Rechtsmangel. Beim Dienstvertrag über ein Influencer-Coaching schuldet der Coach Leistung, keinen Erfolg. Anders liegt es, wenn der Vertrag ein konkretes Ergebnis verspricht oder der Coach zugesagte Leistungen gar nicht erbracht hat, etwa ausgefallene Calls oder fehlende Module. Dann können Minderung, Kündigung oder Schadensersatz in Betracht kommen. Sichere Verkaufsseite, Chatverläufe und Vertrag.
Bin ich als Influencer Verbraucher oder Unternehmer?
Entscheidend ist der Zweck des einzelnen Vertrags nach §§ 13, 14 BGB. Verdienst Du mit Kooperationen oder Produkten bereits Geld und buchst das Coaching für dieses Geschäft, handelst Du in der Regel als Unternehmer. Wer privat startet und erst prüft, ob er gründen will, kann noch Verbraucher sein. Für das FernUSG spielt die Einordnung keine Rolle, für den Widerruf schon.
Darf ein Coach Einkommen versprechen?
Ein Anbieter von Influencer-Coaching darf werben, aber nicht irreführen. Konkrete Verdienstzahlen, die die meisten Teilnehmer nicht erreichen oder die sich nicht belegen lassen, können nach § 5 UWG unzulässig sein. Als Verbraucher hast Du bei einer solchen Irreführung unter Umständen einen Schadensersatzanspruch nach § 9 Abs. 2 UWG. Steht ein Einkommensversprechen im Vertrag, kann es außerdem zur geschuldeten Leistung werden.
Zählen Live-Calls beim FernUSG als Fernunterricht?
Reine Live-Calls ohne Aufzeichnung gelten nach dem BGH nicht als räumlich getrennter Unterricht, weil Du direkt nachfragen kannst (III ZR 137/25). Werden die Calls aufgezeichnet und kannst Du sie jederzeit abrufen, zählen sie dagegen als asynchroner Unterricht (III ZR 142/25). Ob am Ende die asynchronen Anteile überwiegen, entscheidet das Gericht anhand des konkreten Programms.
Kann ich ein Social-Media-Coaching vorzeitig kündigen?
Ob Du ein Influencer-Coaching vorzeitig kündigen kannst, hängt vom Vertrag ab. Bei Dienstverträgen mit besonderem Vertrauen kann § 627 BGB eine jederzeitige Kündigung erlauben, wenn kein dauerndes Dienstverhältnis mit festen Bezügen vorliegt. Für Verbraucher begrenzt § 309 Nr. 9 BGB lange Laufzeiten und Verlängerungsklauseln in AGB. Aus wichtigem Grund ist eine Kündigung nach § 626 oder § 314 BGB immer möglich.
Was passiert mit der Ratenzahlung, wenn der Coaching-Vertrag nichtig ist?
Ist der Coaching-Vertrag nichtig, fehlt der Rechtsgrund für die Raten an den Coach. Läuft die Zahlung über einen Finanzierer, kommt es darauf an, ob Kredit und Coaching ein verbundener Vertrag sind. Dann kannst Du Einwendungen aus dem Coaching nach § 359 BGB auch dem Finanzierer entgegenhalten. Zahle laufende Raten nicht einfach ohne Prüfung zurück, um Mahnverfahren und Schufa-Einträge zu vermeiden.
Gilt die FernUSG-Reform schon für mein Coaching?
Nein. Der Referentenentwurf des Bundesministeriums vom 27.08.2026 sieht vor, die Zulassungspflicht ab 01.07.2027 abzuschaffen und das FernUSG mit Ablauf des 30.06.2028 aufzuheben. Beschlossen ist das nicht, das geltende FernUSG bleibt bis zur Verkündung unverändert anwendbar (ZFU, 07.09.2026). Für bereits geschlossene Verträge enthält der Entwurf keine eigene Regel.
Quellen
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