Geringfügig Beschäftigte und Urlaub

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Kurz erklärt Geringfügig Beschäftigte und Urlaub: Auch im Minijob hast Du Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub. Das Bundesurlaubsgesetz gilt für alle Arbeitnehmer, und Minijobber dürfen als Teilzeitkräfte nicht schlechter behandelt werden (§ 4 TzBfG). Der Mindesturlaub von 24 Werktagen bei einer Sechstagewoche (§ 3 BUrlG) wird auf Deine Arbeitstage umgerechnet: Bei zwei Arbeitstagen pro Woche sind das 8 Urlaubstage im Jahr.

Bäckerin verlässt ihren Arbeitsplatz für eine Pause, im Kontext von Geringfügig Beschäftigte und Urlaub
Inhalt 4 Abschnitte

Geringfügig Beschäftigte und Urlaub: Haben Minijobber Anspruch auf Urlaub?

Ja. Für geringfügig Beschäftigte und Urlaub gilt wie für jeden Arbeitnehmer: In jedem Kalenderjahr besteht Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub (§§ 1, 2 BUrlG). Wer einen Minijob hat, gilt nach § 2 Abs. 2 TzBfG als teilzeitbeschäftigt und darf wegen der Teilzeit nicht schlechter behandelt werden als vergleichbare Vollzeitkräfte (§ 4 Abs. 1 TzBfG); mehr dazu im Teilzeit- und Befristungsgesetz. Das gilt auch für kurzfristig Beschäftigte.

Minijob ist die Beschäftigung bis zur Geringfügigkeitsgrenze. Sie ergibt sich aus dem Mindestlohn mal 130 geteilt durch drei (§ 8 Abs. 1a SGB IV): 2026 sind das bei 13,90 Euro aufgerundet 603 Euro im Monat, ab 2027 bei 14,60 Euro 633 Euro.

Geringfügig Beschäftigte und Urlaub: Wie viele Urlaubstage stehen Dir zu?

Der gesetzliche Mindesturlaub beträgt 24 Werktage bei einer Sechstagewoche (§ 3 BUrlG). Für weniger Arbeitstage wird umgerechnet:

Arbeitstage pro WocheMindesturlaub im Jahr
14 Tage
28 Tage
312 Tage
416 Tage

Bei unregelmäßigen Einsätzen rechnet das BAG über das Jahr: 24 Werktage mal Tage mit Arbeitspflicht geteilt durch 312 (Urteil vom 19.03.2019, 9 AZR 315/17). Bei 78 Arbeitstagen im Jahr sind das 6 Urlaubstage. Erhalten Vollzeitkräfte mehr als den Mindesturlaub, steht Dir der gleiche Anteil zu (§ 4 Abs. 1 Satz 2 TzBfG). Weitere Rechenwege zeigt Urlaub bei Teilzeit berechnen.

Wie wird der Urlaub im Minijob bezahlt?

Während des Urlaubs bekommst Du Deinen Durchschnittsverdienst der letzten 13 Wochen vor Urlaubsbeginn, ohne Überstundenvergütung (§ 11 Abs. 1 BUrlG). Auszuzahlen ist er vor Antritt des Urlaubs (§ 11 Abs. 2 BUrlG). Der Urlaub ersetzt also die Arbeit, die Du sonst an diesen Tagen geleistet hättest.

Von diesem Urlaubsentgelt ist das Urlaubsgeld zu unterscheiden. Es ist eine Zusatzleistung, die nur geschuldet ist, wenn Vertrag, Tarifvertrag oder Gleichbehandlung sie begründen. Wird es regelmäßig gezahlt, kann es bei der 603-Euro-Grenze mitzählen. Kläre das für geringfügig Beschäftigte und Urlaub vorab mit dem Arbeitgeber.

Was passiert mit Urlaub, den Du nicht genommen hast?

Urlaub verfällt nicht automatisch am Jahresende. Der Arbeitgeber muss Dich auffordern, ihn zu nehmen, und klar auf den Verfall hinweisen; sonst bleibt er bestehen (BAG, 19.02.2019, 9 AZR 541/15). Auch die Verjährung beginnt erst, wenn er Dich so in die Lage versetzt hat (BAG, 20.12.2022, 9 AZR 266/20). Details unter Verfall von Urlaub.

Endet der Minijob, wird offener Urlaub ausgezahlt (§ 7 Abs. 4 BUrlG), siehe Urlaubsabgeltung und Kündigung im Minijob. Wirst Du im Urlaub krank, werden die durch Attest nachgewiesenen Tage nicht angerechnet (§ 9 BUrlG).

