Kopfhörer am Steuer

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Kurz erklärt Kopfhörer am Steuer sind in Deutschland nicht ausdrücklich verboten. Nach § 23 Abs. 1 Satz 1 StVO musst Du aber dafür sorgen, dass Dein Gehör nicht durch Geräte beeinträchtigt wird. Ein Verstoß kostet laut Bußgeldkatalog 10 Euro ohne Punkte (Lfd. Nr. 107.1). Telefonieren über Kopfhörer ist zulässig, solange Du das Handy weder aufnimmst noch hältst (§ 23 Abs. 1a StVO).

Nahaufnahme eines Autofahrers in Deutschland mit großen Kopfhörern, der beim Fahren die Straße überblickt, ein Fall von Kopfhörer am Steuer
Inhalt 4 Abschnitte

Sind Kopfhörer am Steuer beim Autofahren erlaubt?

Ein ausdrückliches Kopfhörerverbot kennt die StVO nicht. Maßgeblich ist § 23 Abs. 1 Satz 1 StVO: Wer ein Fahrzeug führt, ist dafür verantwortlich, dass Sicht und Gehör nicht durch Besetzung, Tiere, Ladung, Geräte oder den Zustand des Fahrzeugs beeinträchtigt werden. Auch Kopfhörer am Steuer sind solche Geräte. Erlaubt sind Kopfhörer am Steuer also nur, solange Du den Verkehr noch ausreichend hörst.

Wo die Grenze liegt, sagt das Gesetz nicht. Je stärker ein Kopfhörer Außengeräusche abschirmt, etwa durch geschlossene Bauweise, beidseitigen Sitz, hohe Lautstärke oder aktive Geräuschunterdrückung, desto eher ist das Gehör beeinträchtigt. Ein Grund für die Regel steht in § 38 Abs. 1 StVO: Blaulicht mit Einsatzhorn verpflichtet alle, sofort freie Bahn zu schaffen. Das musst Du hören können.

Die Pflicht trifft jeden Fahrzeugführer, also auch Radfahrer und Nutzer von E-Scootern; siehe Bußgeld für Radfahrer und E-Scooter-Verstöße.

Was kosten Kopfhörer am Steuer, und gibt es Punkte?

Der Bußgeldkatalog sieht für „Beim Führen eines Fahrzeugs nicht dafür gesorgt, dass seine Sicht oder das Gehör … nicht beeinträchtigt waren“ 10 Euro vor (Anlage BKatV, Lfd. Nr. 107.1, Stand Oktober 2026). Das liegt im Bereich des Verwarnungsgelds bis 55 Euro (§ 56 Abs. 1 OWiG). Eine Verwarnung ist nur wirksam, wenn Du nach Belehrung einverstanden bist und zahlst (§ 56 Abs. 2 OWiG); Gebühren fallen dann nicht an.

Punkte gibt es für Nr. 107.1 nicht, denn Anlage 13 FeV nennt bei den sonstigen Pflichten des Fahrzeugführers nur die Nummern 108, 109, 246.1 und 247. Teurer wird es, wenn Du das Handy in die Hand nimmst, um Musik oder Telefonat zu steuern. Dann greift der Tatbestand der Lfd. Nr. 246.1 mit 100 Euro und einem Punkt, beim Radfahren 55 Euro nach Lfd. Nr. 246.4. Einzelheiten unter Handy am Steuer und Handy auf dem Fahrrad.

Darfst Du über Kopfhörer telefonieren?

Ja, unter zwei Bedingungen, die nebeneinander gelten. Erstens die Handyregel des § 23 Abs. 1a StVO: Du darfst das Gerät weder aufnehmen noch halten und musst es per Sprachsteuerung bedienen oder mit nur kurzer, den Verhältnissen angepasster Blickzuwendung. Zweitens bleibt § 23 Abs. 1 Satz 1 StVO bestehen: Auch beim Telefonieren darf das Gehör nicht beeinträchtigt sein.

Wie stark ein einzelnes Ohrstück, ein offenes Headset oder die Freisprechanlage des Autos das Hören einschränkt, ist eine Frage des Einzelfalls. Für den Nachweis eines Verstoßes muss die Behörde die Beeinträchtigung belegen, etwa durch Beobachtungen der Polizei. Die Beweislage ist ähnlich schwierig wie beim Handyverstoß; dazu der Eintrag Beweislast beim Handyverstoß.

