Lastschriftwiderruf

  • Zuletzt aktualisiert:
  • 3 Min. Lesezeit

Kurz erklärt Ein Lastschriftwiderruf ist die Rückgabe einer abgebuchten SEPA-Lastschrift über die eigene Bank. Nach § 675x Abs. 2 und 4 BGB kannst Du eine autorisierte SEPA-Basislastschrift binnen acht Wochen ab Belastung ohne Begründung zurückholen, bei fehlendem Mandat bis zu 13 Monate. Der Vertrag mit dem Anbieter, etwa einem Coach, bleibt davon unberührt.

Person am Laptop im Online-Kurs, überlegt einen Lastschriftwiderruf nach einer Abbuchung zu veranlassen
Inhalt 4 Abschnitte

Was bedeutet Lastschriftwiderruf rechtlich?

Umgangssprachlich steckt hinter dem Begriff dreierlei. Erstens die Erstattung einer bereits abgebuchten SEPA-Basislastschrift: Dafür hast Du gegen Deine Bank einen Anspruch ohne Angabe von Gründen (§ 675x Abs. 2 BGB), den Du innerhalb von acht Wochen ab der Belastung geltend machen musst (§ 675x Abs. 4 BGB). Bei einem Lastschriftwiderruf muss die Bank binnen zehn Geschäftstagen erstatten.

Zweitens die Rückholung einer Zahlung ohne gültiges Mandat. Sie ist nicht autorisiert, die Frist beträgt dann 13 Monate ab Belastung (§ 676b Abs. 2 BGB). Drittens der Widerruf des Mandats für die Zukunft: Nach § 675j Abs. 2 BGB kannst Du die Zustimmung zu weiteren Abbuchungen widerrufen, sodass künftige Lastschriften nicht mehr autorisiert sind. Beim Lastschriftwiderruf kann bei der Firmenlastschrift der Erstattungsanspruch vertraglich ausgeschlossen sein (§ 675x Abs. 3 BGB). Wie Banken und Kartenanbieter rückbuchen, vergleicht Rücklastschrift und Chargeback.

Beendet der Lastschriftwiderruf Deinen Coachingvertrag?

Nein. Mit dem Lastschriftwiderruf holst Du nur das Geld zurück, die Forderung des Anbieters bleibt bestehen, wenn der Vertrag wirksam ist. Für den PayPal-Käuferschutz hat der BGH entschieden, dass der Verkäufer nach der Rückbuchung erneut Zahlung verlangen kann (Urteil vom 22.11.2017, VIII ZR 83/16). Auch ein Lastschriftwiderruf mit Ende des Mandats beendet keinen Vertrag, er nimmt dem Anbieter nur den Zahlungsweg.

Aus dem Vertrag kommst Du nur mit einem rechtlichen Grund: Widerrufsrecht beim Online-Coaching, Kündigung des Coachingvertrags oder Nichtigkeit. Ein Fernunterrichtsvertrag ohne ZFU-Zulassung ist nach § 7 Abs. 1 FernUSG nichtig, auch gegenüber Unternehmern (BGH, Urteil vom 12.06.2025, III ZR 109/24). Ob Dein Programm darunterfällt, prüft der Eintrag Nichtigkeit des Coachingvertrags.

Welche Folgen hat eine Rückbuchung?

Ist die Forderung berechtigt, gerätst Du nach dem Lastschriftwiderruf mit der Zahlung in Verzug. Der Anbieter kann Verzugszinsen und die Bankgebühren für die Rücklastschrift verlangen, wenn Du sie zu vertreten hast. Eine Pauschale von 50 Euro je Rücklastschrift in AGB hat der BGH für unwirksam erklärt, weil Personalkosten kein ersatzfähiger Schaden sind (Urteil vom 17.09.2009, Xa ZR 40/08).

Danach folgen oft Mahnung, Inkasso wegen Coachinggebühren oder ein Mahnbescheid, gegen den Du binnen zwei Wochen widersprechen kannst. Vertragsklauseln, nach denen bei einer Rücklastschrift alle restlichen Raten sofort fällig werden, prüft Ratenzahlung beim Coaching.

Wann ist der Widerruf sinnvoll und wann riskant?