Das Wichtigste in Kürze

  • Minijobber haben denselben gesetzlichen Urlaubsanspruch wie alle Arbeitnehmer, umgerechnet auf ihre Arbeitstage (§§ 1, 3 BUrlG, § 4 TzBfG).
  • Faustformel: 24 geteilt durch 6, mal Deine Arbeitstage pro Woche; bei unregelmäßigen Einsätzen 24 mal Arbeitstage im Jahr geteilt durch 312 (BAG 9 AZR 315/17).
  • Urlaubsentgelt ist der Durchschnittsverdienst der letzten 13 Wochen und vor Urlaubsantritt zu zahlen (§ 11 BUrlG).
  • Urlaub verfällt nur, wenn der Arbeitgeber Dich aufgefordert und auf den Verfall hingewiesen hat (BAG 9 AZR 541/15).
  • Die Minijob-Grenze liegt 2026 bei 603 Euro und 2027 bei 633 Euro im Monat (§ 8 Abs. 1a SGB IV).

Häufige Fragen (11)

Geringfügig Beschäftigte und Urlaub: Wird Urlaub im Minijob bezahlt?

Ja. Urlaub nach dem Bundesurlaubsgesetz ist immer bezahlter Erholungsurlaub (§ 1 BUrlG). Du bekommst für die Urlaubstage den Durchschnittsverdienst der letzten 13 Wochen vor Urlaubsbeginn (§ 11 Abs. 1 BUrlG). Eine Vereinbarung, nach der Minijobber unbezahlt freinehmen müssen, ist unwirksam, weil vom gesetzlichen Mindesturlaub nicht zu Deinen Ungunsten abgewichen werden darf (§ 13 Abs. 1 BUrlG).

Wie viel Urlaub habe ich bei einem Minijob mit 2 Tagen pro Woche?

Mindestens 8 Arbeitstage im Jahr. Die Rechnung: 24 Werktage gesetzlicher Mindesturlaub geteilt durch 6 Werktage, mal 2 Arbeitstage. Gewährt der Arbeitgeber Vollzeitkräften mehr Urlaub, etwa 30 Tage bei einer Fünftagewoche, stehen Dir anteilig 12 Tage zu (§ 4 Abs. 1 TzBfG). Maßgeblich ist die Zahl der Tage, nicht die Stundenzahl pro Tag.

Wie berechne ich den Urlaub bei unregelmäßigen Arbeitstagen?

Über das Kalenderjahr. Das BAG nutzt die Formel 24 Werktage mal Zahl der Tage mit Arbeitspflicht im Jahr geteilt durch 312 (9 AZR 315/17). Arbeitest Du etwa an 104 Tagen im Jahr, ergibt das 8 Urlaubstage. Gesetzliche Feiertage, an denen Du ohnehin frei hättest, zählen dabei als Tage mit Arbeitspflicht. Halbe Tage ab 0,5 werden bei Teilurlaub aufgerundet (§ 5 Abs. 2 BUrlG).

Geringfügig Beschäftigte und Urlaub: Kann ich mir den Urlaub im Minijob auszahlen lassen?

Während des laufenden Arbeitsverhältnisses nicht. Das Bundesurlaubsgesetz will, dass Du Dich erholst, deshalb darf der Mindesturlaub nicht in Geld abgegolten werden, solange Du weiter arbeitest. Eine Auszahlung sieht § 7 Abs. 4 BUrlG nur vor, wenn der Urlaub wegen Beendigung des Arbeitsverhältnisses nicht mehr genommen werden kann.

Ab wann habe ich im Minijob Anspruch auf Urlaub?

Den vollen Jahresurlaub erwirbst Du nach sechs Monaten Beschäftigung (§ 4 BUrlG). Vorher entsteht für jeden vollen Monat ein Zwölftel des Jahresurlaubs, wenn Du die Wartezeit im Kalenderjahr nicht mehr erfüllen kannst oder vorher ausscheidest (§ 5 Abs. 1 BUrlG). Beginnst Du am 1. September mit zwei Arbeitstagen pro Woche, sind das bis Jahresende 4 volle Monate mal 8/12, also 2,67 und aufgerundet 3 Tage (§ 5 Abs. 2 BUrlG).

Was passiert mit meinem Urlaub bei Kündigung des Minijobs?