Welche Folgen kann ein Kopfhörer bei einem Unfall haben?

Kommt es zu einem Unfall, verteilen Gerichte die Haftung nach den Verursachungsbeiträgen, zwischen Kfz-Haltern nach § 17 StVG, im Übrigen nach dem Mitverschulden (§ 254 BGB). Ein nachgewiesener Verstoß gegen § 23 Abs. 1 StVO kann dabei zu Deinen Lasten berücksichtigt werden, wenn er sich auf den Unfall ausgewirkt hat, etwa weil Du ein Warnsignal oder ein Einsatzfahrzeug überhört hast.

Im Bußgeldverfahren selbst bleibt es für Kopfhörer am Steuer bei der geringen Regelbuße. Wird statt einer Verwarnung ein Bußgeldbescheid erlassen, etwa weil Du die Verwarnung abgelehnt hast, kannst Du innerhalb von zwei Wochen Einspruch gegen den Bußgeldbescheid einlegen (§ 67 Abs. 1 OWiG).

Das Wichtigste in Kürze

  • Kopfhörer sind nicht verboten, aber Dein Gehör darf nicht beeinträchtigt sein (§ 23 Abs. 1 Satz 1 StVO).
  • Ein Verstoß kostet laut Bußgeldkatalog 10 Euro ohne Punkte (Lfd. Nr. 107.1, Stand Oktober 2026).
  • Telefonieren über Kopfhörer ist erlaubt, wenn Du das Handy nicht aufnimmst oder hältst (§ 23 Abs. 1a StVO).
  • Nimmst Du das Handy zur Bedienung in die Hand, drohen 100 Euro und ein Punkt (Lfd. Nr. 246.1), auf dem Fahrrad 55 Euro.
  • Die Regel gilt für alle Fahrzeugführer, auch für Radfahrer und E-Scooter-Fahrer.

Häufige Fragen (10)

Darf man Kopfhörer am Steuer eines Autos tragen?

Erlaubt ist es, solange Du den Verkehr noch ausreichend hören kannst. § 23 Abs. 1 Satz 1 StVO verlangt nur, dass Dein Gehör nicht durch Geräte beeinträchtigt wird. Laute Musik über geschlossene Kopfhörer oder aktive Geräuschunterdrückung sprechen eher für eine Beeinträchtigung. Ein Headset mit geringer Lautstärke ist eher unproblematisch. Eine feste Grenze in Dezibel gibt es nicht, im Zweifel entscheidet die Beurteilung im Einzelfall.

Wie hoch ist die Strafe für Kopfhörer am Steuer im Auto?

Laut Bußgeldkatalog sind es 10 Euro (Lfd. Nr. 107.1, Stand Oktober 2026). Der Betrag ist ein Verwarnungsgeld, Gebühren kommen bei einer angenommenen Verwarnung nicht hinzu (§ 56 Abs. 3 OWiG). Punkte im Fahreignungsregister gibt es dafür nicht. Teurer wird es nur, wenn ein weiterer Verstoß hinzukommt, etwa das Halten des Handys während der Fahrt oder eine Gefährdung anderer im Zusammenhang mit der Ablenkung.

Ist Telefonieren mit Kopfhörern beim Autofahren erlaubt?

Ja, wenn Du das Handy dafür nicht in die Hand nimmst. § 23 Abs. 1a StVO erlaubt die Nutzung eines Mobiltelefons, solange es weder aufgenommen noch gehalten wird und die Bedienung per Sprachsteuerung oder mit nur kurzer Blickzuwendung erfolgt. Ein kabelloses Headset erfüllt das. Zusätzlich darf das Telefonat Dein Gehör nicht so beeinträchtigen, dass Du den Verkehr nicht mehr wahrnimmst (§ 23 Abs. 1 Satz 1 StVO).

Gelten Kopfhörer am Steuer auch beim Fahrradfahren als erlaubt?

Für Radfahrer gilt dieselbe Regel wie für Autofahrer, denn § 23 Abs. 1 Satz 1 StVO spricht vom Führen eines Fahrzeugs. Kopfhörer sind erlaubt, solange Du Klingeln, Hupen und Martinshörner noch hörst. Ein Verstoß kostet auch auf dem Fahrrad 10 Euro nach Lfd. Nr. 107.1. Gerade im Stadtverkehr bist Du ohne Knautschzone stärker auf das Gehör angewiesen, deshalb lohnt sich ein Modell, das Umgebungsgeräusche durchlässt.

