Verbraucherdarlehen
Kurz erklärt Ein Verbraucherdarlehen ist ein Kredit, den ein Unternehmer einem Verbraucher gewährt, etwa zur Finanzierung eines Coachings. Geregelt ist es in §§ 491 ff. BGB mit Pflichtangaben, Formvorschriften und einem Widerrufsrecht von 14 Tagen nach § 495 BGB. Ab dem 20.11.2026 gelten für neue Verträge geänderte Regeln aus dem Umsetzungsgesetz zur EU-Verbraucherkreditrichtlinie.

Inhalt 4 Abschnitte
Was ist ein Verbraucherdarlehen nach § 491 BGB?
Nach geltendem Recht sind Allgemein-Verbraucherdarlehensverträge entgeltliche Darlehensverträge zwischen einem Unternehmer als Darlehensgeber und einem Verbraucher als Darlehensnehmer (§ 491 Abs. 2 Satz 1 BGB).
Vom Verbraucherdarlehen ausgenommen sind bis zum 19.11.2026 unter anderem Kredite mit einem Nettodarlehensbetrag unter 200 Euro und Darlehen, die binnen drei Monaten zurückzuzahlen sind, wenn nur geringe Kosten vereinbart sind (§ 491 Abs. 2 Satz 2 Nr. 1 und 3 BGB).
Die Schutzregeln gelten entsprechend, wenn ein Unternehmer selbst Zahlungsaufschub oder eine sonstige entgeltliche Finanzierungshilfe gewährt (§ 506 Abs. 1 BGB). Das betrifft auch Ratenzahlungen beim Coach; mehr unter Ratenzahlung beim Coaching.
Welche Form und welches Widerrufsrecht gelten beim Verbraucherdarlehen?
Verbraucherdarlehensverträge sind derzeit schriftlich abzuschließen und müssen die Pflichtangaben nach Art. 247 EGBGB enthalten (§ 492 Abs. 1 und 2 BGB). Fehlen Schriftform oder bestimmte Pflichtangaben, ist der Vertrag nichtig, wird aber mit Auszahlung gültig (§ 494 Abs. 1 und 2 BGB).
Du kannst den Vertrag nach § 495 Abs. 1 BGB in Verbindung mit § 355 BGB binnen 14 Tagen widerrufen. Fehlen in der Vertragsurkunde Pflichtangaben, beginnt die Frist erst mit deren Nachholung und beträgt dann einen Monat (§ 356b Abs. 2 BGB). Mehr zur Fristberechnung unter Widerrufsfrist.
Was gilt, wenn ein Coaching über einen Kredit finanziert wird?
Vermittelt der Coach einen Kredit bei einer Bank oder einem Zahlungsdienst, können Coachingvertrag und Darlehen ein verbundener Vertrag sein. Das ist insbesondere anzunehmen, wenn sich der Darlehensgeber bei Vorbereitung oder Abschluss der Mitwirkung des Unternehmers bedient (§ 358 Abs. 3 Satz 2 BGB).
Die Verbindung hat zwei Folgen. Widerrufst Du den Coachingvertrag, bist Du auch an das Darlehen nicht mehr gebunden (§ 358 Abs. 1 BGB). Und Einwendungen gegen den Coach, etwa wegen Nichtigkeit nach dem FernUSG, kannst Du der Bank entgegenhalten und die Rückzahlung verweigern (§ 359 Abs. 1 BGB). Dieser Einwendungsdurchgriff gilt nicht, wenn das finanzierte Entgelt unter 200 Euro liegt (§ 359 Abs. 2 BGB).
Weitere Konstellationen findest Du unter Finanzierung über Drittanbieter.
Was ändert sich ab dem 20.11.2026 beim Verbraucherdarlehen?
Das Umsetzungsgesetz zur Verbraucherkreditrichtlinie (EU) 2023/2225 vom 12.05.2026 tritt im Wesentlichen am 20.11.2026 in Kraft (BGBl. 2026 I Nr. 139). Für Verträge, die vor diesem Tag bestanden, gilt grundsätzlich das bisherige Recht weiter (Art. 229 § 71 Abs. 1 EGBGB n. F.).
Wichtige Änderungen für neue Verträge:
- Allgemein-Verbraucherdarlehen setzen kein Entgelt mehr voraus, und die Ausnahmen für Beträge unter 200 Euro und kurze Laufzeiten mit geringen Kosten entfallen (§ 491 Abs. 2 BGB n. F.).