Sinnvoll ist der Lastschriftwiderruf, wenn Du einen Rechtsgrund hast: Du hast wirksam widerrufen, der Vertrag ist nichtig oder es wurde mehr abgebucht als vereinbart. Dann behältst Du Dein Geld, und der Streit dreht sich um die Frage, ob der Anbieter überhaupt etwas verlangen kann. Erkläre Widerruf oder Kündigung zusätzlich ausdrücklich gegenüber dem Anbieter.

Riskant ist der Lastschriftwiderruf ohne Grund. Er verlagert den Streit nur und kann Kosten auslösen. Außerhalb des Coachings gilt dasselbe: Wer etwa die Miete zurückbucht, riskiert einen Rückstand, der eine Kündigung wegen Zahlungsverzugs tragen kann.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine autorisierte SEPA-Basislastschrift kannst Du binnen acht Wochen ab Belastung ohne Begründung zurückholen (§ 675x Abs. 2 und 4 BGB).
  • Ohne gültiges Mandat beträgt die Frist 13 Monate ab Belastung (§ 676b Abs. 2 BGB).
  • Den Widerruf des Mandats für künftige Abbuchungen erklärst Du nach § 675j Abs. 2 BGB.
  • Die Rückbuchung beendet keinen Vertrag; die Forderung lebt weiter, wenn der Vertrag wirksam ist (BGH VIII ZR 83/16).
  • Rücklastschrift-Pauschalen über dem tatsächlichen Schaden sind in AGB unwirksam (BGH, 17.09.2009, Xa ZR 40/08).

Häufige Fragen (10)

Wie lange ist ein Lastschriftwiderruf möglich?

Acht Wochen ab dem Tag der Belastung, wenn Du das SEPA-Mandat selbst erteilt hast (§ 675x Abs. 4 BGB). In dieser Zeit musst Du keinen Grund nennen. Gab es kein gültiges Mandat, ist die Abbuchung nicht autorisiert. Dann kannst Du die Erstattung bis zu 13 Monate nach der Belastung verlangen (§ 676b Abs. 2 BGB), sofern Dich die Bank über die Buchung informiert hat.

Was passiert nach einem Lastschriftwiderruf?

Deine Bank schreibt Dir den Betrag gut, der Empfänger erhält eine Rücklastschrift und meist eine Bankgebühr. Am Vertrag ändert der Lastschriftwiderruf nichts. Ist die Forderung berechtigt, wirst Du in der Regel gemahnt, und es können Verzugszinsen, Gebühren und Inkassokosten folgen. Ist der Vertrag dagegen nichtig oder wirksam widerrufen, muss der Anbieter zeigen, dass er überhaupt einen Anspruch hat.

Muss ich beim Lastschriftwiderruf einen Grund angeben?

Bei der SEPA-Basislastschrift nicht. § 675x Abs. 2 BGB gibt Dir innerhalb von acht Wochen einen Erstattungsanspruch ohne Angabe von Gründen, die Bank darf ihn nicht ablehnen. Anders ist es nach Ablauf der acht Wochen: Dann musst Du darlegen, dass die Abbuchung nicht autorisiert war, etwa weil Du nie ein Mandat erteilt hast.

Kostet es etwas, eine Lastschrift zurückzugeben?

Ob Deine Bank ein Entgelt verlangt, steht in ihrem Preisverzeichnis; für Nebenpflichten darf sie nach § 675f Abs. 5 BGB nur ein vereinbartes, angemessenes Entgelt nehmen. Kosten entstehen vor allem beim Zahlungsempfänger, dessen Bank eine Rücklastschriftgebühr berechnet. Diese tatsächlichen Gebühren kann er von Dir als Schaden verlangen, wenn Du die Rückgabe zu vertreten hast. Pauschalen in AGB dürfen den typischen Schaden nicht übersteigen (§ 309 Nr. 5 BGB).

Kann ich mit einem Lastschriftwiderruf aus einem Coachingvertrag aussteigen?

Nein. Der Widerruf der Lastschrift holt nur Geld zurück, er beendet keinen Vertrag. Aussteigen kannst Du durch Widerruf nach §§ 355, 356 BGB, durch Kündigung oder weil der Vertrag nichtig ist, etwa nach § 7 Abs. 1 FernUSG ohne ZFU-Zulassung. Erkläre den rechtlichen Grund ausdrücklich gegenüber dem Anbieter und bewahre den Nachweis auf.