Nicht genommener Urlaub ist abzugelten, also auszuzahlen (§ 7 Abs. 4 BUrlG). Scheidest Du in der ersten Jahreshälfte aus, steht Dir für dieses Jahr in der Regel nur ein Zwölftel je vollem Monat zu (§ 5 Abs. 1 Buchst. c BUrlG). Nach der Kündigung kannst Du den Resturlaub auch während der Kündigungsfrist nehmen, wenn keine dringenden betrieblichen Gründe entgegenstehen (§ 7 Abs. 1 BUrlG).

Darf mein Arbeitgeber sagen, im Minijob gibt es keinen Urlaub?

Nein. Der Urlaubsanspruch steht im Gesetz und gilt für alle Arbeitnehmer, Minijobber eingeschlossen (§ 2 BUrlG, § 2 Abs. 2 TzBfG). Eine abweichende Absprache ist nach § 13 Abs. 1 BUrlG unwirksam, soweit sie den Mindesturlaub unterschreitet. Geringfügig Beschäftigte und Urlaub: Mach Deinen Anspruch am besten schriftlich geltend und beachte mögliche Ausschlussfristen in Deinem Arbeitsvertrag.

Geringfügig Beschäftigte und Urlaub: Verfällt mein Urlaub am Jahresende?

Nur, wenn der Arbeitgeber seine Pflichten erfüllt hat. Er muss Dich rechtzeitig auffordern, den Urlaub zu nehmen, und klar darauf hinweisen, dass er sonst verfällt (BAG 9 AZR 541/15 vom 19.02.2019). Ohne diesen Hinweis bleibt der Urlaub stehen und wird ins Folgejahr mitgenommen. Auch die dreijährige Verjährung beginnt dann nicht zu laufen (BAG 9 AZR 266/20).

Zählt das Urlaubsentgelt zur 603-Euro-Grenze?

Das Urlaubsentgelt ersetzt Deinen normalen Lohn für die Urlaubstage und ändert Deinen regelmäßigen Monatsverdienst nicht. Die Grenze von 603 Euro im Jahr 2026 bemisst sich nach dem regelmäßigen Arbeitsentgelt (§ 8 Abs. 1 Nr. 1 SGB IV). Kritisch kann ein zusätzliches, regelmäßig gezahltes Urlaubsgeld werden, weil es den Verdienst über die Grenze heben kann.

Geringfügig Beschäftigte und Urlaub: Bekomme ich als Minijobber Urlaubsgeld?

Nur, wenn es vereinbart ist oder der Arbeitgeber es vergleichbaren Vollzeitkräften zahlt. Ein gesetzliches Urlaubsgeld gibt es nicht. Zahlt der Betrieb Vollzeitkräften Urlaubsgeld, steht es Dir nach § 4 Abs. 1 TzBfG mindestens anteilig zu, es sei denn, ein sachlicher Grund rechtfertigt den Ausschluss. Prüfe vorher, ob die Zahlung Deinen Minijob-Status gefährdet.

Was gilt, wenn ich im Urlaub krank werde?

Die Krankheitstage werden nicht auf den Urlaub angerechnet, wenn Du sie durch ärztliches Zeugnis nachweist (§ 9 BUrlG). Melde die Arbeitsunfähigkeit wie sonst auch unverzüglich. Die nicht verbrauchten Urlaubstage kannst Du später nehmen. Für die Krankheitstage selbst gilt die Entgeltfortzahlung, die Minijobbern nach vier Wochen Beschäftigung ebenso zusteht wie anderen Arbeitnehmern.

Quellen

  1. § 3 BUrlG Dauer des Urlaubs
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 28.10.2026
  2. § 2 TzBfG Begriff des teilzeitbeschäftigten Arbeitnehmers (Abs. 2 Minijob)
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 28.10.2026
  3. § 8 SGB IV Geringfügige Beschäftigung; Geringfügigkeitsgrenze
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 28.10.2026
  4. BAG, Urteil vom 19.03.2019, 9 AZR 315/17 (Umrechnungsformel 24 x Arbeitstage / 312)
    UrteilBundesarbeitsgericht · abgerufen am 28.10.2026
  5. BAG, Urteil vom 19.02.2019, 9 AZR 541/15 (Verfall nur nach Hinweis)
    UrteilBundesarbeitsgericht · abgerufen am 28.10.2026
  6. § 1 MiLoV5 Höhe des Mindestlohns (13,90 / 14,60 Euro)
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 28.10.2026

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