- Statt Schriftform genügt bei Allgemein-Verbraucherdarlehen die Textform (§ 492 Abs. 1 BGB n. F.).
- Ein Vertrag ist nichtig, wenn der effektive Jahreszins den marktüblichen in der Regel um 100 Prozent oder um zwölf Prozentpunkte übersteigt (§ 492 Abs. 9 BGB n. F.).
- Auch unentgeltliche Zahlungsaufschübe fallen grundsätzlich unter § 506 BGB (§ 506 Abs. 1 BGB n. F.).
Für die Frage nach dem Wucher bleibt daneben § 138 BGB anwendbar; mehr unter Wucher.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Allgemein-Verbraucherdarlehen ist nach geltendem § 491 Abs. 2 BGB ein entgeltlicher Kredit eines Unternehmers an einen Verbraucher.
- Du kannst den Vertrag binnen 14 Tagen widerrufen (§ 495 Abs. 1, § 355 BGB); fehlen Pflichtangaben, beginnt die Frist erst mit der Nachholung (§ 356b Abs. 2 BGB).
- Ist ein Coaching über einen verbundenen Kredit finanziert, kannst Du Einwendungen gegen den Coach der Bank entgegenhalten (§ 359 Abs. 1 BGB), ab 200 Euro.
- Für Verträge ab dem 20.11.2026 gilt neues Recht: keine 200-Euro-Ausnahme mehr, Textform und Nichtigkeit bei Wucherzinsen nach § 492 Abs. 9 BGB n. F.
- Verträge, die vor dem 20.11.2026 bestanden, bleiben grundsätzlich beim alten Recht (Art. 229 § 71 EGBGB).
Häufige Fragen (10)
Wann liegt ein Verbraucherdarlehen vor?
Wenn ein Unternehmer als Darlehensgeber einem Verbraucher gegen Entgelt Geld zur Verfügung stellt (§ 491 Abs. 2 Satz 1 BGB). Typisch sind Ratenkredite, Rahmenkredite und Dispokredite. Nach geltendem Recht fallen Kleinstkredite unter 200 Euro und kurzfristige Darlehen mit geringen Kosten heraus. Ab dem 20.11.2026 entfallen diese Ausnahmen für neue Verträge, und auch zinslose Kredite können erfasst sein.
Welche Verbraucherdarlehen gibt es?
Das BGB unterscheidet Allgemein-Verbraucherdarlehen und Immobiliar-Verbraucherdarlehen (§ 491 Abs. 1 BGB). Immobiliar-Verbraucherdarlehen sind durch ein Grundpfandrecht oder eine Reallast besichert oder dienen dem Erwerb oder Erhalt von Grundstücken und Gebäuden (§ 491 Abs. 3 BGB). Für Ratenzahlungen und Zahlungsaufschübe direkt beim Händler gelten die Regeln über Finanzierungshilfen in § 506 BGB entsprechend.
Wie lange kann ich einen Verbraucherkredit widerrufen?
Die Widerrufsfrist beträgt 14 Tage (§ 495 Abs. 1, § 355 Abs. 2 BGB). Sie beginnt erst, wenn Du eine Vertragsurkunde oder Abschrift erhalten hast (§ 356b Abs. 1 BGB). Fehlen Pflichtangaben, beginnt sie erst mit deren Nachholung und beträgt dann einen Monat (§ 356b Abs. 2 BGB). Eine Höchstfrist sieht § 356b Abs. 2 BGB bisher nur für Immobiliar-Verbraucherdarlehen vor; für Verträge ab dem 20.11.2026 kann das Recht nach ordnungsgemäßer Widerrufsinformation spätestens nach zwölf Monaten und 14 Tagen erlöschen.
Was ist ein verbundener Vertrag?
Ein Kredit und ein Kauf- oder Dienstvertrag sind verbunden, wenn das Darlehen den anderen Vertrag finanziert und beide eine wirtschaftliche Einheit bilden (§ 358 Abs. 3 BGB). Das ist insbesondere so, wenn der Verkäufer selbst finanziert oder die Bank sich seiner Mitwirkung bedient. Dann wirkt ein Widerruf des einen Vertrags auf den anderen, und Einwendungen aus dem Coachingvertrag kannst Du der Bank nach § 359 BGB entgegenhalten.