Wie widerrufe ich ein SEPA-Lastschriftmandat?

Durch eine Erklärung, dass Du das Mandat für künftige Abbuchungen widerrufst. Sie kann gegenüber dem Zahlungsempfänger erfolgen; zusätzlich kannst Du nach § 675j Abs. 2 BGB Deine Zustimmung gegenüber Deiner Bank widerrufen, sodass weitere Abbuchungen nicht autorisiert sind. Nenne Mandatsreferenz und Gläubiger-ID. Der Widerruf wirkt nur für die Zukunft, bereits gebuchte Beträge holst Du über die Acht-Wochen-Erstattung zurück.

Was passiert, wenn trotz Widerruf weiter abgebucht wird?

Dann fehlt es an einer Autorisierung. Hast Du die Zustimmung wirksam widerrufen, ist jede weitere Abbuchung ein nicht autorisierter Zahlungsvorgang. Deine Bank muss den Betrag erstatten, wenn Du ihr das innerhalb von 13 Monaten nach der Belastung meldest (§ 676b Abs. 2 BGB). Innerhalb von acht Wochen geht es noch einfacher über § 675x BGB ohne Begründung.

Wann kommt das Geld nach dem Zurückbuchen der Lastschrift?

Spätestens nach zehn Geschäftstagen. § 675x Abs. 5 BGB verpflichtet Deine Bank, innerhalb dieser Frist nach Zugang des Erstattungsverlangens entweder den vollen Betrag zu erstatten oder die Ablehnung zu begründen. Bei der SEPA-Basislastschrift innerhalb von acht Wochen darf sie nicht ablehnen. Nach § 675x Abs. 1 Satz 2 BGB ist die Gutschrift mit Wertstellung spätestens zum Geschäftstag der ursprünglichen Belastung vorzunehmen.

Kann ich eine Lastschrift bei der Kreditkarte widerrufen?

Eine Kreditkartenzahlung ist keine Lastschrift, § 675x Abs. 2 BGB gilt dafür nicht. Bei Streit mit dem Händler hilft nur der Chargeback nach den Regeln der Kartenorganisation und Deiner Bank. Wurde die Kartenzahlung gar nicht von Dir veranlasst, muss die Bank nach § 675u BGB erstatten, wenn Du das innerhalb von 13 Monaten meldest.

Ist eine Rückbuchung nach acht Wochen noch möglich?

Nur bei einer nicht autorisierten Abbuchung, also wenn kein wirksames Mandat bestand oder Du es vorher widerrufen hattest. Dann gilt die Frist von 13 Monaten nach § 676b Abs. 2 BGB. Bei einer autorisierten Lastschrift ist die Erstattung nach acht Wochen ausgeschlossen. Geld, das Dir nicht zusteht, musst Du dann direkt vom Anbieter zurückfordern, notfalls gerichtlich.

Quellen

  1. § 675x BGB Erstattungsanspruch bei vom Zahlungsempfänger ausgelöstem Zahlungsvorgang
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 28.10.2026
  2. § 676b BGB Anzeige nicht autorisierter Zahlungsvorgänge
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 28.10.2026
  3. § 675j BGB Zustimmung und Widerruf der Zustimmung
    GesetzBundesministerium der Justiz · abgerufen am 28.10.2026
  4. BGH, Urteil vom 17.09.2009, Xa ZR 40/08 (Pauschale für Rücklastschriften)
    UrteilBundesgerichtshof · abgerufen am 28.10.2026
  5. BGH, Urteil vom 12.06.2025, III ZR 109/24 (FernUSG, Nichtigkeit ohne Zulassung)
    UrteilBundesgerichtshof · abgerufen am 28.10.2026

Redaktion

Redaktion Kanzlei CleverLaw

Redaktion Rechtslexikon

Zur Redaktionsrichtlinie

Weitere Begriffe in Online-Coaching-Recht

Kostenlose Fallprüfung

Schildere uns Deinen Fall. Wir prüfen kostenlos und unverbindlich, welche Möglichkeiten Du hast.