Gibt es für Kopfhörer am Steuer Punkte in Flensburg?

Nein. Punkte werden nur für Verstöße vergeben, die Anlage 13 der Fahrerlaubnis-Verordnung aufführt, und zwar in der Regel erst ab einer Geldbuße von 60 Euro (§ 28 Abs. 3 Nr. 3 StVG). Lfd. Nr. 107.1 des Bußgeldkatalogs steht dort nicht. Anders ist es bei der verbotenen Handynutzung nach Lfd. Nr. 246.1: Sie wird mit 100 Euro und einem Punkt geahndet. Die beiden Verstöße werden in der Praxis oft verwechselt.

Sind Noise-Cancelling-Kopfhörer beim Autofahren verboten?

Ein ausdrückliches Verbot gibt es nicht. Aktive Geräuschunterdrückung ist aber gerade darauf ausgelegt, Außengeräusche auszublenden. Damit steigt das Risiko, dass Dein Gehör im Sinne von § 23 Abs. 1 Satz 1 StVO beeinträchtigt ist. Manche Modelle haben einen Transparenzmodus, der Umgebungsgeräusche wieder hereinlässt. Ob das im konkreten Fall ausreicht, hängt von Lautstärke, Einstellung und Verkehrssituation ab, die Polizei und Gericht im Einzelfall bewerten.

Darf ich beim Autofahren mit nur einem Ohrstöpsel Musik hören?

Das Gesetz unterscheidet nicht zwischen einem und zwei Ohrstücken. Entscheidend ist allein, ob Dein Gehör beeinträchtigt ist. Mit einem freien Ohr und niedriger Lautstärke hörst Du den Verkehr in der Regel besser als mit zwei Stöpseln. Eine Garantie gegen eine Verwarnung ist das nicht. Wer Musik im Auto hören möchte, ist mit dem Autoradio rechtlich auf der sichereren Seite, solange die Lautstärke das Hören nicht überdeckt.

Muss ich eine Verwarnung wegen Kopfhörern akzeptieren?

Nein. Eine Verwarnung mit Verwarnungsgeld ist nach § 56 Abs. 2 OWiG nur wirksam, wenn Du nach Belehrung über Dein Weigerungsrecht einverstanden bist und zahlst. Lehnst Du ab, kann die Behörde ein Bußgeldverfahren einleiten und einen Bußgeldbescheid erlassen. Dann kommen Gebühren und Auslagen hinzu, mindestens 25 Euro Gebühr nach § 107 OWiG. Gegen den Bescheid kannst Du innerhalb von zwei Wochen Einspruch einlegen.

Wer haftet bei einem Unfall, wenn ich Kopfhörer getragen habe?

Die Haftung richtet sich nach den Verursachungsbeiträgen aller Beteiligten (§ 17 StVG, § 254 BGB). Hat der Kopfhörer dazu beigetragen, dass Du eine Gefahr zu spät bemerkt hast, kann das Deinen Haftungsanteil erhöhen. Er wirkt sich aber nur aus, wenn er für den Unfall ursächlich war; ein Kopfhörer allein macht Dich nicht automatisch schuldig. Ob und wie stark er ins Gewicht fällt, hängt vom Unfallhergang ab.

Gilt die Kopfhörerregel auch für E-Scooter-Fahrer?

Ja. E-Scooter-Fahrer führen ein Fahrzeug und unterliegen § 23 Abs. 1 Satz 1 StVO genauso wie Auto- und Radfahrer. Kopfhörer sind auch hier erlaubt, solange sie das Gehör nicht beeinträchtigen. Ein Verstoß kostet nach Lfd. Nr. 107.1 des Bußgeldkatalogs 10 Euro. Nimmst Du während der Fahrt das Handy in die Hand, um die Musik zu wechseln, gilt das Handyverbot des § 23 Abs. 1a StVO mit deutlich höheren Bußgeldern.

Quellen

  1. § 23 StVO Sonstige Pflichten von Fahrzeugführenden
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026
  2. Anlage BKatV (Bußgeldkatalog, Lfd. Nr. 107.1 und 246)
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026
  3. Anlage 13 FeV Punktebewertung
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026
  4. § 56 OWiG Verwarnung durch die Verwaltungsbehörde
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026
  5. § 38 StVO Blaues und gelbes Blinklicht
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 27.10.2026

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