Praktikum und Mindestlohn

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Kurz erklärt Praktikum und Mindestlohn: Praktikanten haben grundsätzlich Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn, weil sie nach § 22 Abs. 1 Satz 2 MiLoG als Arbeitnehmer gelten. Ausgenommen sind vor allem Pflichtpraktika sowie freiwillige Orientierungs- oder studienbegleitende Praktika bis zu drei Monaten. Der Mindestlohn beträgt seit 01.01.2026 13,90 Euro brutto je Stunde und steigt am 01.01.2027 auf 14,60 Euro.

Symbolbild zu Praktikum und Mindestlohn: Bauarbeiter in Deutschland bei der Arbeit auf einer Baustelle, verbunden mit dem gesetzlichen Mindestlohn
Inhalt 3 Abschnitte

Praktikum und Mindestlohn: Wann steht Praktikanten der Mindestlohn zu?

Für Praktikum und Mindestlohn ist das Mindestlohngesetz maßgeblich, das für Arbeitnehmer gilt. § 22 Abs. 1 Satz 2 MiLoG stellt Praktikantinnen und Praktikanten ihnen gleich, wenn keine der Ausnahmen greift. Wer Praktikant ist, bestimmt Satz 3 nach der tatsächlichen Durchführung: Du erwirbst für begrenzte Zeit praktische Kenntnisse zur Vorbereitung auf einen Beruf, ohne dass es eine Berufsausbildung ist.

Der Mindestlohn liegt nach § 1 MiLoV5 seit dem 01.01.2026 bei 13,90 Euro und ab dem 01.01.2027 bei 14,60 Euro brutto je Stunde. Bei 40 Wochenstunden ergeben sich 2026 rund 2.409 Euro brutto im Monat (13,90 Euro mal etwa 173,3 Stunden). Wer als Praktikant mindestlohnberechtigt ist, gilt nach § 1 NachwG auch für das Nachweisgesetz als Arbeitnehmer; die Bedingungen müssen vor Beginn schriftlich vorliegen (§ 2 Abs. 1a NachwG).

Nicht gemeint sind Auszubildende, für sie gilt die Ausbildungsvergütung (§ 22 Abs. 3 MiLoG). Als Werkstudent bist Du ohnehin regulärer Arbeitnehmer.

Welche Praktika sind vom Mindestlohn ausgenommen?

§ 22 Abs. 1 Satz 2 MiLoG nennt vier Ausnahmen:

  1. Pflichtpraktikum aufgrund einer schulrechtlichen oder hochschulrechtlichen Bestimmung, einer Ausbildungsordnung oder einer Ausbildung an einer Berufsakademie.
  2. Orientierungspraktikum von bis zu drei Monaten vor einer Ausbildung oder einem Studium.
  3. Begleitendes Praktikum von bis zu drei Monaten neben Ausbildung oder Studium, wenn es nicht schon ein solches Praktikum beim selben Ausbildenden gab. Diese Bedingung gilt nur hier, nicht beim Orientierungspraktikum.
  4. Einstiegsqualifizierung oder Berufsausbildungsvorbereitung.

Das Bundesarbeitsgericht legt bei Praktikum und Mindestlohn die Ausnahmen aus. Ein Vorpraktikum, das eine Studienordnung als Zugangsvoraussetzung verlangt, ist ein Pflichtpraktikum; im Urteil vom 19.01.2022 (5 AZR 217/21) ging eine angehende Medizinstudentin nach sechs Monaten Krankenpflegedienst leer aus. Beim Orientierungspraktikum zählt die tatsächliche Tätigkeit. Wird es aus Gründen in Deiner Person unterbrochen, darf es nach dem Urteil vom 30.01.2019 (5 AZR 556/17) verlängert werden. Voraussetzung: Es besteht ein Zusammenhang, und insgesamt werden drei Monate nicht überschritten.

Welche typischen Fehler kosten bei Praktikum und Mindestlohn Geld?

Bei Praktikum und Mindestlohn ist das nur empfohlene Praktikum ein Streitpunkt. Verlangt Deine Studien- oder Prüfungsordnung kein Praktikum, ist es kein Pflichtpraktikum, auch wenn die Hochschule es empfiehlt. Dann greift der Mindestlohn ab dem ersten Tag, es sei denn, es handelt sich um ein Orientierungs- oder begleitendes Praktikum von höchstens drei Monaten.