Muss ich den Kredit weiterzahlen, wenn der Coachingvertrag nichtig ist?
Nicht unbedingt. Ist der Kredit mit dem Coachingvertrag verbunden, kannst Du die Rückzahlung verweigern, soweit Dich Einwendungen aus dem Coachingvertrag gegenüber dem Coach dazu berechtigen würden (§ 359 Abs. 1 BGB). Ein Beispiel für solche Einwendungen beim Verbraucherdarlehen ist die Nichtigkeit nach § 7 Abs. 1 FernUSG bei fehlender ZFU-Zulassung. Das gilt nicht, wenn das finanzierte Entgelt unter 200 Euro liegt. Ob ein verbundener Vertrag vorliegt, ist im Einzelfall zu prüfen.
Welche Form braucht ein Verbraucherdarlehensvertrag?
Nach geltendem Recht die Schriftform, soweit keine strengere Form vorgeschrieben ist; Antrag und Annahme dürfen getrennt schriftlich erklärt werden (§ 492 Abs. 1 BGB). Fehlt die Schriftform, ist der Vertrag nichtig, wird aber mit Auszahlung gültig (§ 494 BGB). Für Allgemein-Verbraucherdarlehen, die ab dem 20.11.2026 geschlossen werden, genügt die Textform; Immobiliar-Verbraucherdarlehen brauchen weiter die Schriftform.
Was passiert, wenn Pflichtangaben im Kreditvertrag fehlen?
Der Vertrag über das Verbraucherdarlehen ist zunächst nichtig, wird aber gültig, sobald Du das Darlehen empfängst oder in Anspruch nimmst (§ 494 Abs. 1 und 2 BGB). Fehlen Sollzins, effektiver Jahreszins oder Gesamtbetrag, schuldest Du nur den gesetzlichen Zinssatz. Nicht angegebene Kosten musst Du nicht zahlen (§ 494 Abs. 4 BGB). Außerdem beginnt die Widerrufsfrist erst mit Nachholung der Angaben (§ 356b Abs. 2 BGB).
Ist Buy now, pay later ein Verbraucherdarlehen?
Nach bisherigem Recht oft nicht, weil kostenlose Zahlungsaufschübe von § 506 BGB nur bei Entgelt erfasst werden und kurze Fristen ausgenommen sein können. Ab dem 20.11.2026 erfasst § 506 Abs. 1 BGB n. F. grundsätzlich auch unentgeltliche Zahlungsaufschübe. Ausgenommen bleibt unter anderem ein kostenloser Aufschub des Händlers selbst von höchstens 50 Tagen ohne Beteiligung Dritter; für große Online-Anbieter, die keine kleinen oder mittleren Unternehmen sind, gelten höchstens 14 Tage.
Wann ist ein Kredit wegen zu hoher Zinsen unwirksam?
Nach geltendem Recht kann ein Kredit nach § 138 BGB sittenwidrig sein, wenn Leistung und Gegenleistung in einem auffälligen Missverhältnis stehen und weitere Umstände hinzukommen. Für Allgemein-Verbraucherdarlehen ab dem 20.11.2026 regelt § 492 Abs. 9 BGB n. F. eine eigene Grenze: Ein auffälliges Missverhältnis liegt in der Regel vor, wenn der effektive Jahreszins den marktüblichen um 100 Prozent oder um zwölf Prozentpunkte übersteigt. Dann ist der Vertrag nichtig.
Wann verjährt ein Verbraucherdarlehen?
Ansprüche aus dem Darlehen verjähren in der regelmäßigen Frist von drei Jahren ab Ende des Jahres, in dem sie fällig werden und der Gläubiger davon Kenntnis hat (§§ 195, 199 BGB). Bei Verzug des Darlehensnehmers ist die Verjährung von Rückzahlungs- und Zinsansprüchen nach § 497 Abs. 3 Satz 3 BGB bis zur Titulierung gehemmt, höchstens zehn Jahre ab Entstehung. Ob eine Forderung verjährt ist, lässt sich nur anhand der konkreten Daten prüfen.
Quellen
Weitere Begriffe in Online-Coaching-Recht
Kostenlose Fallprüfung
Schildere uns Deinen Fall. Wir prüfen kostenlos und unverbindlich, welche Möglichkeiten Du hast.