Ein zweiter Punkt ist die Abgrenzung zum Arbeitsverhältnis. Arbeitest Du wie eine reguläre Kraft und lernst kaum etwas, kann trotz des Etiketts „Praktikum“ ein Arbeitsverhältnis vorliegen, maßgeblich ist der Arbeitnehmerbegriff. Ansprüche auf ausstehenden Lohn können vertraglichen Ausschlussfristen unterliegen. Den Mindestlohn selbst schützt § 3 MiLoG, nach dem Vereinbarungen unwirksam sind, die ihn unterschreiten oder seine Geltendmachung beschränken.

Auch ohne Mindestlohnanspruch kann sich eine Vergütung aus dem Praktikumsvertrag oder einem Tarifvertrag ergeben. Lass Dir die Bedingungen deshalb vor Beginn schriftlich geben.

Das Wichtigste in Kürze

  • Praktikanten gelten nach § 22 Abs. 1 Satz 2 MiLoG als Arbeitnehmer und haben Anspruch auf den Mindestlohn, wenn keine Ausnahme greift.
  • Der Mindestlohn beträgt 13,90 Euro seit 01.01.2026 und 14,60 Euro ab 01.01.2027 (§ 1 MiLoV5).
  • Ausgenommen sind Pflichtpraktika sowie Orientierungs- und begleitende Praktika bis drei Monate; die Vorpraktikumsbedingung gilt nur beim begleitenden Praktikum.
  • Ein von der Studienordnung verlangtes Vorpraktikum ist ein Pflichtpraktikum ohne Mindestlohn (BAG 5 AZR 217/21).

Häufige Fragen (10)

Praktikum und Mindestlohn: Muss ein Pflichtpraktikum bezahlt werden?

Nach dem Mindestlohngesetz nicht. § 22 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 MiLoG nimmt Praktika aus, die aufgrund einer schul- oder hochschulrechtlichen Bestimmung, einer Ausbildungsordnung oder an einer Berufsakademie verpflichtend sind. Eine Vergütung kann sich trotzdem aus dem Praktikumsvertrag oder einem Tarifvertrag ergeben. Prüfe, ob Deine Studien- oder Prüfungsordnung das Praktikum wirklich vorschreibt, denn nur dann greift die Ausnahme.

Praktikum und Mindestlohn: Ab wann gilt der Mindestlohn bei einem freiwilligen Praktikum?

Bei einem freiwilligen Praktikum gilt der Mindestlohn, sobald keine Ausnahme mehr greift. Orientierungspraktika vor Ausbildung oder Studium und begleitende Praktika neben dem Studium sind bis zu drei Monate ausgenommen (§ 22 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 und 3 MiLoG). Ein freiwilliges Praktikum nach dem Studienabschluss fällt in der Regel unter keine dieser Ausnahmen und ist dann von Anfang an mit dem Mindestlohn zu vergüten.

Wie viel verdient ein Praktikant mit Mindestlohn im Monat?

Bei 40 Wochenstunden 2026 rund 2.409 Euro brutto. Der Mindestlohn beträgt nach § 1 MiLoV5 seit dem 01.01.2026 13,90 Euro je Stunde, gerechnet mit durchschnittlich etwa 173,3 Arbeitsstunden im Monat. Ab dem 01.01.2027 steigt er auf 14,60 Euro, das ergibt bei gleicher Arbeitszeit rund 2.531 Euro brutto. Bei Teilzeit sinkt der Betrag entsprechend der vereinbarten Stunden.

Wie sieht es bei Praktikum und Mindestlohn nach dem Studium aus?

Ja, bei Praktikum und Mindestlohn gilt das in der Regel. Nach dem Abschluss gibt es kein Studium mehr, das das Praktikum begleiten könnte. Um eine Orientierung vor Studium oder Ausbildung geht es meist ebenfalls nicht. Damit greift keine der Ausnahmen des § 22 Abs. 1 Satz 2 MiLoG. Das Praktikum ist dann ab dem ersten Tag mit dem Mindestlohn zu vergüten, sofern es kein verpflichtendes Praktikum etwa nach einer Ausbildungsordnung ist.

Darf ein Orientierungspraktikum länger als drei Monate dauern?

Nicht ohne Mindestlohn. Die Ausnahme in § 22 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 MiLoG gilt nur bis zu drei Monaten. Unterbrechungen aus Gründen in Deiner Person, etwa Krankheit oder Urlaub, dürfen nach dem BAG-Urteil vom 30.01.2019 (5 AZR 556/17) angehängt werden, wenn ein sachlicher und zeitlicher Zusammenhang besteht. Entscheidend ist, dass die tatsächliche Tätigkeit insgesamt drei Monate nicht überschreitet.

Kann ich zwei unbezahlte Praktika beim selben Arbeitgeber machen?

Beim studienbegleitenden Praktikum nicht. § 22 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 MiLoG nimmt es nur aus, wenn zuvor kein solches Praktikumsverhältnis mit demselben Ausbildenden bestanden hat. Ein zweites begleitendes Praktikum dort ist deshalb mindestlohnpflichtig. Für das Orientierungspraktikum vor Ausbildung oder Studium enthält das Gesetz diese Einschränkung nicht; dort zählt nur die Höchstdauer von drei Monaten.

Ist ein Vorpraktikum vor dem Studium ein Pflichtpraktikum?

Ja, wenn die Studienordnung es als Zugangsvoraussetzung verlangt. Das hat das Bundesarbeitsgericht am 19.01.2022 (5 AZR 217/21) entschieden: Eine Bewerberin für ein Medizinstudium absolvierte ein sechsmonatiges Pflegepraktikum, das die Studienordnung einer staatlich anerkannten privaten Universität vorschrieb. Sie hatte keinen Anspruch auf den Mindestlohn. Ist das Vorpraktikum nur empfohlen, gilt die Ausnahme dagegen nicht.

Muss ich mein Praktikum schriftlich bekommen?

Ja, wenn Du als Praktikant unter das Mindestlohngesetz fällst. Nach § 2 Abs. 1a NachwG muss der Betrieb unverzüglich nach Vertragsschluss, spätestens vor Beginn, die wesentlichen Bedingungen schriftlich niederlegen, unterschreiben und Dir aushändigen. Dazu gehören unter anderem Lern- und Ausbildungsziele, Beginn und Dauer, tägliche Praktikumszeit, Vergütung und Urlaub. Eine rein elektronische Form ist dafür ausgeschlossen.

Kann ich bei Praktikum und Mindestlohn zu wenig gezahlten Lohn nachfordern?

Ja. Vereinbarungen, die den Mindestlohn unterschreiten oder seine Geltendmachung beschränken, sind nach § 3 MiLoG insoweit unwirksam. Ein Verzicht ist nur durch gerichtlichen Vergleich möglich. Achte trotzdem auf die Verjährung von drei Jahren ab Jahresende und darauf, Deine Arbeitszeiten zu belegen. Bewahre Stundennachweise, Dienstpläne und E-Mails auf, damit Du die geleisteten Stunden darlegen kannst.

Gilt der Mindestlohn auch für Schülerpraktika?

Meist nicht. Ein von der Schule vorgeschriebenes Betriebspraktikum ist ein Pflichtpraktikum nach § 22 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 MiLoG. Zudem gelten Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ohne abgeschlossene Berufsausbildung nach § 22 Abs. 2 MiLoG nicht als Arbeitnehmer im Sinne des Mindestlohngesetzes. Für die Beschäftigung Minderjähriger gelten außerdem die Schutzvorschriften des Jugendarbeitsschutzgesetzes.

Quellen

  1. § 22 MiLoG Persönlicher Anwendungsbereich
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026
  2. § 1 MiLoV5 Höhe des Mindestlohns (13,90 Euro ab 2026, 14,60 Euro ab 2027)
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026
  3. BAG, Urteil vom 19.01.2022, 5 AZR 217/21 (Pflichtpraktikum vor Studium)
    UrteilBundesarbeitsgericht · abgerufen am 27.10.2026
  4. BAG, Urteil vom 30.01.2019, 5 AZR 556/17 (Unterbrechung Orientierungspraktikum)
    UrteilBundesarbeitsgericht · abgerufen am 27.10.2026
  5. § 2 NachwG Nachweispflicht (Abs. 1a Praktikanten)
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026

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